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		<title>Die größten Ökonomen</title>
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		<published>2013-04-02T09:33:57+00:00</published>
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		<author>
			<name>Dombergen</name>
			<email>dombergen@gmx.de</email>
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			&lt;div&gt;
				&lt;p&gt;
					Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					Quelle: Wiwo.de&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					mehr unter http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/von-keynes-bis-schumpeter-die-groessten-oekonomen/5828462.html?slp=false&amp;amp;p=12&amp;amp;a=false#image&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					Mehr unter &lt;a href=&quot;http://books.google.de/books?id=vu71jrbWF4cC&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false&quot;&gt;Große Ökomomen und ihre Ideen&lt;/a&gt;, Hrsg.: Tichy;&amp;nbsp; Verlag: Wirtschaftswoche&lt;/p&gt;
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				&lt;p&gt;
					Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					Quelle: Wiwo.de&lt;/p&gt;
				&lt;p&gt;
					mehr unter http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/von-keynes-bis-schumpeter-die-groessten-oekonomen/5828462.html?slp=false&amp;amp;p=12&amp;amp;a=false#image&lt;/p&gt;
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				&lt;p&gt;
					Mehr unter &lt;a href=&quot;http://books.google.de/books?id=vu71jrbWF4cC&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false&quot;&gt;Große Ökomomen und ihre Ideen&lt;/a&gt;, Hrsg.: Tichy;&amp;nbsp; Verlag: Wirtschaftswoche&lt;/p&gt;
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	&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;</content>
		<category term="Geschichte der VWL" />
	</entry>
	<entry>
		<title>Smith, Adam</title>
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		<published>2012-07-30T19:35:12+00:00</published>
		<updated>2012-07-30T19:35:12+00:00</updated>
		<id>http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/90-smith-adam</id>
		<author>
			<name>Dombergen</name>
			<email>dombergen@gmx.de</email>
		</author>
		<summary type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;p&gt;
	&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die Bibel der Liberalen&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;a href=&quot;http://www.econlib.org/library/Enc/bios/Smith.html&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Adam Smith&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;: &lt;a href=&quot;http://www.wiwi.uni-muenster.de/ecochron/personen/p_smith.htm#hauptwerke&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Der Wohlstand der Nationen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	Ein scharfer Hund, dieser &lt;a href=&quot;http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/adam-smith-urvater-der-oekonomie/5939410-all.html&quot;&gt;Adam Smith&lt;/a&gt;. Im Kampf gegen militante Tee- und Branntweinschmuggler war Smith - seit 1778 Zollkommissar in Schottland - nicht zum Spaßen aufgelegt. In Briefen ist überliefert, wie er sogar das Militär zu Hilfe rief und zusammen mit seinen Kollegen alte Schiffsrümpfe an der Küste stationieren ließ - als Truppenstützpunkte. Eine überraschende Wendung, denn den gesetzestreuen Staatsdiener Smith kennt man eigentlich ganz anders.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;img src=&quot;../cmsl/gfx/smith.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 176px; height: 200px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	1776 hatte Adam Smith &lt;a href=&quot;http://dibb.de/smith-adam-wealth-of-nations.php&quot;&gt;(1723-1790)&lt;/a&gt; sein Werk &lt;em&gt;Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Wohlstands der Nationen&lt;/em&gt; veröffentlicht - eine monumentale, in fünf &quot;Bücher&quot; gegliederte Abhandlung von mehr als 1000 Seiten. Seither gilt der schottische Moralphilosoph als Vater der klassischen Volkswirtschaftslehre - und als eine Art Schutzpatron für Anhänger der freien Marktwirtschaft. Wenn es gegen Steuern und Zölle und für eine Entfesselung der Wirtschaft geht, werden immer wieder knackige Zitate vom liberalen Urvater Smith bemüht: &quot;Große Nationen verarmen nie durch private Verschwendung und Fehlverhalten, wohl aber durch solche der öffentlichen Hand&quot;, hatte er einst gewettert. &quot;Nichts lernen die Regierungen schneller voneinander, als wie man den Leuten das Geld aus der Tasche zieht.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Seit der &lt;em&gt;Wohlstand der Nationen&lt;/em&gt; vor über 200 Jahren erschien, hat kein anderes Buch einen vergleichbaren Einfluß auf die Wirtschaftswissenschaft genommen - und es ist wohl auch kein zweites so oft mißverstanden worden. Smiths Verleger William Strahan war äußerst skeptisch, als er das reichlich ungeordnete Monumentalwerk des Professors zu Gesicht bekam, und zahlte ein mageres Honorar von 300 Pfund. Das Manuskript war vollgepackt mit Theorien, Analysen und Anschauungsmaterial von Smiths Reisen. Es finden sich Traktate über so spezielle Themen wie die &quot;Ausgaben für Repräsentation des Staatsoberhauptes&quot;, dann wiederum folgen gepfefferte Angriffe auf den Größenwahn des britischen Empire und ein Aufruf zur amerikanischen Unabhängigkeit, und in jedem Kapitel ist eine gewaltige Detailflut zu bewältigen. Smith läßt nicht aus, daß die antiken Römer zunächst &quot;nur Kupfergeld&quot; kannten, daß der weise Isokrates für seine Kurse ein Honorar von umgerechnet 3333 Pfund, 6 Shilling und 8 Pence verlangte und daß die Stadt Hamburg an den Geldnöten ihrer Bürger 33&amp;nbsp;750 Pfund verdiente - per Pfandkreditzins (sechs Prozent). Trotzdem verkaufte sich die erste Auflage schnell, man diskutierte das Werk bald in elitären Zirkeln in ganz Europa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Adam Smith eröffnet sein Werk kraftvoll mit einer Erklärung darüber, was er für die eigentliche Quelle des Wohlstands hält: &quot;Die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsteilung#Adam_Smith&quot;&gt;Arbeitsteilung&lt;/a&gt; dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern&quot;, postuliert er im ersten Satz seines Werkes. Die &lt;strong&gt;Arbeitsteilung &lt;/strong&gt;ist für ihn die Spezialisierung der Wirtschaftssubjekte auf das, was sie am besten können und worin sie mit zunehmender Produktionsmenge und Erfahrung immer besser werden. Smiths berühmtestes Beispiel brachte er vom Besuch einer Stecknadelmanufaktur mit: Ein Arbeiter könne allein pro Tag nicht mal 20 Nadeln herstellen. Zehn Arbeiter aber, die sich jeweils auf ein paar Handgriffe spezialisieren, könnten täglich 48&amp;nbsp;000 Nadeln herstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Doch ein solches System muß landes- oder gar weltweit koordiniert werden - und Smith erläutert, warum das am besten über den Markt geschieht. Er fängt damit an, daß er den Menschen bestimmte Neigungen unterstellt: etwa zum &quot;Tausch und Handel&quot; und natürlich, sich materiell besserzustellen. In ausführlichen Kapiteln erarbeitet Smith daraus eine Markt- und Preistheorie und eine Theorie über den Wirtschaftskreislauf. Zwar ist nicht alles neu, was Smith da schreibt, doch er fügt die Vielzahl ökonomischer Erkenntnisse seiner Zeit zu einem geschlossenen Weltbild zusammen. Sein System aus Geld, Marktpreisen und Herstellungskosten, Löhnen, Gewinnen und Renten verwandelt am Ende den Eigennutz der Menschen in Gemeinwohl - viel effizienter als staatliche Pläne. &quot;Der einzelne vermag ganz offensichtlich aus seiner Kenntnis der örtlichen Verhältnisse weit besser zu beurteilen, als es irgendein Staatsmann oder Gesetzgeber für ihn tun kann, welcher Erwerbszweig im Lande für den Einsatz seines Kapitals geeignet ist und welcher einen Ertrag abwirft, der den höchsten Wertzuwachs verspricht.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Die zentrale Rolle, die Smith dem Eigennutz zumißt, war wohl der häufigste Anlaß für Fehldeutungen. &quot;Nicht von dem Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse&quot;, schreibt Smith. Für den Ausgleich der Interessen sorgt die &lt;a href=&quot;http://www.wiwi.uni-muenster.de/09/ecochron/ec-top.htm?pp_smith1.htm&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;&quot;unsichtbare Hand&quot;&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; des Marktes - die bekannteste Metapher der Wirtschaftswissenschaften, die im Buch eher beiläufig vorkommt (auch sie ist keine Smithsche Erfindung, sondern wird auf eine satirische Fabel zurückgeführt). Staatliche Eingriffe in dieses &quot;offensichtliche und einfache System der natürlichen Freiheit&quot;, erläutert er, stören und führen zu schlechteren Ergebnissen. Das treibt Smith ab Buch drei zu der Frage, welche Rolle eigentlich für den Staat bleiben soll. Smith war sich für Politikerschelte (&quot;listige Geschöpfe&quot;) nie zu schade, und die Staatstätigkeit im damaligen Großbritannien fand er viel zu umfangreich. In langen Traktaten, Untersuchungen über die &quot;Geschichte der zivilen Gesellschaft&quot; und Fallbeispielen führt Smith die Schädlichkeit staatlicher Eingriffe vor, auch die von Staatsmonopolen. Das geht direkt gegen die Lehren der Merkantilisten. Im &lt;em&gt;Wohlstand der Nationen&lt;/em&gt; plädiert der spätere Zollkommissar für die Abschaffung der Zölle und will den Freihandel einführen, notfalls gar einseitig - natürlich, um die internationale Arbeitsteilung voranzubringen. Adam Smith war ein Anhänger der Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Das Wort vom &quot;laissez faire&quot;, mit dem er bisweilen identifiziert wird, hat Smith allerdings nie in den Mund genommen. Der völlige Rückzug des Staates aus der Wirtschaft war nicht seine Sache. Smith hing den Ansichten seines Freundes, des Philosophen David Hume an, für den der Staat - oder präziser das Regime aus rechtlichen Arrangements, öffentlicher Politik und informellen Konventionen - zur spontanen, natürlichen Ordnung gehört, die sich unter Menschen entwickelt. Für Smith hat der Staat die Aufgabe, dem Markt durch die Justiz (und ebenso durch das Militär) seine Spielregeln zu setzen und außerdem einige klar abgegrenzte öffentliche Güter bereitzustellen: Verteidigung, Verkehrswege, Bildung. Passend hat Smith sein fünftes Buch als eine akribische Anleitung für Besteuerung und Staatsausgaben verfaßt. &quot;Die deutschen Ordoliberalen der Frankfurter Schule können sich mit größerem Recht auf Adam Smith berufen als die Marktradikalen&quot;, sagt Razeen Sally, Experte für ökonomische Ideengeschichte an der London School of Economics.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Es ist vielen Beobachtern ein Rätsel geblieben, warum ausgerechnet Adam Smith sich mit den niederen Fragen des Wirtschaftens auseinandersetzte. Schließlich war er schon 1759 mit mit seiner &lt;em&gt;Theorie der moralischen Gefühle&lt;/em&gt; zu Ruhm gekommen, die er für sein Meisterstück hielt. Die Universität Glasgow, an der Smith lange lehrte, war damals das Zentrum der schottischen Aufklärungsbewegung, und die Moralphilosophie galt als die höchste der Schulen. Doch beide Bücher ergänzen sich gut. Die Grundfrage der Moralphilosophen war nämlich allgemeiner Art: Wie wird eine zivilisierte Gesellschaft freier Menschen zusammengehalten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	In seiner &quot;Theorie der moralischen Gefühle&quot; hatte Smith nach Gründen gesucht, warum Menschen neben einem gesunden Selbsterhaltungstrieb auch Nächstenliebe und Altruismus entwickeln. Damit wandte er sich gegen ein extrem individualistisches Menschenbild à la Thomas Hobbes - so daß es seltsam klingt, wenn Adam Smith heute manchmal als Apologet von Egoismus und Raffgier herangezogen wird. Ein Zeitgenosse hatte Smith freilich schon damals gewarnt, daß er wohl den falschen Leuten Munition liefern würde. Smith wurde gelegentlich auch ein Widerspruch seines Menschenbildes in den beiden Büchern vorgeworfen. Doch der scheinbare Gegensatz löst sich auf, denn &quot;moralische Gefühle&quot; kommen für Smith bei persönlichen Kontakten zur Geltung. Im &lt;em&gt;Wohlstand der Nationen&lt;/em&gt; suchte er hingegen nach einem Mechanismus für die Koordination all der unpersönlichen Transaktionen, die an einem nationalen oder Weltmarkt erforderlich sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Bei der Lektüre des im 18. Jahrhundert verfaßten Buches staunt man bisweilen über die Weitsicht des Visionärs Adam Smith - zum Beispiel, wenn er lange vor der Erfindung der Fließbandarbeit die Abstumpfung der Arbeiter beklagt. Um die Folgen seiner Arbeitsteilung erträglicher zu machen, hat er geradezu sozialdemokratische Konzepte angedacht: etwa eine Volksbildung für alle - was den Menschen mehr Lebensinhalt bringen und zur demokratischen Fortentwicklung beitragen solle. Und Smiths &quot;Wohlstand&quot; war stets für die ganze Nation gedacht. &quot;Keine Gesellschaft kann blühen und glücklich sein, wenn die Mehrheit arm ist&quot;, warnte er. An einer Stelle forderte er sogar, zugunsten der Armen die Kutschen der Wohlhabenden mit einer höheren Abgabe zu belegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Vor Fehlern war er natürlich auch nicht gefeit. In seiner Wachstums- und Kapitaltheorie (Buch zwei) und in den historischen Betrachtungen greift er die sonst von ihm geachtete Schule der französischen Physiokraten an: Sie hatten postuliert, daß nur die Landwirtschaft die wirkliche Quelle für den Wohlstand der Nationen sei. Für Smith hingegen hießen die Wohlstandsquellen Arbeit und Kapitalinvestitionen - seine Meinung setzte sich durch. Bloß, daß Smith auch zwischen &quot;produktiver&quot; und &quot;unproduktiver&quot; Arbeit unterschied. Verbrauchernahe Dienstleistungen, die in den modernen Volkswirtschaften erheblich zum Sozialprodukt beitragen, zählen zur letzteren Kategorie. Doch die Informations- und Freizeitgesellschaft vorherzusagen wäre vom Urvater der modernen Wirtschaftswissenschaft auch wirklich zu viel verlangt gewesen. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Au%C3%9Fenhandelstheorie#Adam_Smith&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;mehr...&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;Adam Smith: &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Der Wohlstand der Nationen&lt;/strong&gt; Aus dem &lt;a href=&quot;http://www.bibliomania.com/2/1/65/112/frameset.html&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;englischen Originaltext&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; von Horst Claus Recktenwald; dtv, München 1988;&lt;br /&gt;
	&lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/archiv/1999/23/199923.biblio-serie_4_.xml&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Weitere Ökonomen wie D. Riccardo &lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
	&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
	Text von Thomas Fischermann&lt;br /&gt;
	Quelle: (c) DIE ZEIT 1999&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</summary>
		<content type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;p&gt;
	&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die Bibel der Liberalen&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;a href=&quot;http://www.econlib.org/library/Enc/bios/Smith.html&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Adam Smith&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;: &lt;a href=&quot;http://www.wiwi.uni-muenster.de/ecochron/personen/p_smith.htm#hauptwerke&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Der Wohlstand der Nationen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	Ein scharfer Hund, dieser &lt;a href=&quot;http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/adam-smith-urvater-der-oekonomie/5939410-all.html&quot;&gt;Adam Smith&lt;/a&gt;. Im Kampf gegen militante Tee- und Branntweinschmuggler war Smith - seit 1778 Zollkommissar in Schottland - nicht zum Spaßen aufgelegt. In Briefen ist überliefert, wie er sogar das Militär zu Hilfe rief und zusammen mit seinen Kollegen alte Schiffsrümpfe an der Küste stationieren ließ - als Truppenstützpunkte. Eine überraschende Wendung, denn den gesetzestreuen Staatsdiener Smith kennt man eigentlich ganz anders.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;img src=&quot;../cmsl/gfx/smith.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 176px; height: 200px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	1776 hatte Adam Smith &lt;a href=&quot;http://dibb.de/smith-adam-wealth-of-nations.php&quot;&gt;(1723-1790)&lt;/a&gt; sein Werk &lt;em&gt;Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Wohlstands der Nationen&lt;/em&gt; veröffentlicht - eine monumentale, in fünf &quot;Bücher&quot; gegliederte Abhandlung von mehr als 1000 Seiten. Seither gilt der schottische Moralphilosoph als Vater der klassischen Volkswirtschaftslehre - und als eine Art Schutzpatron für Anhänger der freien Marktwirtschaft. Wenn es gegen Steuern und Zölle und für eine Entfesselung der Wirtschaft geht, werden immer wieder knackige Zitate vom liberalen Urvater Smith bemüht: &quot;Große Nationen verarmen nie durch private Verschwendung und Fehlverhalten, wohl aber durch solche der öffentlichen Hand&quot;, hatte er einst gewettert. &quot;Nichts lernen die Regierungen schneller voneinander, als wie man den Leuten das Geld aus der Tasche zieht.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Seit der &lt;em&gt;Wohlstand der Nationen&lt;/em&gt; vor über 200 Jahren erschien, hat kein anderes Buch einen vergleichbaren Einfluß auf die Wirtschaftswissenschaft genommen - und es ist wohl auch kein zweites so oft mißverstanden worden. Smiths Verleger William Strahan war äußerst skeptisch, als er das reichlich ungeordnete Monumentalwerk des Professors zu Gesicht bekam, und zahlte ein mageres Honorar von 300 Pfund. Das Manuskript war vollgepackt mit Theorien, Analysen und Anschauungsmaterial von Smiths Reisen. Es finden sich Traktate über so spezielle Themen wie die &quot;Ausgaben für Repräsentation des Staatsoberhauptes&quot;, dann wiederum folgen gepfefferte Angriffe auf den Größenwahn des britischen Empire und ein Aufruf zur amerikanischen Unabhängigkeit, und in jedem Kapitel ist eine gewaltige Detailflut zu bewältigen. Smith läßt nicht aus, daß die antiken Römer zunächst &quot;nur Kupfergeld&quot; kannten, daß der weise Isokrates für seine Kurse ein Honorar von umgerechnet 3333 Pfund, 6 Shilling und 8 Pence verlangte und daß die Stadt Hamburg an den Geldnöten ihrer Bürger 33&amp;nbsp;750 Pfund verdiente - per Pfandkreditzins (sechs Prozent). Trotzdem verkaufte sich die erste Auflage schnell, man diskutierte das Werk bald in elitären Zirkeln in ganz Europa.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Adam Smith eröffnet sein Werk kraftvoll mit einer Erklärung darüber, was er für die eigentliche Quelle des Wohlstands hält: &quot;Die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsteilung#Adam_Smith&quot;&gt;Arbeitsteilung&lt;/a&gt; dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern&quot;, postuliert er im ersten Satz seines Werkes. Die &lt;strong&gt;Arbeitsteilung &lt;/strong&gt;ist für ihn die Spezialisierung der Wirtschaftssubjekte auf das, was sie am besten können und worin sie mit zunehmender Produktionsmenge und Erfahrung immer besser werden. Smiths berühmtestes Beispiel brachte er vom Besuch einer Stecknadelmanufaktur mit: Ein Arbeiter könne allein pro Tag nicht mal 20 Nadeln herstellen. Zehn Arbeiter aber, die sich jeweils auf ein paar Handgriffe spezialisieren, könnten täglich 48&amp;nbsp;000 Nadeln herstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Doch ein solches System muß landes- oder gar weltweit koordiniert werden - und Smith erläutert, warum das am besten über den Markt geschieht. Er fängt damit an, daß er den Menschen bestimmte Neigungen unterstellt: etwa zum &quot;Tausch und Handel&quot; und natürlich, sich materiell besserzustellen. In ausführlichen Kapiteln erarbeitet Smith daraus eine Markt- und Preistheorie und eine Theorie über den Wirtschaftskreislauf. Zwar ist nicht alles neu, was Smith da schreibt, doch er fügt die Vielzahl ökonomischer Erkenntnisse seiner Zeit zu einem geschlossenen Weltbild zusammen. Sein System aus Geld, Marktpreisen und Herstellungskosten, Löhnen, Gewinnen und Renten verwandelt am Ende den Eigennutz der Menschen in Gemeinwohl - viel effizienter als staatliche Pläne. &quot;Der einzelne vermag ganz offensichtlich aus seiner Kenntnis der örtlichen Verhältnisse weit besser zu beurteilen, als es irgendein Staatsmann oder Gesetzgeber für ihn tun kann, welcher Erwerbszweig im Lande für den Einsatz seines Kapitals geeignet ist und welcher einen Ertrag abwirft, der den höchsten Wertzuwachs verspricht.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Die zentrale Rolle, die Smith dem Eigennutz zumißt, war wohl der häufigste Anlaß für Fehldeutungen. &quot;Nicht von dem Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse&quot;, schreibt Smith. Für den Ausgleich der Interessen sorgt die &lt;a href=&quot;http://www.wiwi.uni-muenster.de/09/ecochron/ec-top.htm?pp_smith1.htm&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;&quot;unsichtbare Hand&quot;&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; des Marktes - die bekannteste Metapher der Wirtschaftswissenschaften, die im Buch eher beiläufig vorkommt (auch sie ist keine Smithsche Erfindung, sondern wird auf eine satirische Fabel zurückgeführt). Staatliche Eingriffe in dieses &quot;offensichtliche und einfache System der natürlichen Freiheit&quot;, erläutert er, stören und führen zu schlechteren Ergebnissen. Das treibt Smith ab Buch drei zu der Frage, welche Rolle eigentlich für den Staat bleiben soll. Smith war sich für Politikerschelte (&quot;listige Geschöpfe&quot;) nie zu schade, und die Staatstätigkeit im damaligen Großbritannien fand er viel zu umfangreich. In langen Traktaten, Untersuchungen über die &quot;Geschichte der zivilen Gesellschaft&quot; und Fallbeispielen führt Smith die Schädlichkeit staatlicher Eingriffe vor, auch die von Staatsmonopolen. Das geht direkt gegen die Lehren der Merkantilisten. Im &lt;em&gt;Wohlstand der Nationen&lt;/em&gt; plädiert der spätere Zollkommissar für die Abschaffung der Zölle und will den Freihandel einführen, notfalls gar einseitig - natürlich, um die internationale Arbeitsteilung voranzubringen. Adam Smith war ein Anhänger der Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Das Wort vom &quot;laissez faire&quot;, mit dem er bisweilen identifiziert wird, hat Smith allerdings nie in den Mund genommen. Der völlige Rückzug des Staates aus der Wirtschaft war nicht seine Sache. Smith hing den Ansichten seines Freundes, des Philosophen David Hume an, für den der Staat - oder präziser das Regime aus rechtlichen Arrangements, öffentlicher Politik und informellen Konventionen - zur spontanen, natürlichen Ordnung gehört, die sich unter Menschen entwickelt. Für Smith hat der Staat die Aufgabe, dem Markt durch die Justiz (und ebenso durch das Militär) seine Spielregeln zu setzen und außerdem einige klar abgegrenzte öffentliche Güter bereitzustellen: Verteidigung, Verkehrswege, Bildung. Passend hat Smith sein fünftes Buch als eine akribische Anleitung für Besteuerung und Staatsausgaben verfaßt. &quot;Die deutschen Ordoliberalen der Frankfurter Schule können sich mit größerem Recht auf Adam Smith berufen als die Marktradikalen&quot;, sagt Razeen Sally, Experte für ökonomische Ideengeschichte an der London School of Economics.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Es ist vielen Beobachtern ein Rätsel geblieben, warum ausgerechnet Adam Smith sich mit den niederen Fragen des Wirtschaftens auseinandersetzte. Schließlich war er schon 1759 mit mit seiner &lt;em&gt;Theorie der moralischen Gefühle&lt;/em&gt; zu Ruhm gekommen, die er für sein Meisterstück hielt. Die Universität Glasgow, an der Smith lange lehrte, war damals das Zentrum der schottischen Aufklärungsbewegung, und die Moralphilosophie galt als die höchste der Schulen. Doch beide Bücher ergänzen sich gut. Die Grundfrage der Moralphilosophen war nämlich allgemeiner Art: Wie wird eine zivilisierte Gesellschaft freier Menschen zusammengehalten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	In seiner &quot;Theorie der moralischen Gefühle&quot; hatte Smith nach Gründen gesucht, warum Menschen neben einem gesunden Selbsterhaltungstrieb auch Nächstenliebe und Altruismus entwickeln. Damit wandte er sich gegen ein extrem individualistisches Menschenbild à la Thomas Hobbes - so daß es seltsam klingt, wenn Adam Smith heute manchmal als Apologet von Egoismus und Raffgier herangezogen wird. Ein Zeitgenosse hatte Smith freilich schon damals gewarnt, daß er wohl den falschen Leuten Munition liefern würde. Smith wurde gelegentlich auch ein Widerspruch seines Menschenbildes in den beiden Büchern vorgeworfen. Doch der scheinbare Gegensatz löst sich auf, denn &quot;moralische Gefühle&quot; kommen für Smith bei persönlichen Kontakten zur Geltung. Im &lt;em&gt;Wohlstand der Nationen&lt;/em&gt; suchte er hingegen nach einem Mechanismus für die Koordination all der unpersönlichen Transaktionen, die an einem nationalen oder Weltmarkt erforderlich sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Bei der Lektüre des im 18. Jahrhundert verfaßten Buches staunt man bisweilen über die Weitsicht des Visionärs Adam Smith - zum Beispiel, wenn er lange vor der Erfindung der Fließbandarbeit die Abstumpfung der Arbeiter beklagt. Um die Folgen seiner Arbeitsteilung erträglicher zu machen, hat er geradezu sozialdemokratische Konzepte angedacht: etwa eine Volksbildung für alle - was den Menschen mehr Lebensinhalt bringen und zur demokratischen Fortentwicklung beitragen solle. Und Smiths &quot;Wohlstand&quot; war stets für die ganze Nation gedacht. &quot;Keine Gesellschaft kann blühen und glücklich sein, wenn die Mehrheit arm ist&quot;, warnte er. An einer Stelle forderte er sogar, zugunsten der Armen die Kutschen der Wohlhabenden mit einer höheren Abgabe zu belegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Vor Fehlern war er natürlich auch nicht gefeit. In seiner Wachstums- und Kapitaltheorie (Buch zwei) und in den historischen Betrachtungen greift er die sonst von ihm geachtete Schule der französischen Physiokraten an: Sie hatten postuliert, daß nur die Landwirtschaft die wirkliche Quelle für den Wohlstand der Nationen sei. Für Smith hingegen hießen die Wohlstandsquellen Arbeit und Kapitalinvestitionen - seine Meinung setzte sich durch. Bloß, daß Smith auch zwischen &quot;produktiver&quot; und &quot;unproduktiver&quot; Arbeit unterschied. Verbrauchernahe Dienstleistungen, die in den modernen Volkswirtschaften erheblich zum Sozialprodukt beitragen, zählen zur letzteren Kategorie. Doch die Informations- und Freizeitgesellschaft vorherzusagen wäre vom Urvater der modernen Wirtschaftswissenschaft auch wirklich zu viel verlangt gewesen. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Au%C3%9Fenhandelstheorie#Adam_Smith&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;mehr...&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;Adam Smith: &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Der Wohlstand der Nationen&lt;/strong&gt; Aus dem &lt;a href=&quot;http://www.bibliomania.com/2/1/65/112/frameset.html&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;englischen Originaltext&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; von Horst Claus Recktenwald; dtv, München 1988;&lt;br /&gt;
	&lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/archiv/1999/23/199923.biblio-serie_4_.xml&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Weitere Ökonomen wie D. Riccardo &lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
	&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
	Text von Thomas Fischermann&lt;br /&gt;
	Quelle: (c) DIE ZEIT 1999&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</content>
		<category term="Geschichte der VWL" />
	</entry>
	<entry>
		<title>Marx, Karl</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/86-marx-karl"/>
		<published>2012-07-30T19:26:52+00:00</published>
		<updated>2012-07-30T19:26:52+00:00</updated>
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		<author>
			<name>Dombergen</name>
			<email>dombergen@gmx.de</email>
		</author>
		<summary type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;p&gt;
	&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die Bibel des Proletariats.&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;a href=&quot;http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/karl-marx-der-baertige-gelehrte/5846668-all.html&quot;&gt;Karl Marx&lt;/a&gt;: &quot;Das Kapital - Kritik der Politischen Ökonomie&quot;&lt;br /&gt;
	Der Vordenker und Anwalt der Arbeiterklasse hat nie eine Fabrik von innen gesehen. Der in Trier geborene Karl Marx war &lt;strong&gt;kein&lt;/strong&gt; praktischer Mensch. Während er für sein Hauptwerk &lt;em&gt;Das Kapital - Kritik der Politischen Ökonomie&lt;/em&gt; in der Bibliothek des Britischen Museums in London recherchierte, ernährte sein einziger Freund, Friedrich Engels, die Familie Marx.&lt;br /&gt;
	&lt;img alt=&quot;marx1.jpg&quot; src=&quot;http://bsravensberg.lernnetz.de/gfx/marx1.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 314px; height: 400px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
	So wie Karl Marx &lt;a href=&quot;http://dibb.de/karl-marx-kapital-kommunistisches-manifest.php&quot;&gt;(1818 bis 1883)&lt;/a&gt; sein Wissen darüber, wie die Arbeiter schufteten, &lt;strong&gt;nicht&lt;/strong&gt; aus eigener Anschauung bezog, so kannten viele Arbeiter sein Buch, das ihre Befreiung und damit den Untergang des Kapitalismus beschrieb, nur vom Hörensagen. Selbst August Bebel, der Gründer der deutschen Arbeiterbewegung, gestand: &quot;Ich habe das &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; auch nicht weiter gelesen.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Als das &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; 1867 erschien, schrieb Marx selbst die Kritiken unter verschiedenen Pseudonymen, gute wie schlechte, um die Auflage zu steigern. Bis zu seinem Tod kam Marx mit seinem Werk kaum weiter voran. Die Bände zwei und drei gab Engels heraus - auf der Basis von Fragmenten, die Marx bereits vor Erscheinen des ersten Bandes geschrieben hatte. Indessen wuchs der Ruhm des ersten Bandes. Das von Marx gemeinsam mit Engels im Revolutionsjahr 1848 verfasste &lt;em&gt;Kommunistische Manifest&lt;/em&gt; beginnt kraftvoll: &quot;Ein Gespenst geht um in Europa. Das Gespenst des Kommunismus.&quot; Es schließt mit dem Aufruf &quot;Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!&quot; Das &lt;em&gt;Manifest&lt;/em&gt; schrieb Marx in Stunden und Tagen, mit dem &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; quälte er sich 15 Jahre lang.&lt;br /&gt;
	Das &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; ist nicht nur reine ökonomische Theorie: Es ist ein gewaltiges Gedankengebäude aus Geschichte und Wirtschaftswissenschaft, Soziologie und Propaganda. Es sollte dem Sozialismus eine geistige Grundlage und dem &lt;em&gt;Manifest&lt;/em&gt; eine theoretische Basis geben. Marx' Mission war vor allem politisch. Er verfolgte eine fixe Idee, deren Siegeszug er für unausweichlich hielt: die Idee der klassenlosen Gesellschaft, die Idee des Kommunismus. Die einen verehren das Werk dafür. Andere verwehren ihm deshalb einen Platz in der Ahnengalerie der Ökonomen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Nach Marx folgt die kommunistische Gesellschaft der kapitalistischen, &quot;sie ist ihre Negation&quot;. Daher beschreibt Marx im &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; zunächst ausführlich den Kapitalismus und baute auf den Theorien klassischer Ökonomen wie Adam Smith und David Ricardo auf. Wie Ricardo nahm Marx an, dass der Wert eines Gutes von der zu seiner Herstellung notwendigen Arbeit abhängt. Allein menschliche Arbeit, gemessen in Zeit, könne Werte schaffen. Doch Marx geht weiter. In der kapitalistischen Welt, sagt er, wird alles zur Ware. Waren dienen nach seiner Definition nicht dem persönlichen Gebrauch, sie sind Produkte, die gefertigt werden, um Profit auf Märkten zu erzielen. Auch die menschliche Arbeitskraft verkommt zur Ware. Diejenigen, die keine Maschinen, keine Manufakturen besitzen, können nur ihre Arbeitskraft anbieten - für andere, für die Kapitalisten, die Eigentümer der Produktionsmittel. Als Lohn bekommen die Arbeiter so viel, wie sie für den Erhalt ihrer Arbeitskraft, also für Nahrung, Kleidung und Unterkunft brauchen. Das ist der Tauschwert der Ware Arbeitskraft. Von diesem Wert unterscheidet Marx den Wert der in der Gesamtarbeitszeit hergestellten Gütermenge, den Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft.&lt;br /&gt;
	Erst die Unterscheidung zwischen Tausch- und Gebrauchswert, die Marx von Adam Smith übernahm, ermöglicht ihm die Entwicklung seiner Theorie des Mehrwerts. &lt;strong&gt;Der Mehrwert ist die Differenz zwischen Gebrauchswert und Tauschwert der Ware Arbeitskraft&lt;/strong&gt;. Arbeitet der Arbeiter zehn Stunden am Tag, dann arbeitet er sechs Stunden für seinen Lohn. In den verbliebenen vier Stunden arbeitet er nur für den Mehrwert, der vollständig dem Kapitalisten zufällt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Der Kapitalist wird stets versuchen, den Mehrwert zu steigern. Er kann zum Beispiel seine Arbeiter länger arbeiten lassen. Arbeitszeit lässt sich aber nicht beliebig verlängern. Also, folgert Marx, versucht der Kapitalist, den Teil der Arbeitszeit zu verkürzen, der zum Erhalt der Arbeitskraft notwendig ist. Der Arbeiter muss in kürzerer Zeit seinen Lohn verdienen, damit er länger Mehrwert schaffen kann.&lt;br /&gt;
	Der Mehrwert in Marx' Theorie entspringt allein der menschlichen Arbeitskraft. Die Profitrate des Kapitalisten indes entspricht dem Verhältnis zwischen Mehrwert und Gesamtaufwand für Arbeitskraft, Maschinen und Rohstoffe. Der Drang des Kapitalisten zur Steigerung des Mehrwerts ist die Triebfeder für den technischen Fortschritt. Tendenziell aber sinkt in Marx' Logik die Profitrate mit steigendem Aufwand für den technischen Fortschritt. Sinkende Profitraten wiederum lassen nur solche Betriebe überleben, die in Massen produzieren können. Größere Fabriken verdrängen die kleineren: &quot;Je ein Kapitalist schlägt viele tot.&quot; Durch den Einsatz von mehr Rohstoffen und Maschinen, durch bessere Verfahren und größere Spezialisierung können die Arbeiter in immer kürzerer Zeit immer mehr (Mehrwert) produzieren. Für Marx steht anders als beim liberalen Ökonomen Adam Smith nicht dieser enorme Produktivitätsfortschritt der arbeitsteiligen Gesellschaft im Vordergrund. Marx betrachtet vor allem die &lt;strong&gt;Schattenseiten der industriellen Revolution&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Er beklagt, dass dem Arbeiter das Produkt seiner Arbeit und die Arbeit selbst fremd werden, dass immer weniger Arbeiter immer mehr Waren erzeugen, gleichzeitig durch den technischen Fortschritt immer mehr Arbeiter zu Arbeitslosen werden; dass die &quot;industrielle Reservearmee&quot;, wie sie schon Ricardo voraussah, auf den Arbeitsmarkt drängt und die Löhne drückt. Mit den Löhnen sinkt die Kaufkraft, was dazu führt, dass die Produktion die Nachfrage übersteigt, die Preise sinken und Betriebe aufgeben. Marx diagnostiziert zyklische Krisen im Kapitalismus, mit Entlassungen und schwindender Kaufkraft in der Arbeiterklasse und der Anhäufung und Konzentration von Kapital in der Kapitalistenklasse. Die Krisen wiederholen sich in immer kürzeren Abständen, die industrielle Reservearmee wächst. Das Kapital konzentriert sich weiter, die Dynamik der Wirtschaft erlahmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Schließlich rennt der Kapitalismus in seine finale Krise, weil er unfähig geworden ist, die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung voranzutreiben. Als Beleg führt Marx in unzähligen Abschnitten und Fußnoten die Entwicklung Englands als die Geschichte von Klassenkämpfen an - von der Feudalherrschaft des 14. und 15. Jahrhunderts über die Enteignung und Vertreibung der Bauern von ihrem Land und die Entstehung der Bourgeoisie bis zum Kapitalismus des 19. Jahrhunderts. Aus Bauern werden Arbeiter, aus Selbstversorgern werden Konsumenten, mit der Bourgeoisie entsteht das kapitalistische System. Marx nennt diesen Vorgang die &quot;ursprüngliche Akkumulation&quot;. &quot;Sie spielt in der politischen Ökonomie dieselbe Rolle wie der Sündenfall in der Theologie&quot;, schreibt er. Wie Adam in den Apfel beißen musste, so ist auch die gesellschaftliche Entwicklung vom Kapitalismus zum Kommunismus unausweichlich, glaubte Marx.&lt;br /&gt;
	Die Enteignung und Ausbeutung der Arbeiter ist nach Marx dreierlei für den Kapitalismus: Voraussetzung, Bestandteil und Todesurteil. Voraussetzung, weil ohne die Masse der von ihrem Boden vertriebenen Bauern keine Arbeiterklasse entstanden wäre: &quot;Diese furchtbare und schwierige Expropriation (Enteignung) der Volksmasse bildet die Vorgeschichte des Kapitals.&quot; Bestandteil, weil der Kapitalist ohne Ausbeutung der Arbeiter keinen Mehrwert erwirtschaften kann, er sich dem Zwang zur Steigerung des Mehrwerts also nicht entziehen kann - unabhängig von seinen persönlichen Absichten. Todesurteil, weil die Arbeiter eines Tages revoltieren werden gegen die kapitalistische Klasse: &quot;Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit der kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die (letzte) Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.&quot;&lt;br /&gt;
	Die letzte Stunde des kapitalistischen Privateigentums hat auch mehr als 130 Jahre nach Veröffentlichung des Kapitals noch nicht geschlagen: Im Gegenteil, in den Industrienationen verbesserten sich die Bedingungen der Arbeiter, stiegen die Löhne, nahmen die Arbeiter teil am Wohlstand der Nation. Marx hat mit seiner &lt;em&gt;Kritik der Politischen Ökonomie&lt;/em&gt; sicher einen Beitrag dazu geleistet, dass es den Arbeitern fast aller Länder heute besser geht als zu Beginn der Industrialisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Mit der Beseitigung des Grundübels der kapitalistischen Gesellschaft - des Privateigentums an Produktionsmitteln - glaubte Marx den Schlüssel für eine friedliche und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft ohne Klassen gefunden zu haben. Nach Marx bestimmt das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein. Er hielt es mit Rousseau, der davon ausging, dass der Mensch von Natur aus gut sei. Er glaubte, dass die Produktivität steigt, wenn die Arbeiter für sich selbst arbeiteten, weil nun alle Produktionsmittel allen gehören.&lt;br /&gt;
	Die Theorie, die Marx in scheinbar logischer Reihenfolge darlegt, hält aber nicht stand, nicht vor der Lehre, nicht vor den Tatsachen der Geschichte. Der Kritiker Karl Popper wirft Marx vor, er habe die Lernfähigkeit und den Erfindungsgeist der Menschen im Kapitalismus unterschätzt, der Gang der Geschichte sei einfach nicht vorauszusagen. Gleichzeitig könne Marx nicht versichern, dass der Kommunismus tatsächlich eine Gesellschaft ohne Klassen hervorbringe, wenngleich Marx' Motive sicherlich ehrenhaft und der Wahrheit verpflichtet gewesen seien. Information und Motivation, gesteuert durch die unsichtbare Hand des Marktes, wie sie Adam Smith als unerlässlich erschienen, waren für Marx in der klassenlosen Gesellschaft Nebensache, ein für die Planwirtschaft leicht lösbares Problem. Er irrte.&lt;br /&gt;
	Marx erkannte aber die Dynamik des Wirtschaftsprozesses, er sah Konjunkturzyklen voraus, wenngleich er sie allein als Vorboten einer endgültigen Krise des Kapitalismus missdeutete. Er entwickelte eine geschlossene Theorie des wirtschaftlichen Handelns in der Geschichte und zu seiner Zeit. Damit brachte Marx als erster Ökonom Wirtschaft und Geschichte zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Kommunistische Ideologie und ökonomische Theorie, offenbart sich im &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt;, stehen bei Marx im ständigen Widerstreit. Seine Sprache konnte kurz und prägnant und im nächsten Satz kompliziert und weitschweifig sein. Ein Kraftakt für Autor und Leser. Er analysierte scharfsinnig, er sammelte in unzähligen Büchern unermüdlich Belege für die nicht aufzuhaltende Evolution der Gesellschaft - für den Untergang des Kapitalismus -, aber den Kontakt mit dem Objekt seiner Untersuchung, dem Arbeiter, mied er.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Was Marx dennoch voraussah, erscheint am Ende dieses Jahrtausends geradezu unheimlich. Wie im Zeitraffer sah Marx die andere Seite des Kapitalismus: Ein großes Heer von Arbeitslosen steht einem ständig steigenden und konzentrierten Kapital gegenüber. Tatsächlich produzieren immer weniger Arbeiter immer mehr Waren. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, wenn auch nicht überall. Die Konzentration der Wirtschaft nimmt mit jeder Fusion weiter zu. &quot;Mit der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich ... die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes.&quot; Ein Gespenst geht um in der Welt. Marx sah es, das Gespenst der Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;Karl Marx: &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Das Kapital.&lt;/strong&gt; Kritik der Politischen Ökonomie. Erster Band; Dietz Verlag, Berlin 1998; 35. Auflage,&lt;br /&gt;
	Quelle: (c) DIE ZEIT 1999 Text von Anja Müller&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</summary>
		<content type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;p&gt;
	&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;&lt;strong&gt;Die Bibel des Proletariats.&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;a href=&quot;http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/karl-marx-der-baertige-gelehrte/5846668-all.html&quot;&gt;Karl Marx&lt;/a&gt;: &quot;Das Kapital - Kritik der Politischen Ökonomie&quot;&lt;br /&gt;
	Der Vordenker und Anwalt der Arbeiterklasse hat nie eine Fabrik von innen gesehen. Der in Trier geborene Karl Marx war &lt;strong&gt;kein&lt;/strong&gt; praktischer Mensch. Während er für sein Hauptwerk &lt;em&gt;Das Kapital - Kritik der Politischen Ökonomie&lt;/em&gt; in der Bibliothek des Britischen Museums in London recherchierte, ernährte sein einziger Freund, Friedrich Engels, die Familie Marx.&lt;br /&gt;
	&lt;img alt=&quot;marx1.jpg&quot; src=&quot;http://bsravensberg.lernnetz.de/gfx/marx1.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 314px; height: 400px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
	So wie Karl Marx &lt;a href=&quot;http://dibb.de/karl-marx-kapital-kommunistisches-manifest.php&quot;&gt;(1818 bis 1883)&lt;/a&gt; sein Wissen darüber, wie die Arbeiter schufteten, &lt;strong&gt;nicht&lt;/strong&gt; aus eigener Anschauung bezog, so kannten viele Arbeiter sein Buch, das ihre Befreiung und damit den Untergang des Kapitalismus beschrieb, nur vom Hörensagen. Selbst August Bebel, der Gründer der deutschen Arbeiterbewegung, gestand: &quot;Ich habe das &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; auch nicht weiter gelesen.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Als das &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; 1867 erschien, schrieb Marx selbst die Kritiken unter verschiedenen Pseudonymen, gute wie schlechte, um die Auflage zu steigern. Bis zu seinem Tod kam Marx mit seinem Werk kaum weiter voran. Die Bände zwei und drei gab Engels heraus - auf der Basis von Fragmenten, die Marx bereits vor Erscheinen des ersten Bandes geschrieben hatte. Indessen wuchs der Ruhm des ersten Bandes. Das von Marx gemeinsam mit Engels im Revolutionsjahr 1848 verfasste &lt;em&gt;Kommunistische Manifest&lt;/em&gt; beginnt kraftvoll: &quot;Ein Gespenst geht um in Europa. Das Gespenst des Kommunismus.&quot; Es schließt mit dem Aufruf &quot;Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!&quot; Das &lt;em&gt;Manifest&lt;/em&gt; schrieb Marx in Stunden und Tagen, mit dem &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; quälte er sich 15 Jahre lang.&lt;br /&gt;
	Das &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; ist nicht nur reine ökonomische Theorie: Es ist ein gewaltiges Gedankengebäude aus Geschichte und Wirtschaftswissenschaft, Soziologie und Propaganda. Es sollte dem Sozialismus eine geistige Grundlage und dem &lt;em&gt;Manifest&lt;/em&gt; eine theoretische Basis geben. Marx' Mission war vor allem politisch. Er verfolgte eine fixe Idee, deren Siegeszug er für unausweichlich hielt: die Idee der klassenlosen Gesellschaft, die Idee des Kommunismus. Die einen verehren das Werk dafür. Andere verwehren ihm deshalb einen Platz in der Ahnengalerie der Ökonomen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Nach Marx folgt die kommunistische Gesellschaft der kapitalistischen, &quot;sie ist ihre Negation&quot;. Daher beschreibt Marx im &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt; zunächst ausführlich den Kapitalismus und baute auf den Theorien klassischer Ökonomen wie Adam Smith und David Ricardo auf. Wie Ricardo nahm Marx an, dass der Wert eines Gutes von der zu seiner Herstellung notwendigen Arbeit abhängt. Allein menschliche Arbeit, gemessen in Zeit, könne Werte schaffen. Doch Marx geht weiter. In der kapitalistischen Welt, sagt er, wird alles zur Ware. Waren dienen nach seiner Definition nicht dem persönlichen Gebrauch, sie sind Produkte, die gefertigt werden, um Profit auf Märkten zu erzielen. Auch die menschliche Arbeitskraft verkommt zur Ware. Diejenigen, die keine Maschinen, keine Manufakturen besitzen, können nur ihre Arbeitskraft anbieten - für andere, für die Kapitalisten, die Eigentümer der Produktionsmittel. Als Lohn bekommen die Arbeiter so viel, wie sie für den Erhalt ihrer Arbeitskraft, also für Nahrung, Kleidung und Unterkunft brauchen. Das ist der Tauschwert der Ware Arbeitskraft. Von diesem Wert unterscheidet Marx den Wert der in der Gesamtarbeitszeit hergestellten Gütermenge, den Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft.&lt;br /&gt;
	Erst die Unterscheidung zwischen Tausch- und Gebrauchswert, die Marx von Adam Smith übernahm, ermöglicht ihm die Entwicklung seiner Theorie des Mehrwerts. &lt;strong&gt;Der Mehrwert ist die Differenz zwischen Gebrauchswert und Tauschwert der Ware Arbeitskraft&lt;/strong&gt;. Arbeitet der Arbeiter zehn Stunden am Tag, dann arbeitet er sechs Stunden für seinen Lohn. In den verbliebenen vier Stunden arbeitet er nur für den Mehrwert, der vollständig dem Kapitalisten zufällt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Der Kapitalist wird stets versuchen, den Mehrwert zu steigern. Er kann zum Beispiel seine Arbeiter länger arbeiten lassen. Arbeitszeit lässt sich aber nicht beliebig verlängern. Also, folgert Marx, versucht der Kapitalist, den Teil der Arbeitszeit zu verkürzen, der zum Erhalt der Arbeitskraft notwendig ist. Der Arbeiter muss in kürzerer Zeit seinen Lohn verdienen, damit er länger Mehrwert schaffen kann.&lt;br /&gt;
	Der Mehrwert in Marx' Theorie entspringt allein der menschlichen Arbeitskraft. Die Profitrate des Kapitalisten indes entspricht dem Verhältnis zwischen Mehrwert und Gesamtaufwand für Arbeitskraft, Maschinen und Rohstoffe. Der Drang des Kapitalisten zur Steigerung des Mehrwerts ist die Triebfeder für den technischen Fortschritt. Tendenziell aber sinkt in Marx' Logik die Profitrate mit steigendem Aufwand für den technischen Fortschritt. Sinkende Profitraten wiederum lassen nur solche Betriebe überleben, die in Massen produzieren können. Größere Fabriken verdrängen die kleineren: &quot;Je ein Kapitalist schlägt viele tot.&quot; Durch den Einsatz von mehr Rohstoffen und Maschinen, durch bessere Verfahren und größere Spezialisierung können die Arbeiter in immer kürzerer Zeit immer mehr (Mehrwert) produzieren. Für Marx steht anders als beim liberalen Ökonomen Adam Smith nicht dieser enorme Produktivitätsfortschritt der arbeitsteiligen Gesellschaft im Vordergrund. Marx betrachtet vor allem die &lt;strong&gt;Schattenseiten der industriellen Revolution&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Er beklagt, dass dem Arbeiter das Produkt seiner Arbeit und die Arbeit selbst fremd werden, dass immer weniger Arbeiter immer mehr Waren erzeugen, gleichzeitig durch den technischen Fortschritt immer mehr Arbeiter zu Arbeitslosen werden; dass die &quot;industrielle Reservearmee&quot;, wie sie schon Ricardo voraussah, auf den Arbeitsmarkt drängt und die Löhne drückt. Mit den Löhnen sinkt die Kaufkraft, was dazu führt, dass die Produktion die Nachfrage übersteigt, die Preise sinken und Betriebe aufgeben. Marx diagnostiziert zyklische Krisen im Kapitalismus, mit Entlassungen und schwindender Kaufkraft in der Arbeiterklasse und der Anhäufung und Konzentration von Kapital in der Kapitalistenklasse. Die Krisen wiederholen sich in immer kürzeren Abständen, die industrielle Reservearmee wächst. Das Kapital konzentriert sich weiter, die Dynamik der Wirtschaft erlahmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Schließlich rennt der Kapitalismus in seine finale Krise, weil er unfähig geworden ist, die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung voranzutreiben. Als Beleg führt Marx in unzähligen Abschnitten und Fußnoten die Entwicklung Englands als die Geschichte von Klassenkämpfen an - von der Feudalherrschaft des 14. und 15. Jahrhunderts über die Enteignung und Vertreibung der Bauern von ihrem Land und die Entstehung der Bourgeoisie bis zum Kapitalismus des 19. Jahrhunderts. Aus Bauern werden Arbeiter, aus Selbstversorgern werden Konsumenten, mit der Bourgeoisie entsteht das kapitalistische System. Marx nennt diesen Vorgang die &quot;ursprüngliche Akkumulation&quot;. &quot;Sie spielt in der politischen Ökonomie dieselbe Rolle wie der Sündenfall in der Theologie&quot;, schreibt er. Wie Adam in den Apfel beißen musste, so ist auch die gesellschaftliche Entwicklung vom Kapitalismus zum Kommunismus unausweichlich, glaubte Marx.&lt;br /&gt;
	Die Enteignung und Ausbeutung der Arbeiter ist nach Marx dreierlei für den Kapitalismus: Voraussetzung, Bestandteil und Todesurteil. Voraussetzung, weil ohne die Masse der von ihrem Boden vertriebenen Bauern keine Arbeiterklasse entstanden wäre: &quot;Diese furchtbare und schwierige Expropriation (Enteignung) der Volksmasse bildet die Vorgeschichte des Kapitals.&quot; Bestandteil, weil der Kapitalist ohne Ausbeutung der Arbeiter keinen Mehrwert erwirtschaften kann, er sich dem Zwang zur Steigerung des Mehrwerts also nicht entziehen kann - unabhängig von seinen persönlichen Absichten. Todesurteil, weil die Arbeiter eines Tages revoltieren werden gegen die kapitalistische Klasse: &quot;Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit der kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die (letzte) Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.&quot;&lt;br /&gt;
	Die letzte Stunde des kapitalistischen Privateigentums hat auch mehr als 130 Jahre nach Veröffentlichung des Kapitals noch nicht geschlagen: Im Gegenteil, in den Industrienationen verbesserten sich die Bedingungen der Arbeiter, stiegen die Löhne, nahmen die Arbeiter teil am Wohlstand der Nation. Marx hat mit seiner &lt;em&gt;Kritik der Politischen Ökonomie&lt;/em&gt; sicher einen Beitrag dazu geleistet, dass es den Arbeitern fast aller Länder heute besser geht als zu Beginn der Industrialisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Mit der Beseitigung des Grundübels der kapitalistischen Gesellschaft - des Privateigentums an Produktionsmitteln - glaubte Marx den Schlüssel für eine friedliche und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft ohne Klassen gefunden zu haben. Nach Marx bestimmt das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein. Er hielt es mit Rousseau, der davon ausging, dass der Mensch von Natur aus gut sei. Er glaubte, dass die Produktivität steigt, wenn die Arbeiter für sich selbst arbeiteten, weil nun alle Produktionsmittel allen gehören.&lt;br /&gt;
	Die Theorie, die Marx in scheinbar logischer Reihenfolge darlegt, hält aber nicht stand, nicht vor der Lehre, nicht vor den Tatsachen der Geschichte. Der Kritiker Karl Popper wirft Marx vor, er habe die Lernfähigkeit und den Erfindungsgeist der Menschen im Kapitalismus unterschätzt, der Gang der Geschichte sei einfach nicht vorauszusagen. Gleichzeitig könne Marx nicht versichern, dass der Kommunismus tatsächlich eine Gesellschaft ohne Klassen hervorbringe, wenngleich Marx' Motive sicherlich ehrenhaft und der Wahrheit verpflichtet gewesen seien. Information und Motivation, gesteuert durch die unsichtbare Hand des Marktes, wie sie Adam Smith als unerlässlich erschienen, waren für Marx in der klassenlosen Gesellschaft Nebensache, ein für die Planwirtschaft leicht lösbares Problem. Er irrte.&lt;br /&gt;
	Marx erkannte aber die Dynamik des Wirtschaftsprozesses, er sah Konjunkturzyklen voraus, wenngleich er sie allein als Vorboten einer endgültigen Krise des Kapitalismus missdeutete. Er entwickelte eine geschlossene Theorie des wirtschaftlichen Handelns in der Geschichte und zu seiner Zeit. Damit brachte Marx als erster Ökonom Wirtschaft und Geschichte zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Kommunistische Ideologie und ökonomische Theorie, offenbart sich im &lt;em&gt;Kapital&lt;/em&gt;, stehen bei Marx im ständigen Widerstreit. Seine Sprache konnte kurz und prägnant und im nächsten Satz kompliziert und weitschweifig sein. Ein Kraftakt für Autor und Leser. Er analysierte scharfsinnig, er sammelte in unzähligen Büchern unermüdlich Belege für die nicht aufzuhaltende Evolution der Gesellschaft - für den Untergang des Kapitalismus -, aber den Kontakt mit dem Objekt seiner Untersuchung, dem Arbeiter, mied er.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Was Marx dennoch voraussah, erscheint am Ende dieses Jahrtausends geradezu unheimlich. Wie im Zeitraffer sah Marx die andere Seite des Kapitalismus: Ein großes Heer von Arbeitslosen steht einem ständig steigenden und konzentrierten Kapital gegenüber. Tatsächlich produzieren immer weniger Arbeiter immer mehr Waren. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, wenn auch nicht überall. Die Konzentration der Wirtschaft nimmt mit jeder Fusion weiter zu. &quot;Mit der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich ... die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes.&quot; Ein Gespenst geht um in der Welt. Marx sah es, das Gespenst der Globalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;Karl Marx: &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Das Kapital.&lt;/strong&gt; Kritik der Politischen Ökonomie. Erster Band; Dietz Verlag, Berlin 1998; 35. Auflage,&lt;br /&gt;
	Quelle: (c) DIE ZEIT 1999 Text von Anja Müller&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</content>
		<category term="Geschichte der VWL" />
	</entry>
	<entry>
		<title>Keynes, John Maynard</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/83-keynes-john-maynard"/>
		<published>2012-07-30T19:21:04+00:00</published>
		<updated>2012-07-30T19:21:04+00:00</updated>
		<id>http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/83-keynes-john-maynard</id>
		<author>
			<name>Dombergen</name>
			<email>dombergen@gmx.de</email>
		</author>
		<summary type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;p&gt;
	&lt;strong&gt;&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;Lehrbuch gegen die Krise&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
	John Maynard Keynes: Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	Ruhm gewinnt in der Wissenschaft, wer - zu Recht - die Dinge auf den Kopf stellt. Kopernikus revolutionierte die Astronomie mit der Behauptung, die Erde drehe sich um die Sonne. Der Physiker Einstein, indem er Raum und Zeit für relativ erklärte. &lt;em&gt;Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes&lt;/em&gt; des Ökonomen John Maynard Keynes &lt;a href=&quot;http://dibb.de/keynes.php&quot;&gt;(1883-1946)&lt;/a&gt; gehört in die Reihe solcher seltenen Erkenntnissprünge. &lt;img alt=&quot;keynes.jpg&quot; src=&quot;../cmsl/gfx/keynes.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 150px; height: 225px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
	Obwohl das Buch in weiten Teilen ein schwer lesbares Theoriewerk ist, hat es enorme Resonanz gefunden. &quot;Überall im Empire und in den Vereinigten Staaten begann man, einen Strahl des neuen Lichts zu erhaschen. Die Studenten waren hingerissen. Eine Welle erwartungsvoller Begeisterung ergriff die Ökonomie&quot;, beschreibt ein Zeitzeuge die Stimmung, als das Werk im Dezember 1936 erscheint. Keynes war zu diesem Zeitpunkt längst ein Ökonom von Weltruhm. Der Grund für den Enthusiasmus: Der Cambridge-Schüler gab neue Antworten auf Fragen, die nach der Weltwirtschaftskrise alle bewegten. Mit dem Kurssturz an der Wall Street vom Oktober 1929 waren Volkswirtschaften weltweit in eine Depression gefallen. Nicht nur Reiche, auch die Mittelschicht hatte ihr Geld an den Börsen verloren, ihre Kaufkraft war verdunstet. Die Unternehmer blieben auf ihren Waren sitzen, massenhaft entließen die Fabriken ihre Arbeiter. Anfang der dreißiger Jahre waren in Deutschland über sechs Millionen, in den Vereinigten Staaten mehr als zwölf Millionen Menschen ohne Arbeit.&lt;br /&gt;
	Abschwünge der Weltwirtschaft waren nicht neu. Doch für eine Krise solchen Ausmaßes fehlten die Vergleichsmaßstäbe. Hinzu kam ihre Dauer: Auch nach mehreren Jahren zeigte sich kein Anzeichen für einen Aufschwung. Die Weltwirtschaft steckte in der Sackgasse. Keynes war klar, dass die Krise mit den alten Modellen nicht zu erklären war. Denn die klassische Ökonomie glaubte, nur die &quot;unsichtbare Hand&quot; des Marktes werde die Wirtschaft dauerhaft ins Gleichgewicht führen. Adam Smith und David Ricardo gingen davon aus, dass das Gesetz von Angebot und Nachfrage den Preis der Güter und der Arbeit regelt. Arbeitskräfte werden also nur dann entlassen, wenn ihr Lohn zu hoch ist. Akzeptieren sie niedrigere Löhne, stellen die Unternehmer wieder ein. So fand das Modell der klassischen Ökonomie nach einer Krise stets zum Gleichgewicht zurück: Wer arbeitslos war, der war es freiwillig. Die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der dreißiger Jahre lehrte etwas anderes. Millionen Menschen standen auf der Straße, obwohl die Löhne weiter sanken. &quot;Das Paradox der Armut, mitten im Überfluß&quot;, wie Keynes es nannte, brauchte einen völlig neuen Erklärungsansatz.&lt;br /&gt;
	Die Klassiker hatten gelehrt, dass ein Unternehmer stets dann produziert, wenn die Kosten für Arbeit und Kapital niedrig genug sind. Der Absatz der so erzeugten Waren sei stets gewährleistet, denn nach dem bis dahin als gültig erachteten &lt;a href=&quot;http://bsravensberg.lernnetz.de/say.php&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Sayschen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; Theorem&amp;nbsp;findet jedes Gut zu jeder Zeit seinen Abnehmer.&lt;br /&gt;
	Für Keynes griff diese Überlegung jedoch zu kurz. Ein Unternehmer, postulierte er, produziert nur dann, wenn er glaubt, seine Güter in der Zukunft auch absetzen zu können. Damit war die klassische Wirtschaftslehre auf den Kopf gestellt: Nicht das Angebot, sondern die Nachfrage entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg. Sie liefert damit auch den Schlüssel zur Überwindung einer Krise.&lt;br /&gt;
	Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage - im einfachsten Modell von Keynes die Summe der Ausgaben für Konsum- und Investitionsgüter - hat ein wesentliches Kennzeichen: Sie ist instabil. Die Konsumausgaben hängen vom Einkommen ab: Je höher das Einkommen, desto mehr Geld wird ausgegeben. Keynes sah jedoch einen Punkt, an dem mit weiter wachsendem Einkommen die Neigung zum Konsum abnimmt, da &quot;die Menschen geneigt sind, ihren Konsum mit steigendem Einkommen zu erhöhen, aber nicht um so viel, wie sich ihr Einkommen vermehrt&quot;. Dieses Phänomen nannte Keynes das &quot;psychologische Gesetz&quot;. Ein Teil des zusätzlichen Einkommens wird gespart.&lt;br /&gt;
	Investitionen, der zweite Bestandteil in der Keynesschen Gesamtnachfrage, erhöhen die Möglichkeit der Unternehmen zu produzieren. Keynes ging davon aus, dass die Investitionen von der &quot;Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals&quot; abhängen. Das ist der Zinssatz, bei dem die erwarteten Erträge des Investitionsobjekts dessen Herstellungskosten entsprechen. Ist die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals höher als der marktübliche Zins, hat der Unternehmer einen Anreiz, einen Kredit für sein Investitionsvorhaben aufzunehmen. Im umgekehrten Fall wären die Kosten für den Kredit höher als der Gewinn, und die Investition bliebe aus. Neu an Keynes Interpretation war, dass Investitionsentscheidungen nicht nur von der Zinshöhe, sondern entscheidend von Zukunftserwartungen des Unternehmers bestimmt werden.&lt;br /&gt;
	Der für Investitionen bestimmende Marktzins resultiert nach Keynes aus der Liquiditätsneigung der Bevölkerung, also ihrer Nachfrage nach Bargeld. Sowohl das Einkommen als auch der Zinssatz entscheiden darüber, welchen Teil des Vermögens der Besitzer in Geld statt in Wertpapieren halten möchte. Sparen, so Keynes, kann nämlich aus ganz unterschiedlichen Motiven erfolgen. Man spart für Güterkäufe, für schlechte Zeiten oder um zu spekulieren. Sparen bedeutet demnach nicht automatisch, dass das Geld in Sparguthaben, Wertpapiere oder Investitionen gesteckt wird. Je höher beispielsweise die Aktienkurse an der Börse sind, desto eher erwarten die Leute wieder sinkende Kurse. Deshalb warten sie ab und halten so lange ihre Ersparnisse in Bargeld, bis die Kurse gefallen sind und der Einstieg ins Aktiengeschäft günstig ist. Eine gelungene Abstimmung zwischen den Güter- und den Kapitalmärkten, folgerte Keynes, ist somit nicht die Regel, sondern die Ausnahme: die Gleichheit von Ersparnissen und Investitionen ein glücklicher, aber leider seltener Zufall. Auch diese These vom Spekulieren stand noch in keinem traditionellen Lehrbuch. Die Klassiker gingen vielmehr davon aus, daß die Sparentscheidung der Menschen ausschließlich vom Zins abhängt und der Zinsmechanismus dafür sorgt, dass alles Ersparte den Unternehmen für den Kauf von Investitionsgütern ausgeliehen wird.&lt;br /&gt;
	Ein solches Gleichgewicht konnte Keynes an den Märkten nicht erkennen. Er glaubte, solange die Unternehmer in der Zukunft höhere Absatzmöglichkeiten erwarten, weiten sie ihre Produktion aus. Immer mehr Investoren buhlen um das Kapital der Anleger, Zinsen und Produktionskosten steigen und fressen die Renditen. Die Kapitalgeber werden nervös: &quot;Zweifel, einmal begonnen, breiten sich rasch aus.&quot; Die Panik, die die Märkte befällt, verstärkt sich selbst. Der unrealistischen Einschätzung des Aufschwungs folgt die Hysterie der Krise. Die Investitionen sinken, die Beschäftigung fällt, die Kaufkraft schwindet - die Zukunftserwartungen werden immer trister.&lt;br /&gt;
	Der Vertrauensverlust in einer Krise kann so groß werden, dass Unternehmen selbst dann nicht investieren, wenn die Zinsen auf null sinken. Die Volkswirtschaft steckt dann, wie es Keynes nennt, in der &quot;Liquiditätsfalle&quot; - eine Konstellation, wie sie derzeit in Japan zu beobachten ist. In einer solchen Situation bleibt auch die expansive Geldpolitik einer Notenbank wirkungslos. Das zusätzliche Zentralbankgeld versickert in Spekulationskassen. In Erwartung günstigerer Investitionsmöglichkeiten sitzen Anleger auf ihrer Liquidität.&lt;br /&gt;
	Um die Wirtschaft aus einer solchen Schieflage zu erlösen und wieder in Richtung Vollbeschäftigung in Bewegung zu setzen, muss, so Keynes' Postulat, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigen. Und zwar so weit, dass mit zunehmender Produktion der Unternehmen alle Arbeitnehmer beschäftigt sind. Steigt nämlich die Nachfrage nach Investitionsgütern, führt das zu mehr Produktion, mehr Arbeit und mehr Einkommen. Dadurch steigen die Konsumausgaben. Höherer Konsum kurbelt die Nachfrage nach Gütern und Investitionen an, wodurch Produktion und Einkommen zusätzlich steigen. Kurz: Es kommt zu einer Kettenreaktion, zum bekannten Keynesschen &quot;Einkommensmultiplikator&quot; - aus einem exogenen Impuls, etwa einer zusätzlich angestoßenen Investition, entsteht ein Mehrfaches an Einkommen.&lt;br /&gt;
	Daraus leitete Keynes seine wohl bekannteste These ab: Wenn Unternehmer nicht ausreichend investieren, muss der Staat als Investor auftreten, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Um zusätzliche Nachfrage zu erzeugen, nimmt die öffentliche Hand Kredite auf und finanziert damit zusätzliche Investitionen wie etwa Straßen, Kanalisation, Schulen, Flughäfen.&lt;br /&gt;
	Es ist Keynes und seinem Werk zuzuschreiben, dass sich die britische Regierung noch während des Zweiten Weltkriegs zu einer Vollbeschäftigungspolitik verpflichtete, die Vereinigten Staaten 1946 ein Vollbeschäftigungsgesetz beschlossen, und auch das deutsche Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 geht auf den britischen Ökonomen zurück.&lt;br /&gt;
	Keynes zeigte, wie die Wirtschaftspolitik Flauten überwinden kann. Nur allzu häufig wurden seine Theorien aber von Politikern als Ausrede missbraucht. So wurden zwar im Konjunkturabschwung die Etatdefizite erhöht, aber - im Gegensatz zum Keynesschen Rezept - Aufschwung nicht abgebaut, sodass die Staatsschulden ständig zunahmen.&lt;br /&gt;
	Über kein anderes ökonomisches Werk ist vermutlich so viel geschrieben und so viel gestritten worden wie über die &lt;em&gt;Allgemeine Theorie&lt;/em&gt; von Keynes. Es ist ein bleibendes Verdienst des Briten, den Blick auf die Bedeutung der Gesamtnachfrage für die Wirtschaftsentwicklung gelenkt zu haben, obwohl schon in den siebziger Jahren das Ende der Keynesianischen Ära verkündet und die &quot;&lt;a href=&quot;http://www.econlib.org/library/Enc/Monetarism.html&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;monetaristische &lt;/span&gt;&lt;/a&gt;Gegenrevolution&quot; gestartet wurde. Doch anders als in Deutschland, wo die Keynesianer in der Wissenschaft und in der Politik zunehmend in eine Außenseiterrolle gerieten, wurde Keynes in den Vereinigten Staaten nie aus der wissenschaftlichen Debatte verdrängt. Prominente Ökonomen wie &lt;a href=&quot;http://www.econlib.org/library/Enc/NewKeynesianEconomics.html&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Gregory Mankiw&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;,&amp;nbsp;Paul Krugman, David Romer, Alan Blinder oder Joseph Stiglitz nehmen dort weiterhin Keynes' Ideen als Ausgangspunkt ihrer Forschungen.&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;John Maynard Keynes: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes;&lt;/strong&gt; Duncker &amp;amp; Humblot, Berlin, 7. Auflage 1994, unveränderter Nachdruck der ersten Auflage,&lt;br /&gt;
	&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
	Text von Sven Afhüppe; Markus Fasse (c) DIE ZEIT 1999&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</summary>
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	&lt;strong&gt;&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;Lehrbuch gegen die Krise&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
	John Maynard Keynes: Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	Ruhm gewinnt in der Wissenschaft, wer - zu Recht - die Dinge auf den Kopf stellt. Kopernikus revolutionierte die Astronomie mit der Behauptung, die Erde drehe sich um die Sonne. Der Physiker Einstein, indem er Raum und Zeit für relativ erklärte. &lt;em&gt;Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes&lt;/em&gt; des Ökonomen John Maynard Keynes &lt;a href=&quot;http://dibb.de/keynes.php&quot;&gt;(1883-1946)&lt;/a&gt; gehört in die Reihe solcher seltenen Erkenntnissprünge. &lt;img alt=&quot;keynes.jpg&quot; src=&quot;../cmsl/gfx/keynes.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 150px; height: 225px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
	Obwohl das Buch in weiten Teilen ein schwer lesbares Theoriewerk ist, hat es enorme Resonanz gefunden. &quot;Überall im Empire und in den Vereinigten Staaten begann man, einen Strahl des neuen Lichts zu erhaschen. Die Studenten waren hingerissen. Eine Welle erwartungsvoller Begeisterung ergriff die Ökonomie&quot;, beschreibt ein Zeitzeuge die Stimmung, als das Werk im Dezember 1936 erscheint. Keynes war zu diesem Zeitpunkt längst ein Ökonom von Weltruhm. Der Grund für den Enthusiasmus: Der Cambridge-Schüler gab neue Antworten auf Fragen, die nach der Weltwirtschaftskrise alle bewegten. Mit dem Kurssturz an der Wall Street vom Oktober 1929 waren Volkswirtschaften weltweit in eine Depression gefallen. Nicht nur Reiche, auch die Mittelschicht hatte ihr Geld an den Börsen verloren, ihre Kaufkraft war verdunstet. Die Unternehmer blieben auf ihren Waren sitzen, massenhaft entließen die Fabriken ihre Arbeiter. Anfang der dreißiger Jahre waren in Deutschland über sechs Millionen, in den Vereinigten Staaten mehr als zwölf Millionen Menschen ohne Arbeit.&lt;br /&gt;
	Abschwünge der Weltwirtschaft waren nicht neu. Doch für eine Krise solchen Ausmaßes fehlten die Vergleichsmaßstäbe. Hinzu kam ihre Dauer: Auch nach mehreren Jahren zeigte sich kein Anzeichen für einen Aufschwung. Die Weltwirtschaft steckte in der Sackgasse. Keynes war klar, dass die Krise mit den alten Modellen nicht zu erklären war. Denn die klassische Ökonomie glaubte, nur die &quot;unsichtbare Hand&quot; des Marktes werde die Wirtschaft dauerhaft ins Gleichgewicht führen. Adam Smith und David Ricardo gingen davon aus, dass das Gesetz von Angebot und Nachfrage den Preis der Güter und der Arbeit regelt. Arbeitskräfte werden also nur dann entlassen, wenn ihr Lohn zu hoch ist. Akzeptieren sie niedrigere Löhne, stellen die Unternehmer wieder ein. So fand das Modell der klassischen Ökonomie nach einer Krise stets zum Gleichgewicht zurück: Wer arbeitslos war, der war es freiwillig. Die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der dreißiger Jahre lehrte etwas anderes. Millionen Menschen standen auf der Straße, obwohl die Löhne weiter sanken. &quot;Das Paradox der Armut, mitten im Überfluß&quot;, wie Keynes es nannte, brauchte einen völlig neuen Erklärungsansatz.&lt;br /&gt;
	Die Klassiker hatten gelehrt, dass ein Unternehmer stets dann produziert, wenn die Kosten für Arbeit und Kapital niedrig genug sind. Der Absatz der so erzeugten Waren sei stets gewährleistet, denn nach dem bis dahin als gültig erachteten &lt;a href=&quot;http://bsravensberg.lernnetz.de/say.php&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Sayschen&lt;/span&gt;&lt;/a&gt; Theorem&amp;nbsp;findet jedes Gut zu jeder Zeit seinen Abnehmer.&lt;br /&gt;
	Für Keynes griff diese Überlegung jedoch zu kurz. Ein Unternehmer, postulierte er, produziert nur dann, wenn er glaubt, seine Güter in der Zukunft auch absetzen zu können. Damit war die klassische Wirtschaftslehre auf den Kopf gestellt: Nicht das Angebot, sondern die Nachfrage entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg. Sie liefert damit auch den Schlüssel zur Überwindung einer Krise.&lt;br /&gt;
	Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage - im einfachsten Modell von Keynes die Summe der Ausgaben für Konsum- und Investitionsgüter - hat ein wesentliches Kennzeichen: Sie ist instabil. Die Konsumausgaben hängen vom Einkommen ab: Je höher das Einkommen, desto mehr Geld wird ausgegeben. Keynes sah jedoch einen Punkt, an dem mit weiter wachsendem Einkommen die Neigung zum Konsum abnimmt, da &quot;die Menschen geneigt sind, ihren Konsum mit steigendem Einkommen zu erhöhen, aber nicht um so viel, wie sich ihr Einkommen vermehrt&quot;. Dieses Phänomen nannte Keynes das &quot;psychologische Gesetz&quot;. Ein Teil des zusätzlichen Einkommens wird gespart.&lt;br /&gt;
	Investitionen, der zweite Bestandteil in der Keynesschen Gesamtnachfrage, erhöhen die Möglichkeit der Unternehmen zu produzieren. Keynes ging davon aus, dass die Investitionen von der &quot;Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals&quot; abhängen. Das ist der Zinssatz, bei dem die erwarteten Erträge des Investitionsobjekts dessen Herstellungskosten entsprechen. Ist die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals höher als der marktübliche Zins, hat der Unternehmer einen Anreiz, einen Kredit für sein Investitionsvorhaben aufzunehmen. Im umgekehrten Fall wären die Kosten für den Kredit höher als der Gewinn, und die Investition bliebe aus. Neu an Keynes Interpretation war, dass Investitionsentscheidungen nicht nur von der Zinshöhe, sondern entscheidend von Zukunftserwartungen des Unternehmers bestimmt werden.&lt;br /&gt;
	Der für Investitionen bestimmende Marktzins resultiert nach Keynes aus der Liquiditätsneigung der Bevölkerung, also ihrer Nachfrage nach Bargeld. Sowohl das Einkommen als auch der Zinssatz entscheiden darüber, welchen Teil des Vermögens der Besitzer in Geld statt in Wertpapieren halten möchte. Sparen, so Keynes, kann nämlich aus ganz unterschiedlichen Motiven erfolgen. Man spart für Güterkäufe, für schlechte Zeiten oder um zu spekulieren. Sparen bedeutet demnach nicht automatisch, dass das Geld in Sparguthaben, Wertpapiere oder Investitionen gesteckt wird. Je höher beispielsweise die Aktienkurse an der Börse sind, desto eher erwarten die Leute wieder sinkende Kurse. Deshalb warten sie ab und halten so lange ihre Ersparnisse in Bargeld, bis die Kurse gefallen sind und der Einstieg ins Aktiengeschäft günstig ist. Eine gelungene Abstimmung zwischen den Güter- und den Kapitalmärkten, folgerte Keynes, ist somit nicht die Regel, sondern die Ausnahme: die Gleichheit von Ersparnissen und Investitionen ein glücklicher, aber leider seltener Zufall. Auch diese These vom Spekulieren stand noch in keinem traditionellen Lehrbuch. Die Klassiker gingen vielmehr davon aus, daß die Sparentscheidung der Menschen ausschließlich vom Zins abhängt und der Zinsmechanismus dafür sorgt, dass alles Ersparte den Unternehmen für den Kauf von Investitionsgütern ausgeliehen wird.&lt;br /&gt;
	Ein solches Gleichgewicht konnte Keynes an den Märkten nicht erkennen. Er glaubte, solange die Unternehmer in der Zukunft höhere Absatzmöglichkeiten erwarten, weiten sie ihre Produktion aus. Immer mehr Investoren buhlen um das Kapital der Anleger, Zinsen und Produktionskosten steigen und fressen die Renditen. Die Kapitalgeber werden nervös: &quot;Zweifel, einmal begonnen, breiten sich rasch aus.&quot; Die Panik, die die Märkte befällt, verstärkt sich selbst. Der unrealistischen Einschätzung des Aufschwungs folgt die Hysterie der Krise. Die Investitionen sinken, die Beschäftigung fällt, die Kaufkraft schwindet - die Zukunftserwartungen werden immer trister.&lt;br /&gt;
	Der Vertrauensverlust in einer Krise kann so groß werden, dass Unternehmen selbst dann nicht investieren, wenn die Zinsen auf null sinken. Die Volkswirtschaft steckt dann, wie es Keynes nennt, in der &quot;Liquiditätsfalle&quot; - eine Konstellation, wie sie derzeit in Japan zu beobachten ist. In einer solchen Situation bleibt auch die expansive Geldpolitik einer Notenbank wirkungslos. Das zusätzliche Zentralbankgeld versickert in Spekulationskassen. In Erwartung günstigerer Investitionsmöglichkeiten sitzen Anleger auf ihrer Liquidität.&lt;br /&gt;
	Um die Wirtschaft aus einer solchen Schieflage zu erlösen und wieder in Richtung Vollbeschäftigung in Bewegung zu setzen, muss, so Keynes' Postulat, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigen. Und zwar so weit, dass mit zunehmender Produktion der Unternehmen alle Arbeitnehmer beschäftigt sind. Steigt nämlich die Nachfrage nach Investitionsgütern, führt das zu mehr Produktion, mehr Arbeit und mehr Einkommen. Dadurch steigen die Konsumausgaben. Höherer Konsum kurbelt die Nachfrage nach Gütern und Investitionen an, wodurch Produktion und Einkommen zusätzlich steigen. Kurz: Es kommt zu einer Kettenreaktion, zum bekannten Keynesschen &quot;Einkommensmultiplikator&quot; - aus einem exogenen Impuls, etwa einer zusätzlich angestoßenen Investition, entsteht ein Mehrfaches an Einkommen.&lt;br /&gt;
	Daraus leitete Keynes seine wohl bekannteste These ab: Wenn Unternehmer nicht ausreichend investieren, muss der Staat als Investor auftreten, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Um zusätzliche Nachfrage zu erzeugen, nimmt die öffentliche Hand Kredite auf und finanziert damit zusätzliche Investitionen wie etwa Straßen, Kanalisation, Schulen, Flughäfen.&lt;br /&gt;
	Es ist Keynes und seinem Werk zuzuschreiben, dass sich die britische Regierung noch während des Zweiten Weltkriegs zu einer Vollbeschäftigungspolitik verpflichtete, die Vereinigten Staaten 1946 ein Vollbeschäftigungsgesetz beschlossen, und auch das deutsche Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 geht auf den britischen Ökonomen zurück.&lt;br /&gt;
	Keynes zeigte, wie die Wirtschaftspolitik Flauten überwinden kann. Nur allzu häufig wurden seine Theorien aber von Politikern als Ausrede missbraucht. So wurden zwar im Konjunkturabschwung die Etatdefizite erhöht, aber - im Gegensatz zum Keynesschen Rezept - Aufschwung nicht abgebaut, sodass die Staatsschulden ständig zunahmen.&lt;br /&gt;
	Über kein anderes ökonomisches Werk ist vermutlich so viel geschrieben und so viel gestritten worden wie über die &lt;em&gt;Allgemeine Theorie&lt;/em&gt; von Keynes. Es ist ein bleibendes Verdienst des Briten, den Blick auf die Bedeutung der Gesamtnachfrage für die Wirtschaftsentwicklung gelenkt zu haben, obwohl schon in den siebziger Jahren das Ende der Keynesianischen Ära verkündet und die &quot;&lt;a href=&quot;http://www.econlib.org/library/Enc/Monetarism.html&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;monetaristische &lt;/span&gt;&lt;/a&gt;Gegenrevolution&quot; gestartet wurde. Doch anders als in Deutschland, wo die Keynesianer in der Wissenschaft und in der Politik zunehmend in eine Außenseiterrolle gerieten, wurde Keynes in den Vereinigten Staaten nie aus der wissenschaftlichen Debatte verdrängt. Prominente Ökonomen wie &lt;a href=&quot;http://www.econlib.org/library/Enc/NewKeynesianEconomics.html&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #000080;&quot;&gt;Gregory Mankiw&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;,&amp;nbsp;Paul Krugman, David Romer, Alan Blinder oder Joseph Stiglitz nehmen dort weiterhin Keynes' Ideen als Ausgangspunkt ihrer Forschungen.&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;John Maynard Keynes: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes;&lt;/strong&gt; Duncker &amp;amp; Humblot, Berlin, 7. Auflage 1994, unveränderter Nachdruck der ersten Auflage,&lt;br /&gt;
	&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
	Text von Sven Afhüppe; Markus Fasse (c) DIE ZEIT 1999&lt;/p&gt;
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		<category term="Geschichte der VWL" />
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		<title>Riccardo, David - Tausch</title>
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		<published>2013-04-02T09:20:04+00:00</published>
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	&lt;h2&gt;
		&lt;span class=&quot;title&quot;&gt;Lohnender Tausch&lt;/span&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p class=&quot;excerpt&quot;&gt;
	David Ricardo: &quot;Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und Besteuerung&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;excerpt&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;excerpt&quot;&gt;
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&lt;p class=&quot;excerpt&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	David Ricardo war der bekannteste Spekulant seiner Zeit und schon in jungen Jahren an der Börse reich geworden. Aber mit der Theorie tat er sich eher schwer. Nur unter ständigen Ermunterungen seines Freundes, des Sozialphilosophen James Mill, brachte er sein Hauptwerk &lt;em&gt;Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung&lt;/em&gt; zu Papier. Seine Sorge, es gäbe &quot;wohl keine 25 Leser in &lt;a class=&quot;entity entity-Location&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/orte/grossbritannien&quot;&gt;Großbritannien&lt;/a&gt;, die das Buch verstehen&quot;, war indessen unbegründet. Das 1817 erschienene Werk verkaufte sich gut. Seine Argumente zum Wert von Gütern, seine Ideen zur Einkommensverteilung zwischen Arbeitern, Kapitaleignern und Grundeigentümern haben zahlreiche Wirtschaftsdenker nach ihm beeinflußt. Seine Theorie des Außenhandels bestimmt bis heute die Freihandelsdebatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Mit seinen Gedanken zum Außenhandel focht David Ricardo (1772 bis 1823) gegen den Geist seiner Zeit. Während sein Heimatland die eigene Wirtschaft mit Zollmauern schützte, propagierte er den freien Handel. Er begründete dies mit seinem Theorem der &quot;komparativen Kostenvorteile&quot;. Zentrales Argument: Der Warenaustausch zwischen zwei Ländern lohnt sich für beide selbst dann, wenn ein Land alle Güter günstiger herstellen kann als das andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Die Portugiesen sind jedoch im Vergleich zu den Engländern bei der Weinerzeugung noch deutlich produktiver als bei der Tuchherstellung - deshalb liegt der komparative Kostenvorteil &lt;a class=&quot;entity entity-Location&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/orte/portugal&quot;&gt;Portugals&lt;/a&gt; bei Wein. Für das Land lohnt es sich daher, sich auf die Weinerzeugung zu konzentrieren und das Tuch nicht mehr selbst zu weben, sondern im Handel mit &lt;a class=&quot;entity entity-Location&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/orte/england&quot;&gt;England&lt;/a&gt; gegen Wein einzutauschen - denn die Portugiesen brauchen weniger Arbeit, die für den Export benötigte Menge Wein zu erzeugen, als sie einsetzen müßten, wenn sie das Tuch für den Eigenbedarf selbst fertigten. Spiegelbildlich haben die Engländer einen komparativen Kostenvorteil bei Tuchen: Ihr Arbeitseinsatz, das für den Tausch benötigte Tuch herzustellen, ist geringer als beim Anbau eigenen Weins. Die eingesparten Arbeitskräfte kann England dann profitabler in anderen Industriezweigen einsetzen. Ricardos Fazit: Wenn sich jedes Land auf das Produkt konzentriert, das es, relativ gesehen, billiger produzieren kann, wächst in beiden Ländern der Wohlstand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Bei aller Theorie blieb Ricardo dennoch Geschäftsmann und wußte, daß sich Kaufleute nicht um so etwas Abstraktes wie komparative Kosten kümmern. Für sie zählen allein die Preise. Aber auch dann hält er seine Theorie für zutreffend, wie er wiederum am Beispiel Englands und Portugals erklärt: Englische Kaufleute neigen sehr wahrscheinlich dazu, auch Tuche aus Portugal zu importieren, wenn sie dort preiswerter sind als in England. Damit bringen sie jedoch gleichzeitig Geld nach Portugal. Die höhere Geldmenge führt dort zu Inflation, also zu höheren Preisen, während die englischen Preise wegen der abnehmenden Geldmenge fallen. Diese Geldströme dauern so lange an, bis es wieder vorteilhaft ist, Stoffe von England nach Portugal zu exportieren. Mit einiger Verzögerung bestimmen also auch in diesem Fall die komparativen Kostenvorteile den Warenaustausch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Ricardos Theorie bildete die Basis für die Diskussion über Freihandel und Schutzzölle, die das 19. Jahrhundert beherrschte und die in England 1846 in der Abschaffung des Getreidezolls gipfelte. Seine Ideen hatten Bestand und finden sich in der aktuellen Debatte über die weitere Liberalisierung des Welthandels wieder. Und David Ricardo schmückt heute sogar die Website der Welthandelsorganisation &lt;a class=&quot;entity entity-Organization&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/organisationen/wto&quot;&gt;WTO&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Doch Ricardo befaßte sich in seinen &quot;Grundsätzen&quot; nicht nur mit dem internationalen Handel. Auf der Suche nach Maßstäben für die objektive Bewertung von Gütern übernahm Ricardo von &lt;a class=&quot;entity entity-Person&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/personen/adam-smith&quot;&gt;Adam Smith&lt;/a&gt; die Einteilung in Gebrauchs- und Tauschwert. Seine Theorie: Der Wert eines Gutes wird allein davon bestimmt, wieviel Arbeit zu seiner Produktion notwendig ist. (Raritäten oder Sammlerstücke vernachlässigte er bewußt.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Zur Erläuterung seiner Arbeitswertlehre bediente er sich eines Beispiels von Adam Smith: In einer primitiven Gesellschaft dauert die Jagd eines Bibers doppelt so lange wie die eines Hirsches. Also ist der Biber doppelt soviel wert wie ein Hirsch. Ricardo erweiterte dieses simple Modell, indem er die Zeit berücksichtigte, die zur Herstellung der Jagdwaffen notwendig war, und auch den Verbrauch der Waffen/Werkzeuge in seine Berechnungen einbezog. Je mehr Tiere (Güter) mit einer Waffe (Maschine) erlegt (hergestellt) werden können, um so geringer ist der Wertanteil der Waffe/Maschine pro Tier (Stück). Damit nahm Ricardo eine entscheidende Kostenüberlegung der industriellen Massenproduktion vorweg.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Schon die mit Ricardo befreundeten Nationalökonomen Jean Baptiste Say und Thomas Robert Malthus lehnten Ricardos Werttheorie ab. Der Franzose Say betonte die Bedeutung des Gebrauchswerts für die Preisbildung, der Engländer Malthus hielt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage für entscheidend. &lt;a class=&quot;entity entity-Person&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/personen/karl-marx&quot;&gt;Karl Marx&lt;/a&gt; indessen griff Ricardos Thesen zur Entwicklung seiner Mehrwerttheorie auf, wonach weder Boden noch Kapital, sondern allein die menschliche Arbeitskraft zusätzlichen Wert schafft. Die Nutzung von Grund und Boden ist im Denken Ricardos ohne Einfluß auf den Wert von Gütern. Die Grundeigentümer können überhaupt nur eine &quot;Grundrente&quot; kassieren, weil es unterschiedliche Bodenqualitäten gibt. Er erklärt dies beispielhaft an einer Urgesellschaft: Solange ausreichend gute Böden zur Verfügung stehen, um die Gesellschaft mit Nahrung zu versorgen, wird keine Grundrente gezahlt. Wächst die Bevölkerung, müssen zunehmend schlechtere Böden kultiviert werden, die höheren Arbeitseinsatz erfordern; das macht die Produkte teurer. Die Besitzer fruchtbarer Böden passen ihre Preise an und schöpfen damit den Wert des bei ihnen nicht erforderlichen zusätzlichen Arbeitseinsatzes als Grundrente ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Spätere Ökonomengenerationen kreideten Ricardo dessen Thesen zur Höhe des Arbeitslohnes an, weil er die Armut der Arbeiter für geradezu naturgegeben erklärte: Die Preise der Nahrungsmittel bestimmen in seinem Modell den Lohn. Das &quot;natürliche&quot; Lohnniveau entspricht dem Existenzminimum, das die Arbeitsbevölkerung braucht, um ihre Arbeitskraft zu erhalten. Wenn die Bevölkerung mehr als das Notwendigste zum Leben hat, vermehrt sie sich, das Angebot an Arbeitskräften steigt, das Lohnniveau sinkt. Fällt es unter das Existenzminimum, dezimieren Hunger und Seuchen das Arbeitskräfteangebot, die Löhne steigen wieder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	In Ricardos Verteilungssystem schneiden die Grundeigentümer auf Dauer am besten ab. Bei wachsender Bevölkerung müssen immer schlechtere Böden kultiviert werden. Die Lebensmittelpreise steigen, und mit ihnen steigt die Grundrente. Die Kapitaleigner dagegen müssen höhere Nennlöhne zahlen und damit einen größeren Teil des volkswirtschaftlichen Ertrages abgeben. Die Arbeiter gewinnen jedoch nichts, denn real können sie sich nicht mehr kaufen als vorher. Für sich selbst hatte Ricardo schon die Konsequenz gezogen, bevor er sein Werk über die &quot;Grundsätze&quot; veröffentlicht wurde. Er verkaufte seine Wertpapiere und erwarb ein Landgut in Gloucestershire.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Quelle: (c) DIE ZEIT 1999 , http://www.zeit.de/1999/23/199923.biblio-serie_4_.xml&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;strong&gt;Von&lt;/strong&gt; Ruprecht Hammerschmidt | Katharina&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Mehr zu &lt;a href=&quot;index.php/vwl/84-geschichte-der-vwl/109-riccardo-david-weiter&quot;&gt;Riccardo&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</summary>
		<content type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;div class=&quot;articleheader&quot;&gt;
	&lt;h2&gt;
		&lt;span class=&quot;title&quot;&gt;Lohnender Tausch&lt;/span&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p class=&quot;excerpt&quot;&gt;
	David Ricardo: &quot;Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und Besteuerung&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;excerpt&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;excerpt&quot;&gt;
	&lt;img src=&quot;http://www.wiwo.de/images/david-ricardo/5907952/2-format23.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; width: 410px; height: 231px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;excerpt&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	David Ricardo war der bekannteste Spekulant seiner Zeit und schon in jungen Jahren an der Börse reich geworden. Aber mit der Theorie tat er sich eher schwer. Nur unter ständigen Ermunterungen seines Freundes, des Sozialphilosophen James Mill, brachte er sein Hauptwerk &lt;em&gt;Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung&lt;/em&gt; zu Papier. Seine Sorge, es gäbe &quot;wohl keine 25 Leser in &lt;a class=&quot;entity entity-Location&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/orte/grossbritannien&quot;&gt;Großbritannien&lt;/a&gt;, die das Buch verstehen&quot;, war indessen unbegründet. Das 1817 erschienene Werk verkaufte sich gut. Seine Argumente zum Wert von Gütern, seine Ideen zur Einkommensverteilung zwischen Arbeitern, Kapitaleignern und Grundeigentümern haben zahlreiche Wirtschaftsdenker nach ihm beeinflußt. Seine Theorie des Außenhandels bestimmt bis heute die Freihandelsdebatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Mit seinen Gedanken zum Außenhandel focht David Ricardo (1772 bis 1823) gegen den Geist seiner Zeit. Während sein Heimatland die eigene Wirtschaft mit Zollmauern schützte, propagierte er den freien Handel. Er begründete dies mit seinem Theorem der &quot;komparativen Kostenvorteile&quot;. Zentrales Argument: Der Warenaustausch zwischen zwei Ländern lohnt sich für beide selbst dann, wenn ein Land alle Güter günstiger herstellen kann als das andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Die Portugiesen sind jedoch im Vergleich zu den Engländern bei der Weinerzeugung noch deutlich produktiver als bei der Tuchherstellung - deshalb liegt der komparative Kostenvorteil &lt;a class=&quot;entity entity-Location&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/orte/portugal&quot;&gt;Portugals&lt;/a&gt; bei Wein. Für das Land lohnt es sich daher, sich auf die Weinerzeugung zu konzentrieren und das Tuch nicht mehr selbst zu weben, sondern im Handel mit &lt;a class=&quot;entity entity-Location&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/orte/england&quot;&gt;England&lt;/a&gt; gegen Wein einzutauschen - denn die Portugiesen brauchen weniger Arbeit, die für den Export benötigte Menge Wein zu erzeugen, als sie einsetzen müßten, wenn sie das Tuch für den Eigenbedarf selbst fertigten. Spiegelbildlich haben die Engländer einen komparativen Kostenvorteil bei Tuchen: Ihr Arbeitseinsatz, das für den Tausch benötigte Tuch herzustellen, ist geringer als beim Anbau eigenen Weins. Die eingesparten Arbeitskräfte kann England dann profitabler in anderen Industriezweigen einsetzen. Ricardos Fazit: Wenn sich jedes Land auf das Produkt konzentriert, das es, relativ gesehen, billiger produzieren kann, wächst in beiden Ländern der Wohlstand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Bei aller Theorie blieb Ricardo dennoch Geschäftsmann und wußte, daß sich Kaufleute nicht um so etwas Abstraktes wie komparative Kosten kümmern. Für sie zählen allein die Preise. Aber auch dann hält er seine Theorie für zutreffend, wie er wiederum am Beispiel Englands und Portugals erklärt: Englische Kaufleute neigen sehr wahrscheinlich dazu, auch Tuche aus Portugal zu importieren, wenn sie dort preiswerter sind als in England. Damit bringen sie jedoch gleichzeitig Geld nach Portugal. Die höhere Geldmenge führt dort zu Inflation, also zu höheren Preisen, während die englischen Preise wegen der abnehmenden Geldmenge fallen. Diese Geldströme dauern so lange an, bis es wieder vorteilhaft ist, Stoffe von England nach Portugal zu exportieren. Mit einiger Verzögerung bestimmen also auch in diesem Fall die komparativen Kostenvorteile den Warenaustausch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Ricardos Theorie bildete die Basis für die Diskussion über Freihandel und Schutzzölle, die das 19. Jahrhundert beherrschte und die in England 1846 in der Abschaffung des Getreidezolls gipfelte. Seine Ideen hatten Bestand und finden sich in der aktuellen Debatte über die weitere Liberalisierung des Welthandels wieder. Und David Ricardo schmückt heute sogar die Website der Welthandelsorganisation &lt;a class=&quot;entity entity-Organization&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/organisationen/wto&quot;&gt;WTO&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Doch Ricardo befaßte sich in seinen &quot;Grundsätzen&quot; nicht nur mit dem internationalen Handel. Auf der Suche nach Maßstäben für die objektive Bewertung von Gütern übernahm Ricardo von &lt;a class=&quot;entity entity-Person&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/personen/adam-smith&quot;&gt;Adam Smith&lt;/a&gt; die Einteilung in Gebrauchs- und Tauschwert. Seine Theorie: Der Wert eines Gutes wird allein davon bestimmt, wieviel Arbeit zu seiner Produktion notwendig ist. (Raritäten oder Sammlerstücke vernachlässigte er bewußt.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Zur Erläuterung seiner Arbeitswertlehre bediente er sich eines Beispiels von Adam Smith: In einer primitiven Gesellschaft dauert die Jagd eines Bibers doppelt so lange wie die eines Hirsches. Also ist der Biber doppelt soviel wert wie ein Hirsch. Ricardo erweiterte dieses simple Modell, indem er die Zeit berücksichtigte, die zur Herstellung der Jagdwaffen notwendig war, und auch den Verbrauch der Waffen/Werkzeuge in seine Berechnungen einbezog. Je mehr Tiere (Güter) mit einer Waffe (Maschine) erlegt (hergestellt) werden können, um so geringer ist der Wertanteil der Waffe/Maschine pro Tier (Stück). Damit nahm Ricardo eine entscheidende Kostenüberlegung der industriellen Massenproduktion vorweg.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Schon die mit Ricardo befreundeten Nationalökonomen Jean Baptiste Say und Thomas Robert Malthus lehnten Ricardos Werttheorie ab. Der Franzose Say betonte die Bedeutung des Gebrauchswerts für die Preisbildung, der Engländer Malthus hielt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage für entscheidend. &lt;a class=&quot;entity entity-Person&quot; href=&quot;http://www.zeit.de/schlagworte/personen/karl-marx&quot;&gt;Karl Marx&lt;/a&gt; indessen griff Ricardos Thesen zur Entwicklung seiner Mehrwerttheorie auf, wonach weder Boden noch Kapital, sondern allein die menschliche Arbeitskraft zusätzlichen Wert schafft. Die Nutzung von Grund und Boden ist im Denken Ricardos ohne Einfluß auf den Wert von Gütern. Die Grundeigentümer können überhaupt nur eine &quot;Grundrente&quot; kassieren, weil es unterschiedliche Bodenqualitäten gibt. Er erklärt dies beispielhaft an einer Urgesellschaft: Solange ausreichend gute Böden zur Verfügung stehen, um die Gesellschaft mit Nahrung zu versorgen, wird keine Grundrente gezahlt. Wächst die Bevölkerung, müssen zunehmend schlechtere Böden kultiviert werden, die höheren Arbeitseinsatz erfordern; das macht die Produkte teurer. Die Besitzer fruchtbarer Böden passen ihre Preise an und schöpfen damit den Wert des bei ihnen nicht erforderlichen zusätzlichen Arbeitseinsatzes als Grundrente ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Spätere Ökonomengenerationen kreideten Ricardo dessen Thesen zur Höhe des Arbeitslohnes an, weil er die Armut der Arbeiter für geradezu naturgegeben erklärte: Die Preise der Nahrungsmittel bestimmen in seinem Modell den Lohn. Das &quot;natürliche&quot; Lohnniveau entspricht dem Existenzminimum, das die Arbeitsbevölkerung braucht, um ihre Arbeitskraft zu erhalten. Wenn die Bevölkerung mehr als das Notwendigste zum Leben hat, vermehrt sie sich, das Angebot an Arbeitskräften steigt, das Lohnniveau sinkt. Fällt es unter das Existenzminimum, dezimieren Hunger und Seuchen das Arbeitskräfteangebot, die Löhne steigen wieder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	In Ricardos Verteilungssystem schneiden die Grundeigentümer auf Dauer am besten ab. Bei wachsender Bevölkerung müssen immer schlechtere Böden kultiviert werden. Die Lebensmittelpreise steigen, und mit ihnen steigt die Grundrente. Die Kapitaleigner dagegen müssen höhere Nennlöhne zahlen und damit einen größeren Teil des volkswirtschaftlichen Ertrages abgeben. Die Arbeiter gewinnen jedoch nichts, denn real können sie sich nicht mehr kaufen als vorher. Für sich selbst hatte Ricardo schon die Konsequenz gezogen, bevor er sein Werk über die &quot;Grundsätze&quot; veröffentlicht wurde. Er verkaufte seine Wertpapiere und erwarb ein Landgut in Gloucestershire.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Quelle: (c) DIE ZEIT 1999 , http://www.zeit.de/1999/23/199923.biblio-serie_4_.xml&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;strong&gt;Von&lt;/strong&gt; Ruprecht Hammerschmidt | Katharina&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Mehr zu &lt;a href=&quot;index.php/vwl/84-geschichte-der-vwl/109-riccardo-david-weiter&quot;&gt;Riccardo&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</content>
		<category term="Geschichte der VWL" />
	</entry>
	<entry>
		<title>Riccardo, David - Der Freihändler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/109-riccardo-freihandel"/>
		<published>2013-04-02T09:33:14+00:00</published>
		<updated>2013-04-02T09:33:14+00:00</updated>
		<id>http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/109-riccardo-freihandel</id>
		<author>
			<name>Dombergen</name>
			<email>dombergen@gmx.de</email>
		</author>
		<summary type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;h1&gt;
	&lt;em class=&quot;hcf-overline&quot;&gt;David Ricardo&lt;/em&gt;&lt;/h1&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;span class=&quot;hcf-headline&quot;&gt;Der Freihändler&lt;/span&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;p class=&quot;hcf-teaser&quot;&gt;
	David Ricardo erforschte die Verteilungskonflikte im kapitalistischen Wirtschaftssystem, stritt für den freien Handel und geißelte die Schuldenpolitik des Staates. Die Lehren des britischen Ökonomen sind heute aktueller denn je.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;hcf-teaser&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;David Ricardo Quelle: dpa&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/david-ricardo/5907952/2-format23.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; margin: 10px;&quot; title=&quot;David Ricardo Quelle: dpa&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;David Ricardos Äquivalenztheorem polarisiert noch heute. &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;dpa&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Als am späten Abend des 18. Juni 1815 der letzte Kanonendonner über dem Schlachtfeld von Waterloo verhallte, war klar, dass die alliierten Truppen der Briten und Preußen die Armee des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte besiegt hatten – das erste französische Kaiserreich ging zu Ende.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		In England brach daraufhin großer Jubel aus, und ein Engländer triumphierte ganz besonders. Der Wertpapierhändler David Ricardo hatte an der Londoner Börse kurz vor der Schlacht in großem Umfang britische Staatsanleihen gekauft und fast sein gesamtes Vermögen auf einen Sieg der Briten gesetzt. Als die Nachricht von der Niederlage Napoleons London erreichte, setzten die britischen Staatsanleihen zum Höhenflug an. Ricardo wurde mit einem Schlag zu einem der reichsten Männer des Landes. Der plötzliche Wohlstand erlaubte es dem „Günstling des Glücks“ (Ricardo über sich selbst), sich auf seinen Landsitz Gatcombe Park in Gloucestershire zurückzuziehen und seiner wahren Leidenschaft zu frönen: der politischen Ökonomie.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&lt;strong&gt;Enterbter Börsenmakler&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Zwei Jahre später, 1817, veröffentlichte Ricardo sein wissenschaftliches Hauptwerk „On the Principles of Political Economy and Taxation“. Darin analysierte der ökonomische Autodidakt, der nie eine Universität besucht hatte, die Verteilungskonflikte im heraufziehenden Industriezeitalter und bewies, dass freier Handel den Wohlstand der Nationen erhöht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Als David Ricardo am 18. April 1772 in London zur Welt kam, war sein Vater, ein erfolgreicher Börsenmakler, mit seiner Familie gerade aus Amsterdam nach London übergesiedelt. Nach dem Besuch der Grundschule schickten ihn seine Eltern zu Verwandten nach Amsterdam, wo er bis zum 13. Lebensjahr das Gymnasium besuchte. Nach der Rückkehr in die britische Hauptstadt trat er mit 14 Jahren in die Maklerfirma seines Vaters ein. Rasch fiel er durch seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten in Mathematik auf und – wie einer seiner Brüder bemerkte – durch „den Gefallen an abstrakter und allgemeiner Argumentation“.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Mit 21 Jahren heiratete Ricardo die Arzttochter Priscilla Ann Wilkinson, eine Quäkerin. Für seine Eltern, strenggläubige Juden, war das eine Todsünde. Als sein Vater ihn deshalb enterbte und mit ihm brach, war Ricardo auf sich allein gestellt. Er nahm bei Bekannten einen Kredit auf und machte sich als Börsenmakler selbstständig – bis eben zu jener denkwürdigen Schlacht von Waterloo.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Zur ökonomischen Theorie kam der Mann der Praxis im Jahr 1799, als er sich mit seiner maladen Frau im südenglischen Kurort Bath aufhielt. Aus Langeweile besuchte er die örtliche Bibliothek, wo ihm das Buch „Der Wohlstand der Nationen“ von Adam Smith in die Hände fiel. Die Analysen des schottischen Ökonomen fesselten Ricardo so sehr, dass er sich in den Folgejahren intensiver mit der Ökonomie auseinandersetzte.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Schlacht von Waterloo Quelle: Corbis&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/schlacht-von-waterloo/5886712/2-format23.jpg&quot; title=&quot;Schlacht von Waterloo Quelle: Corbis&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Aufs richtige Pferd gesetzt. Ricardo wettete an der Börse auf einen Sieg der Briten und Preußen gegen Napoleon bei der Schlacht von Waterloo - und gewann. &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;Corbis&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Seine ersten Gedanken über ökonomische Zusammenhänge brachte er 1810 in Form von Briefen zu Papier. Das Thema: die Inflation. In Großbritannien herrschte damals der Goldstandard, die umlaufenden Geldscheine waren durch Gold gedeckt. Doch der Preis für Gold, ausgedrückt in Papiergeld, nahm dramatisch zu. Die Mehrheit der Briten führte dies auf die Kontinentalsperre zurück, die Napoleon gegen Großbritannien verhängt hatte. Ricardo jedoch argumentierte, der steigende Goldpreis sei dadurch begründet, dass die Bank von England zu viel Papiergeld drucke.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Der Herausgeber der Zeitung „Morning Chronicle“, dem Ricardo die Briefe zeigte, überredete ihn, diese in seiner Zeitung zu veröffentlichen. Das Leserecho war überwältigend und bewirkte, dass Ricardos Thesen im britischen Parlament debattiert wurden. Seither gilt Ricardo als Mitbegründer der Quantitätstheorie des Geldes, deren Kernaussage darin besteht, dass die Preise steigen, wenn die Geldmenge stärker wächst als die reale Güterproduktion.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&lt;strong&gt;Gute Kontakte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Der hohe Bekanntheitsgrad, den Ricardo durch die von ihm entfachte Diskussion erlangte, verschaffte ihm Kontakte zu großen Denkern seiner Zeit, vor allem dem Sozialphilosophen James Mill. Mill drängte Ricardo, seine Gedanken über ökonomische Zusammenhänge in einem größeren Werk zu Papier zu bringen. „Sie sind schon jetzt der größte Denker der politischen Ökonomie, und ich bin überzeugt, dass Sie auch der beste Autor werden“, schrieb Mill seinem Freund und spornte ihn so zu intellektuellen Höchstleistungen an. Das Ergebnis waren die 1817 erschienenen „Principles“, ein nach heutigen Maßstäben absoluter Bestseller. Das Buch war nach wenigen Wochen ausverkauft, machte den ökonomischen Diskurs im gebildeten Bürgertum populär und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Dass Ricardo seine abstrakten Gedanken in einer ebenso abstrakten Formelsprache transportierte, die ihn selbst fürchten ließ, das Werk hätten allenfalls 25 Menschen begriffen, tat dem Erfolg des Buches keinen Abbruch.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Die damaligen polit-ökonomischen Verhältnisse beim Übergang ins Industriezeitalter waren durch schwankende Ernteerträge, eine wachsende Bevölkerung und Handelsprotektionismus geprägt. Vor diesem Hintergrund widmete sich Ricardo in den „Principles“ der Frage, nach welchen Gesetzmäßigkeiten das Einkommen auf die drei Klassen der Gesellschaft – Grundbesitzer, Kapitaleigner und Arbeiter – entfällt. Ausgangspunkt seiner Analyse ist die Feststellung, dass der Lohn der Arbeiter faktisch von den Lebensmittelpreisen bestimmt wird. Der Lohn richte sich nach dem „Preis, der nötig ist, die Arbeiter instand zu setzen, sich zu erhalten und ihr Geschlecht fortzupflanzen“.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Wächst die Bevölkerung, werden mehr Nahrungsmittel benötigt. Das macht es erforderlich, auch die weniger fruchtbaren Ackerböden zu bewirtschaften. Dies treibt die Kosten des Nahrungsmittelanbaus und damit die Preise für Lebensmittel in die Höhe. Davon profitieren aber nur die Grundbesitzer, denn sie können jetzt von den Pächtern fruchtbarer Böden höhere Pachten verlangen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-detail-header-ad hcf-content&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Kapitalismus abschaffen-Shirt Quelle: dpa&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/kapitalismus-abschaffen-shirt/5908722/2-format23.jpg&quot; title=&quot;Kapitalismus abschaffen-Shirt Quelle: dpa&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Ricardo lag es fern, den Kapitalismus zu kritisieren oder gar dessen Abschaffung zu fordern. Im Gegenteil. Er sah in ihm die beste Wirtschaftsform, um den Wohlstand der Menschen insgesamt zu mehren, auch wenn einige Klassen mehr profitierten als andere. &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;dpa&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Die Pacht kann so lange steigen, bis die Kosten für die Bewirtschaftung der fruchtbaren Böden ebenso hoch sind wie die Bewirtschaftungskosten der weniger fruchtbaren Böden. Je mehr ungünstige Böden kultiviert werden müssen und je höher dadurch die Nahrungsmittelpreise steigen, desto höher fällt die Pacht für fruchtbare Böden (Differentialrente) aus, die die Grundbesitzer verlangen. Sie sind die Gewinner der wachsenden Wirtschaft.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Hingegen stagnieren die Realeinkommen der Arbeiter, da ihre Löhne nur in dem Maße steigen wie die Nahrungsmittelpreise. Die großen Verlierer sind die Kapitalbesitzer, also die Unternehmer. Deren Gewinne werden von steigenden Lohnkosten aufgefressen. „Je größer der Anteil des Arbeitsergebnisses, der an die Arbeiter gegeben wird, desto kleiner ist die Profitrate, und umgekehrt“, konstatiert Ricardo. Sinkt die Profitrate, die der Brite als das Verhältnis der Gewinnspanne zu den Produktionskosten definiert, so schwindet der Anreiz, in neues Kapital zu investieren – und das Wachstum der Wirtschaft lässt nach.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Grafik: Mehr Wohlstand durch Handel&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/grafik-mehr-wohlstand-durch-handel/5908132/2-format23.jpg&quot; title=&quot;Grafik: Mehr Wohlstand durch Handel&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Grafik: Mehr Wohlstand durch Handel &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Ricardos Verteilungstheorie, die durch den Interessengegensatz zwischen Grundeigentümern, Arbeitern und Kapitaleignern geprägt ist, rüttelt an den Harmonievorstellungen der klassischen Ökonomie, die davon ausging, dass alle Klassen der Gesellschaft vom steigenden Reichtum profitieren. Karl Marx, der sich in seinem eigenen Werk intensiv mit den Lehren Ricardos auseinandersetzte, sah in dessen Erkenntnissen denn auch eine „Angriffswaffe wider die bürgerliche Wirtschaft“.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Allerdings lag es Ricardo fern, den Kapitalismus zu kritisieren oder gar dessen Abschaffung zu fordern. Im Gegenteil. Er sah in ihm – ganz in der klassischen Tradition – die beste Wirtschaftsform, um den Wohlstand der Menschen insgesamt zu mehren, auch wenn einige Klassen mehr profitierten als andere. Die verteilungspolitischen Überlegungen Ricardos könnten in den nächsten Jahren wieder an Aktualität gewinnen, da die Böden zum Anbau von Nahrungsmitteln für eine wachsende Weltbevölkerung immer knapper werden.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-detail-header-ad hcf-content&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Wie groß die Vorteile sind, die das freie Spiel der Marktkräfte entfaltet, zeigte Ricardo in seiner Untersuchung des Außenhandels. Seine Theorie des komparativen Vorteils hat Eingang in alle Lehrbücher der Handelstheorie gefunden. Das Grundprinzip ist allerdings nicht so leicht verständlich. Der Nobelpreisträger Paul Samuelson bezeichnete es als ein Theorem, das selbst intelligenten Menschen nicht immer auf Anhieb einleuchtet.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
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	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Containerhafen Quelle: dapd&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/containerhafen/5908944/4-format23.jpg&quot; title=&quot;Containerhafen Quelle: dapd&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Die deutschen Exporteure klagen über eine sich verschlechternde Auftragslage. Foto: dapd &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;dapd&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Im Kern besagt die Theorie, dass ein Land auch dann erfolgreich am internationalen Handel teilnehmen kann, wenn es bei allen Produkten Kostennachteile gegenüber anderen Ländern hat. Umgekehrt lohnt es sich auch für Länder, die alle Produkte billiger herstellen können als andere, Handel mit den weniger wettbewerbsfähigen Ländern aufzunehmen und sich zu spezialisieren.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Ricardo erklärt seine Überlegungen am Beispiel des Handels mit Wein und Tuch zwischen Portugal und England. Angenommen, zwischen beiden Ländern gibt es keine Arbeitsteilung und keinen Handel. Dann stellen beide Länder beide Produkte her. England benötigt für die Produktion von 1000 Rollen Tuch 100 Arbeiter und für die Herstellung von 1000 Fässern Wein 120 Arbeiter. Portugal dagegen kommt mit 90 Arbeitern für 1000 Rollen Tuch und 80 Arbeitern für 1000 Fässer Wein aus. Insgesamt produzieren beide Länder zusammen 2000 Rollen Tuch und 2000 Fässer Wein.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-smartbox hcf-inline-left hcf-quote&quot;&gt;
	&lt;span class=&quot;hcf-quotation&quot;&gt;»Die Defizite von heute sind die Steuern von morgen. « - Ricardo &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Obwohl die Portugiesen bei Wein und Tuch jeweils einen absoluten Kostenvorteil (weniger benötigte Arbeitskräfte) haben, lohnt es sich für sie, sich auf die Produktion von Wein zu spezialisieren und den Briten die Herstellung von Tuch zu überlassen, das sie dann von dort importieren. Der Grund: Die Arbeitskräfte können in der portugiesischen Weinproduktion produktiver (kostengünstiger) eingesetzt werden als in der Tuchproduktion. Umgekehrt benötigt England für die Tuchproduktion weniger Arbeiter (100) als für die Weinproduktion (120).&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Wenn sich Portugal auf seine komparativen Vorteile beim Wein konzentriert und die Tuchproduktion aufgibt, können die 90 Arbeiter aus der Tuchproduktion ins Weinsegment wechseln. Sind sie dort ebenso produktiv wie die schon eingesetzten Arbeiter, die pro Kopf 12,5 Fässer produzieren (1000 Fässer geteilt durch 80 Arbeiter), so können sie 1125 Fässer Wein zusätzlich produzieren. Insgesamt stellt Portugal dadurch 2125 Fässer Wein her, 125 mehr als beide Länder zuvor zusammen erzeugt haben. In England dagegen werden die aus der Weinproduktion ausscheidenden 120 Arbeiter in der Tuchproduktion eingesetzt. Bei gleicher Produktivität wie die dort schon arbeitenden Beschäftigten, die 10 Rollen je Kopf erzeugen (1000 Rollen geteilt durch 100 Arbeiter) können sie 1200 Rollen Tuch zusätzlich herstellen. England produziert somit 2200 Rollen Tuch, 200 mehr als beide Länder zuvor zusammen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-detail-header-ad hcf-content&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Indem sich jedes Land auf das Gut spezialisiert, das es relativ zu anderen Gütern im eigenen Land kostengünstiger herstellen kann, lenkt es seine Arbeitskräfte in die produktivste Verwendung. Der Handel mit dem anderen Land sichert dann die Versorgung mit dem selbst nicht mehr produzierten Gut. Auf diese Weise können auch Länder an der internationalen Arbeitsteilung teilnehmen, die in der Produktion aller Güter absolute Kostennachteile gegenüber anderen Ländern haben. Handel ist kein Nullsummenspiel, bei dem die einen gewinnen, was die anderen verlieren – sondern schafft eine Win-win-Situation. Allerdings setzt das voraus, dass Arbeitskräfte, die in der Branche mit komparativen Nachteilen entlassen werden, sofort einen Job in dem Sektor mit komparativen Vorteilen finden und dort ebenso produktiv sind wie die vorhandenen Arbeiter.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Schuldenuhr Quelle: dapd&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/schuldenuhr/5908974/3-format23.jpg&quot; title=&quot;Schuldenuhr Quelle: dapd&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Für Ricardo „eine der schrecklichsten Geißeln, die jemals zur Plage einer Nation erfunden wurden“: Die Staatsverschuldung. &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;dapd&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Neben dem Handel lässt sich Ricardos Theorie auf alle Formen der Arbeitsteilung im sozialen und wirtschaftlichen Gefüge der Gesellschaft anwenden. So wäre es beispielsweise unsinnig, wenn ein hochbezahlter Manager, der sowohl schneller schreiben als auch rechnen kann als seine Sekretärin, diese nach Hause schickt und beide Arbeiten selbst erledigt. Sinnvoller ist es, er konzentriert sich auf diejenige Arbeit, bei der sein komparativer Vorteil am größten ist, etwa das Rechnen, und überlässt seiner Sekretärin das Schreiben von Briefen. Am Ende des Arbeitstages haben beide zusammen mehr erledigt, als wenn der Chef alles allein gemacht hätte.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-smartbox hcf-inline-left hcf-quote&quot;&gt;
	&lt;span class=&quot;hcf-quotation&quot;&gt;»Gold und Silber besitzen einen inneren Wert, der nicht will- kürlich ist. «- Ricardo &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Ricardo war nicht nur ein Verfechter freier Märkte, er war auch ein Gegner staatlicher Schulden, in denen er „eine der schrecklichsten Geißeln, die jemals zur Plage einer Nation erfunden wurden“, sah. Daher forderte er, den durch die Kriege angehäuften Schuldenberg Englands durch eine einmalige Vermögensabgabe rasch zu tilgen. Die Steuer würde das Vermögen der Bürger nicht verringern, da diese ohnehin in Zukunft höhere Steuern an den Staat entrichten müssten, um dessen Schuldendienst zu finanzieren. Die einmalige Abgabe entspräche dem Barwert der in Zukunft auf die Bürger ohnehin zukommenden Last. Der Gedanke, dass die „Defizite von heute die Steuern von morgen sind“, ist als Äquivalenztheorem in die wirtschaftswissenschaftliche Literatur eingegangen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Der US-Ökonom Robert Barro griff diesen Gedanken 1974 wieder auf und entwickelte daraus die Barro-Ricardo-Äquivalenzproposition. Der Grundgedanke: Bei rationaler Erwartungsbildung erkennen die Bürger, dass eine schuldenfinanzierte Steuersenkung zu höheren Steuern in der Zukunft führt und ihr Lebenseinkommen nicht steigert. Da der Konsum vom Lebenseinkommen bestimmt wird, halten sie ihre Ausgaben konstant und stecken das zusätzliche Einkommen in die Ersparnisse. Kreditfinanzierte Steuersenkungen laufen daher konjunkturell ins Leere. Analog gilt für kreditfinanzierte Ausgabenprogramme des Staates, dass die Bürger daraufhin für die Zukunft steigende Steuern erwarten. Das schmälert ihr Lebenseinkommen und verringert so den aktuellen Konsum. Die nachfrageanregende Wirkung zusätzlicher Staatsausgaben wird konterkariert. Ricardianisch argumentierende Ökonomen stehen daher auf Kriegsfuß mit den Lehren des britischen Ökonomen John Maynard Keynes, der Schulden als Instrument zur Glättung von Konjunkturzyklen ansah.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-detail-header-ad hcf-content&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		David Ricardo starb am 11. September 1823 im Alter von 51 Jahren an den Folgen einer Mittelohrentzündung. Mit ihm endete das Zeitalter der klassischen Nationalökonomie.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Quelle: Wiwo 4.12.2011 - &lt;span class=&quot;hcf-author&quot;&gt;von &lt;a&gt;Malte Fischer&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/david-ricardo-der-freihaendler/5886714.html&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;h4&gt;
		weitere Literatur von und über David Ricardo&lt;/h4&gt;
	&lt;h4&gt;
		&lt;a&gt;On the Principles of Political Economy and Taxation&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;
	&lt;h4&gt;
		&lt;a&gt;Piero Sraffa: The Works and the Correspondence of David Ricardo&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;
	&lt;h4&gt;
		&lt;a&gt;Paul-Heinz Kösters: Ökonomen verändern die Welt&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;</summary>
		<content type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;h1&gt;
	&lt;em class=&quot;hcf-overline&quot;&gt;David Ricardo&lt;/em&gt;&lt;/h1&gt;
&lt;h2&gt;
	&lt;span class=&quot;hcf-headline&quot;&gt;Der Freihändler&lt;/span&gt;&lt;/h2&gt;
&lt;p class=&quot;hcf-teaser&quot;&gt;
	David Ricardo erforschte die Verteilungskonflikte im kapitalistischen Wirtschaftssystem, stritt für den freien Handel und geißelte die Schuldenpolitik des Staates. Die Lehren des britischen Ökonomen sind heute aktueller denn je.&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;hcf-teaser&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;David Ricardo Quelle: dpa&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/david-ricardo/5907952/2-format23.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; margin: 10px;&quot; title=&quot;David Ricardo Quelle: dpa&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;David Ricardos Äquivalenztheorem polarisiert noch heute. &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;dpa&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Als am späten Abend des 18. Juni 1815 der letzte Kanonendonner über dem Schlachtfeld von Waterloo verhallte, war klar, dass die alliierten Truppen der Briten und Preußen die Armee des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte besiegt hatten – das erste französische Kaiserreich ging zu Ende.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		In England brach daraufhin großer Jubel aus, und ein Engländer triumphierte ganz besonders. Der Wertpapierhändler David Ricardo hatte an der Londoner Börse kurz vor der Schlacht in großem Umfang britische Staatsanleihen gekauft und fast sein gesamtes Vermögen auf einen Sieg der Briten gesetzt. Als die Nachricht von der Niederlage Napoleons London erreichte, setzten die britischen Staatsanleihen zum Höhenflug an. Ricardo wurde mit einem Schlag zu einem der reichsten Männer des Landes. Der plötzliche Wohlstand erlaubte es dem „Günstling des Glücks“ (Ricardo über sich selbst), sich auf seinen Landsitz Gatcombe Park in Gloucestershire zurückzuziehen und seiner wahren Leidenschaft zu frönen: der politischen Ökonomie.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&lt;strong&gt;Enterbter Börsenmakler&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Zwei Jahre später, 1817, veröffentlichte Ricardo sein wissenschaftliches Hauptwerk „On the Principles of Political Economy and Taxation“. Darin analysierte der ökonomische Autodidakt, der nie eine Universität besucht hatte, die Verteilungskonflikte im heraufziehenden Industriezeitalter und bewies, dass freier Handel den Wohlstand der Nationen erhöht.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Als David Ricardo am 18. April 1772 in London zur Welt kam, war sein Vater, ein erfolgreicher Börsenmakler, mit seiner Familie gerade aus Amsterdam nach London übergesiedelt. Nach dem Besuch der Grundschule schickten ihn seine Eltern zu Verwandten nach Amsterdam, wo er bis zum 13. Lebensjahr das Gymnasium besuchte. Nach der Rückkehr in die britische Hauptstadt trat er mit 14 Jahren in die Maklerfirma seines Vaters ein. Rasch fiel er durch seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten in Mathematik auf und – wie einer seiner Brüder bemerkte – durch „den Gefallen an abstrakter und allgemeiner Argumentation“.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Mit 21 Jahren heiratete Ricardo die Arzttochter Priscilla Ann Wilkinson, eine Quäkerin. Für seine Eltern, strenggläubige Juden, war das eine Todsünde. Als sein Vater ihn deshalb enterbte und mit ihm brach, war Ricardo auf sich allein gestellt. Er nahm bei Bekannten einen Kredit auf und machte sich als Börsenmakler selbstständig – bis eben zu jener denkwürdigen Schlacht von Waterloo.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Zur ökonomischen Theorie kam der Mann der Praxis im Jahr 1799, als er sich mit seiner maladen Frau im südenglischen Kurort Bath aufhielt. Aus Langeweile besuchte er die örtliche Bibliothek, wo ihm das Buch „Der Wohlstand der Nationen“ von Adam Smith in die Hände fiel. Die Analysen des schottischen Ökonomen fesselten Ricardo so sehr, dass er sich in den Folgejahren intensiver mit der Ökonomie auseinandersetzte.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Schlacht von Waterloo Quelle: Corbis&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/schlacht-von-waterloo/5886712/2-format23.jpg&quot; title=&quot;Schlacht von Waterloo Quelle: Corbis&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Aufs richtige Pferd gesetzt. Ricardo wettete an der Börse auf einen Sieg der Briten und Preußen gegen Napoleon bei der Schlacht von Waterloo - und gewann. &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;Corbis&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Seine ersten Gedanken über ökonomische Zusammenhänge brachte er 1810 in Form von Briefen zu Papier. Das Thema: die Inflation. In Großbritannien herrschte damals der Goldstandard, die umlaufenden Geldscheine waren durch Gold gedeckt. Doch der Preis für Gold, ausgedrückt in Papiergeld, nahm dramatisch zu. Die Mehrheit der Briten führte dies auf die Kontinentalsperre zurück, die Napoleon gegen Großbritannien verhängt hatte. Ricardo jedoch argumentierte, der steigende Goldpreis sei dadurch begründet, dass die Bank von England zu viel Papiergeld drucke.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Der Herausgeber der Zeitung „Morning Chronicle“, dem Ricardo die Briefe zeigte, überredete ihn, diese in seiner Zeitung zu veröffentlichen. Das Leserecho war überwältigend und bewirkte, dass Ricardos Thesen im britischen Parlament debattiert wurden. Seither gilt Ricardo als Mitbegründer der Quantitätstheorie des Geldes, deren Kernaussage darin besteht, dass die Preise steigen, wenn die Geldmenge stärker wächst als die reale Güterproduktion.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&lt;strong&gt;Gute Kontakte&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Der hohe Bekanntheitsgrad, den Ricardo durch die von ihm entfachte Diskussion erlangte, verschaffte ihm Kontakte zu großen Denkern seiner Zeit, vor allem dem Sozialphilosophen James Mill. Mill drängte Ricardo, seine Gedanken über ökonomische Zusammenhänge in einem größeren Werk zu Papier zu bringen. „Sie sind schon jetzt der größte Denker der politischen Ökonomie, und ich bin überzeugt, dass Sie auch der beste Autor werden“, schrieb Mill seinem Freund und spornte ihn so zu intellektuellen Höchstleistungen an. Das Ergebnis waren die 1817 erschienenen „Principles“, ein nach heutigen Maßstäben absoluter Bestseller. Das Buch war nach wenigen Wochen ausverkauft, machte den ökonomischen Diskurs im gebildeten Bürgertum populär und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Dass Ricardo seine abstrakten Gedanken in einer ebenso abstrakten Formelsprache transportierte, die ihn selbst fürchten ließ, das Werk hätten allenfalls 25 Menschen begriffen, tat dem Erfolg des Buches keinen Abbruch.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Die damaligen polit-ökonomischen Verhältnisse beim Übergang ins Industriezeitalter waren durch schwankende Ernteerträge, eine wachsende Bevölkerung und Handelsprotektionismus geprägt. Vor diesem Hintergrund widmete sich Ricardo in den „Principles“ der Frage, nach welchen Gesetzmäßigkeiten das Einkommen auf die drei Klassen der Gesellschaft – Grundbesitzer, Kapitaleigner und Arbeiter – entfällt. Ausgangspunkt seiner Analyse ist die Feststellung, dass der Lohn der Arbeiter faktisch von den Lebensmittelpreisen bestimmt wird. Der Lohn richte sich nach dem „Preis, der nötig ist, die Arbeiter instand zu setzen, sich zu erhalten und ihr Geschlecht fortzupflanzen“.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Wächst die Bevölkerung, werden mehr Nahrungsmittel benötigt. Das macht es erforderlich, auch die weniger fruchtbaren Ackerböden zu bewirtschaften. Dies treibt die Kosten des Nahrungsmittelanbaus und damit die Preise für Lebensmittel in die Höhe. Davon profitieren aber nur die Grundbesitzer, denn sie können jetzt von den Pächtern fruchtbarer Böden höhere Pachten verlangen.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-detail-header-ad hcf-content&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
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	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Kapitalismus abschaffen-Shirt Quelle: dpa&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/kapitalismus-abschaffen-shirt/5908722/2-format23.jpg&quot; title=&quot;Kapitalismus abschaffen-Shirt Quelle: dpa&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Ricardo lag es fern, den Kapitalismus zu kritisieren oder gar dessen Abschaffung zu fordern. Im Gegenteil. Er sah in ihm die beste Wirtschaftsform, um den Wohlstand der Menschen insgesamt zu mehren, auch wenn einige Klassen mehr profitierten als andere. &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;dpa&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Die Pacht kann so lange steigen, bis die Kosten für die Bewirtschaftung der fruchtbaren Böden ebenso hoch sind wie die Bewirtschaftungskosten der weniger fruchtbaren Böden. Je mehr ungünstige Böden kultiviert werden müssen und je höher dadurch die Nahrungsmittelpreise steigen, desto höher fällt die Pacht für fruchtbare Böden (Differentialrente) aus, die die Grundbesitzer verlangen. Sie sind die Gewinner der wachsenden Wirtschaft.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Hingegen stagnieren die Realeinkommen der Arbeiter, da ihre Löhne nur in dem Maße steigen wie die Nahrungsmittelpreise. Die großen Verlierer sind die Kapitalbesitzer, also die Unternehmer. Deren Gewinne werden von steigenden Lohnkosten aufgefressen. „Je größer der Anteil des Arbeitsergebnisses, der an die Arbeiter gegeben wird, desto kleiner ist die Profitrate, und umgekehrt“, konstatiert Ricardo. Sinkt die Profitrate, die der Brite als das Verhältnis der Gewinnspanne zu den Produktionskosten definiert, so schwindet der Anreiz, in neues Kapital zu investieren – und das Wachstum der Wirtschaft lässt nach.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Grafik: Mehr Wohlstand durch Handel&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/grafik-mehr-wohlstand-durch-handel/5908132/2-format23.jpg&quot; title=&quot;Grafik: Mehr Wohlstand durch Handel&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Grafik: Mehr Wohlstand durch Handel &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Ricardos Verteilungstheorie, die durch den Interessengegensatz zwischen Grundeigentümern, Arbeitern und Kapitaleignern geprägt ist, rüttelt an den Harmonievorstellungen der klassischen Ökonomie, die davon ausging, dass alle Klassen der Gesellschaft vom steigenden Reichtum profitieren. Karl Marx, der sich in seinem eigenen Werk intensiv mit den Lehren Ricardos auseinandersetzte, sah in dessen Erkenntnissen denn auch eine „Angriffswaffe wider die bürgerliche Wirtschaft“.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Allerdings lag es Ricardo fern, den Kapitalismus zu kritisieren oder gar dessen Abschaffung zu fordern. Im Gegenteil. Er sah in ihm – ganz in der klassischen Tradition – die beste Wirtschaftsform, um den Wohlstand der Menschen insgesamt zu mehren, auch wenn einige Klassen mehr profitierten als andere. Die verteilungspolitischen Überlegungen Ricardos könnten in den nächsten Jahren wieder an Aktualität gewinnen, da die Böden zum Anbau von Nahrungsmitteln für eine wachsende Weltbevölkerung immer knapper werden.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
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	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Wie groß die Vorteile sind, die das freie Spiel der Marktkräfte entfaltet, zeigte Ricardo in seiner Untersuchung des Außenhandels. Seine Theorie des komparativen Vorteils hat Eingang in alle Lehrbücher der Handelstheorie gefunden. Das Grundprinzip ist allerdings nicht so leicht verständlich. Der Nobelpreisträger Paul Samuelson bezeichnete es als ein Theorem, das selbst intelligenten Menschen nicht immer auf Anhieb einleuchtet.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Containerhafen Quelle: dapd&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/containerhafen/5908944/4-format23.jpg&quot; title=&quot;Containerhafen Quelle: dapd&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Die deutschen Exporteure klagen über eine sich verschlechternde Auftragslage. Foto: dapd &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;dapd&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Im Kern besagt die Theorie, dass ein Land auch dann erfolgreich am internationalen Handel teilnehmen kann, wenn es bei allen Produkten Kostennachteile gegenüber anderen Ländern hat. Umgekehrt lohnt es sich auch für Länder, die alle Produkte billiger herstellen können als andere, Handel mit den weniger wettbewerbsfähigen Ländern aufzunehmen und sich zu spezialisieren.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Ricardo erklärt seine Überlegungen am Beispiel des Handels mit Wein und Tuch zwischen Portugal und England. Angenommen, zwischen beiden Ländern gibt es keine Arbeitsteilung und keinen Handel. Dann stellen beide Länder beide Produkte her. England benötigt für die Produktion von 1000 Rollen Tuch 100 Arbeiter und für die Herstellung von 1000 Fässern Wein 120 Arbeiter. Portugal dagegen kommt mit 90 Arbeitern für 1000 Rollen Tuch und 80 Arbeitern für 1000 Fässer Wein aus. Insgesamt produzieren beide Länder zusammen 2000 Rollen Tuch und 2000 Fässer Wein.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-smartbox hcf-inline-left hcf-quote&quot;&gt;
	&lt;span class=&quot;hcf-quotation&quot;&gt;»Die Defizite von heute sind die Steuern von morgen. « - Ricardo &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Obwohl die Portugiesen bei Wein und Tuch jeweils einen absoluten Kostenvorteil (weniger benötigte Arbeitskräfte) haben, lohnt es sich für sie, sich auf die Produktion von Wein zu spezialisieren und den Briten die Herstellung von Tuch zu überlassen, das sie dann von dort importieren. Der Grund: Die Arbeitskräfte können in der portugiesischen Weinproduktion produktiver (kostengünstiger) eingesetzt werden als in der Tuchproduktion. Umgekehrt benötigt England für die Tuchproduktion weniger Arbeiter (100) als für die Weinproduktion (120).&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Wenn sich Portugal auf seine komparativen Vorteile beim Wein konzentriert und die Tuchproduktion aufgibt, können die 90 Arbeiter aus der Tuchproduktion ins Weinsegment wechseln. Sind sie dort ebenso produktiv wie die schon eingesetzten Arbeiter, die pro Kopf 12,5 Fässer produzieren (1000 Fässer geteilt durch 80 Arbeiter), so können sie 1125 Fässer Wein zusätzlich produzieren. Insgesamt stellt Portugal dadurch 2125 Fässer Wein her, 125 mehr als beide Länder zuvor zusammen erzeugt haben. In England dagegen werden die aus der Weinproduktion ausscheidenden 120 Arbeiter in der Tuchproduktion eingesetzt. Bei gleicher Produktivität wie die dort schon arbeitenden Beschäftigten, die 10 Rollen je Kopf erzeugen (1000 Rollen geteilt durch 100 Arbeiter) können sie 1200 Rollen Tuch zusätzlich herstellen. England produziert somit 2200 Rollen Tuch, 200 mehr als beide Länder zuvor zusammen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-detail-header-ad hcf-content&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		Indem sich jedes Land auf das Gut spezialisiert, das es relativ zu anderen Gütern im eigenen Land kostengünstiger herstellen kann, lenkt es seine Arbeitskräfte in die produktivste Verwendung. Der Handel mit dem anderen Land sichert dann die Versorgung mit dem selbst nicht mehr produzierten Gut. Auf diese Weise können auch Länder an der internationalen Arbeitsteilung teilnehmen, die in der Produktion aller Güter absolute Kostennachteile gegenüber anderen Ländern haben. Handel ist kein Nullsummenspiel, bei dem die einen gewinnen, was die anderen verlieren – sondern schafft eine Win-win-Situation. Allerdings setzt das voraus, dass Arbeitskräfte, die in der Branche mit komparativen Nachteilen entlassen werden, sofort einen Job in dem Sektor mit komparativen Vorteilen finden und dort ebenso produktiv sind wie die vorhandenen Arbeiter.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-media-wrapper&quot;&gt;
	&lt;div title=&quot;Bild vergrößern&quot;&gt;
		&lt;img alt=&quot;Schuldenuhr Quelle: dapd&quot; border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.wiwo.de/images/schuldenuhr/5908974/3-format23.jpg&quot; title=&quot;Schuldenuhr Quelle: dapd&quot; /&gt;&lt;/div&gt;
	&lt;div class=&quot;hcf-caption&quot;&gt;
		&lt;span&gt;Für Ricardo „eine der schrecklichsten Geißeln, die jemals zur Plage einer Nation erfunden wurden“: Die Staatsverschuldung. &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;hcf-copyright&quot;&gt;Quelle:&amp;nbsp;dapd&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Neben dem Handel lässt sich Ricardos Theorie auf alle Formen der Arbeitsteilung im sozialen und wirtschaftlichen Gefüge der Gesellschaft anwenden. So wäre es beispielsweise unsinnig, wenn ein hochbezahlter Manager, der sowohl schneller schreiben als auch rechnen kann als seine Sekretärin, diese nach Hause schickt und beide Arbeiten selbst erledigt. Sinnvoller ist es, er konzentriert sich auf diejenige Arbeit, bei der sein komparativer Vorteil am größten ist, etwa das Rechnen, und überlässt seiner Sekretärin das Schreiben von Briefen. Am Ende des Arbeitstages haben beide zusammen mehr erledigt, als wenn der Chef alles allein gemacht hätte.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-smartbox hcf-inline-left hcf-quote&quot;&gt;
	&lt;span class=&quot;hcf-quotation&quot;&gt;»Gold und Silber besitzen einen inneren Wert, der nicht will- kürlich ist. «- Ricardo &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Ricardo war nicht nur ein Verfechter freier Märkte, er war auch ein Gegner staatlicher Schulden, in denen er „eine der schrecklichsten Geißeln, die jemals zur Plage einer Nation erfunden wurden“, sah. Daher forderte er, den durch die Kriege angehäuften Schuldenberg Englands durch eine einmalige Vermögensabgabe rasch zu tilgen. Die Steuer würde das Vermögen der Bürger nicht verringern, da diese ohnehin in Zukunft höhere Steuern an den Staat entrichten müssten, um dessen Schuldendienst zu finanzieren. Die einmalige Abgabe entspräche dem Barwert der in Zukunft auf die Bürger ohnehin zukommenden Last. Der Gedanke, dass die „Defizite von heute die Steuern von morgen sind“, ist als Äquivalenztheorem in die wirtschaftswissenschaftliche Literatur eingegangen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Der US-Ökonom Robert Barro griff diesen Gedanken 1974 wieder auf und entwickelte daraus die Barro-Ricardo-Äquivalenzproposition. Der Grundgedanke: Bei rationaler Erwartungsbildung erkennen die Bürger, dass eine schuldenfinanzierte Steuersenkung zu höheren Steuern in der Zukunft führt und ihr Lebenseinkommen nicht steigert. Da der Konsum vom Lebenseinkommen bestimmt wird, halten sie ihre Ausgaben konstant und stecken das zusätzliche Einkommen in die Ersparnisse. Kreditfinanzierte Steuersenkungen laufen daher konjunkturell ins Leere. Analog gilt für kreditfinanzierte Ausgabenprogramme des Staates, dass die Bürger daraufhin für die Zukunft steigende Steuern erwarten. Das schmälert ihr Lebenseinkommen und verringert so den aktuellen Konsum. Die nachfrageanregende Wirkung zusätzlicher Staatsausgaben wird konterkariert. Ricardianisch argumentierende Ökonomen stehen daher auf Kriegsfuß mit den Lehren des britischen Ökonomen John Maynard Keynes, der Schulden als Instrument zur Glättung von Konjunkturzyklen ansah.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;hcf-detail-header-ad hcf-content&quot;&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;
	&lt;p&gt;
		David Ricardo starb am 11. September 1823 im Alter von 51 Jahren an den Folgen einer Mittelohrentzündung. Mit ihm endete das Zeitalter der klassischen Nationalökonomie.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		Quelle: Wiwo 4.12.2011 - &lt;span class=&quot;hcf-author&quot;&gt;von &lt;a&gt;Malte Fischer&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/david-ricardo-der-freihaendler/5886714.html&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;
		&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
	&lt;h4&gt;
		weitere Literatur von und über David Ricardo&lt;/h4&gt;
	&lt;h4&gt;
		&lt;a&gt;On the Principles of Political Economy and Taxation&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;
	&lt;h4&gt;
		&lt;a&gt;Piero Sraffa: The Works and the Correspondence of David Ricardo&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;
	&lt;h4&gt;
		&lt;a&gt;Paul-Heinz Kösters: Ökonomen verändern die Welt&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;</content>
		<category term="Geschichte der VWL" />
	</entry>
	<entry>
		<title>Friedman, Milton</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/80-friedman-milton"/>
		<published>2012-07-30T19:14:57+00:00</published>
		<updated>2012-07-30T19:14:57+00:00</updated>
		<id>http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/80-friedman-milton</id>
		<author>
			<name>Dombergen</name>
			<email>dombergen@gmx.de</email>
		</author>
		<summary type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;p&gt;
	&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;&lt;strong&gt;Radikale Idee&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
	Milton Friedman: &quot;Capitalism and Freedom&quot;&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;text&quot;&gt;
	&lt;br /&gt;
	Das Glaubensbekenntnis steht bereits im Einführungskapitel. &quot;Wirtschaftliche Freiheit&quot;, schreibt der amerikanische Ökonom Milton Friedman in seinem Buch &lt;em&gt;Capitalism and Freedom&lt;/em&gt;, sei &quot;eine notwendige Voraussetzung für politische Freiheit&quot;. Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum seien in den vergangenen Jahrzehnten zum wichtigsten Vorwand geworden, um den Umfang staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft auszuweiten. Doch diese Argumente seien irreführend. Laut Friedman ist es gerade meist das Missmanagement des Staates, das die Arbeitslosigkeit verursacht.&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;text&quot;&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;img alt=&quot;milton-friedman.jpg&quot; src=&quot;../cmsl/gfx/milton-friedman.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 200px; height: 252px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;em&gt;Capitalism and Freedom,&lt;/em&gt; 1962 veröffentlicht, ist das populärste Buch des 1912 geborenen Wissenschaftlers. Auf 202 Seiten plädiert Friedman in leicht verständlichen, teils bissigen Sätzen dafür, dass sich der Staat aus dem Wirtschaftsgeschehen heraushalten und so wenig wie möglich regulieren solle. Wie in seinen anderen Werken will Friedman in &lt;em&gt;Capitalism and Freedom&lt;/em&gt; die Überlegenheit freier Märkte beweisen. Freiheit - nach seinen Worten eine &quot;seltene und empfindliche Pflanze&quot; - hat für ihn höchste Priorität.&lt;br /&gt;
	Dass Friedman zum &quot;vielleicht einflussreichsten Ökonomen&quot; in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde, wie sein Kritiker John Kenneth Galbraith meint, verdankt er seinen einflussreichen Anhängern in der Politik. Der amerikanische Präsident Ronald Reagan bemühte sich ebenso wie die britische Premierministerin Margaret Thatcher, die Ideen Friedmans in praktische Politik umzusetzen. Zudem orientierten sich Notenbanken in aller Welt an den Rezepten des US-Ökonomen, der lange Zeit an der Universität von Chicago lehrte und dessen Schüler seither als Chicago-Boys bekannt sind. Der Hauptgegner für Friedman ist John Maynard Keynes, der mit seiner Theorie die Ökonomie revolutionierte und zur Bekämpfung von Wirtschaftskrisen eine expansive Fiskal- und Geldpolitik forderte (siehe &lt;em&gt;J.M. Keynes&lt;/em&gt;). In dem von ihm verfochtenen Monetarismus sieht Friedman die &quot;Konterrevolution&quot;. In &lt;em&gt;Capitalism and Freedom&lt;/em&gt; verurteilt der Amerikaner ein weiteres Mal den &quot;plumpen Keynesianismus&quot; und versucht nachzuweisen, dass zusätzliche öffentliche Ausgaben, für die sich der Staat verschuldet, weitgehend wirkungslos verpuffen.&lt;br /&gt;
	Friedman selbst ist überzeugt, dass die Regierung ihre Ausgaben nicht erhöhen solle, um die Wirtschaft anzukurbeln. Denn nur indem die Geldmenge erhöht werde, und zwar stetig und ohne Ausschläge, sei Wirtschaftswachstum zu erzielen. Deshalb plädiert er in seinem Buch für eine gesetzliche Regel, mit der die Währungsbehörden verpflichtet werden, die Geldmenge jährlich um einen festen Prozentsatz auszuweiten. Die Zuwachsrate solle zwischen drei und fünf Prozent fixiert werden.&lt;br /&gt;
	Rigoros ist auch sein Vorschlag zur Lösung der Zahlungsbilanzprobleme der Vereinigten Staaten: Er rät - ein Jahrzehnt vor dem Zusammenbruch des Weltwährungssystems mit festen Wechselkursen - zu völlig frei schwankenden Wechselkursen bei privaten Transaktionen, und zwar ohne jede Intervention auf den Devisenmärkten. Damit könnten die Marktkräfte, schreibt er, &quot;prompt, effizient und automatisch&quot; auf Veränderungen im internationalen Handel reagieren.&lt;br /&gt;
	Wenn es gegen den verschwenderischen Staat geht, wird Friedman radikal. Staatliche Interventionen seien unnötig, ja meist sogar schädlich. Und so schreibt er in &lt;em&gt;Capitalism and Freedom&lt;/em&gt;: &quot;Was wir dringend brauchen, um ökonomische Stabilität und Wirtschaftswachstum zu erreichen, ist eine Rückführung des staatlichen Einflusses.&quot; Eine Regierung sei in einer freien Marktwirtschaft nur notwendig, um Spielregeln festzulegen und dafür zu sorgen, dass sie eingehalten werden.&lt;br /&gt;
	Folgerichtig fordert der Nobelpreisträger von 1976 eine umfassende Deregulierung. In seinem Buch hat er konkret 14 Punkte aufgelistet: von der Beseitigung der Subventionen für Landwirtschaft und Wohnungsbau über den Abbau von Im- und Exportrestriktionen und das Streichen gesetzlicher Vorschriften über Mindestlöhne bis zum Verzicht der öffentlichen Kontrollen über Radio- und Fernsehprogramme. Die Rentenversicherung will er ebenso privatisieren wie staatliche Hochschulen. Zudem sollen sämtliche staatlichen Lizenzen oder Genehmigungen, die Bürger oder Unternehmen benötigen, um ihren Beruf oder ihr Geschäft ausüben zu können, ersatzlos entfallen.&lt;br /&gt;
	&lt;em&gt;&quot;Bei der Umverteilung der Einkommen hat der Staat mit seinen Maßnahmen mehr Schaden angerichtet als er mit anderen beheben kann&quot;&lt;/em&gt; Besonders Wohlfahrtssysteme sind ihm ein Graus, ein Betrug an allen Leuten, die noch arbeiten und Steuern zahlen. Gerade bei Sozialausgaben neigt der Staat seiner Meinung nach immer zur Verschwendung. Allerdings entwickelt Friedman zugleich den &quot;radikalsten sozialpolitischen Vorschlag der Nachkriegsjahre&quot; (Galbraith): die negative Einkommensteuer zugunsten der untersten Einkommensschichten. Nach Friedmans Konzept soll die Einkommensteuer bei niedrigen Einkommen nicht nur auf null sinken. Verdient der Bürger weniger als das Existenzminimum, bekommt er vom Finanzamt Geld ausgezahlt. &quot;Der Vorteil dieser Regelung ist klar&quot;, schreibt Friedman, die negative Einkommensteuer ziele direkt auf das Problem der Armut. Und auch dabei bleibt er der liberalen Linie treu, denn die Armen sollen die Hilfe &quot;in der nützlichsten Form, nämlich in bar&quot;, erhalten, also zur freien Verfügung.&lt;br /&gt;
	&lt;em&gt;&quot;Der Handlungsraum der Regierung muß begrenzt werden. Ihre Hauptaufgabe muß sein, unsere Freiheit zu beschützen, Ordnung zu gewährleisten, private Verträge durchzusetzen und wettbewerbsfähige Märkte zu fördern&quot;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
	Auch für die Besserverdienenden schlägt er eine einschneidende Steuerreform vor, und zwar noch radikaler, als sie später von Reagan mit seinem Dreistufentarif umgesetzt wurde. Die progressive Einkommensteuer sei wegen der vielen Schlupflöcher nur noch Fassade. Eine Einheitssteuer von 23,5 Prozent bringe dem Staat genauso viel Geld wie die Steuer mit einem progressiven Tarif (der damals in den Vereinigten Staaten von 20 bis 91 Prozent reichte). Die Einkommensteuer, die ursprünglich dafür gedacht war, Ungleichheit abzubauen und Wohlstand umzuverteilen, begünstige das Wachstum großer Unternehmen, sei ein Hemmnis für den Kapitalmarkt und entmutige Existenzgründer.&lt;br /&gt;
	Die Körperschaftsteuer, die von Kapitalgesellschaften zu zahlen ist, will der Ökonom ganz abschaffen. Stattdessen sollen die Unternehmen ihre Gewinne an die Eigentümer ausschütten, die sie ihrerseits zusammen mit dem persönlichen Einkommen zu versteuern hätten. Und Friedman will Ausnahmen abbauen, so die Steuerbefreiung von Zinsen auf bundesstaatliche und kommunale Schuldverschreibungen oder die Sonderbehandlung von Wertpapiergewinnen.&lt;br /&gt;
	Mit seinen radikalen Ansichten hat der Professor mächtige Anhänger gewonnen, sich aber auch viele Feinde geschaffen. &quot;Die Götter haben ihn mit allem Erdenklichen bedacht&quot;, urteilte einmal der Ökonom Paul A. Samuelson,&amp;nbsp; ebenso Nobelpreisträger&amp;nbsp; &lt;a href=&quot;http://www-news.uchicago.edu/resources/nobel/economics.html&quot;&gt;von der renomierten Universität Chicago&lt;/a&gt; wie Friedman, aber einer seiner wichtigsten Widersacher, &quot;nur nicht mit der Gabe des Vielleicht.&quot;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;Milton Friedman:&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Capitalism and Freedom The University of Chicago Press, Chicago/London; Neuauflage 1982&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
	Quelle: (c) DIE ZEIT 1999 Text von Isabelle Körner / leicht modifiziert von Dombergen&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</summary>
		<content type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;p&gt;
	&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;&lt;strong&gt;Radikale Idee&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
	Milton Friedman: &quot;Capitalism and Freedom&quot;&lt;/p&gt;
&lt;div class=&quot;text&quot;&gt;
	&lt;br /&gt;
	Das Glaubensbekenntnis steht bereits im Einführungskapitel. &quot;Wirtschaftliche Freiheit&quot;, schreibt der amerikanische Ökonom Milton Friedman in seinem Buch &lt;em&gt;Capitalism and Freedom&lt;/em&gt;, sei &quot;eine notwendige Voraussetzung für politische Freiheit&quot;. Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum seien in den vergangenen Jahrzehnten zum wichtigsten Vorwand geworden, um den Umfang staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft auszuweiten. Doch diese Argumente seien irreführend. Laut Friedman ist es gerade meist das Missmanagement des Staates, das die Arbeitslosigkeit verursacht.&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;text&quot;&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;img alt=&quot;milton-friedman.jpg&quot; src=&quot;../cmsl/gfx/milton-friedman.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 200px; height: 252px; margin: 10px;&quot; /&gt;&lt;em&gt;Capitalism and Freedom,&lt;/em&gt; 1962 veröffentlicht, ist das populärste Buch des 1912 geborenen Wissenschaftlers. Auf 202 Seiten plädiert Friedman in leicht verständlichen, teils bissigen Sätzen dafür, dass sich der Staat aus dem Wirtschaftsgeschehen heraushalten und so wenig wie möglich regulieren solle. Wie in seinen anderen Werken will Friedman in &lt;em&gt;Capitalism and Freedom&lt;/em&gt; die Überlegenheit freier Märkte beweisen. Freiheit - nach seinen Worten eine &quot;seltene und empfindliche Pflanze&quot; - hat für ihn höchste Priorität.&lt;br /&gt;
	Dass Friedman zum &quot;vielleicht einflussreichsten Ökonomen&quot; in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde, wie sein Kritiker John Kenneth Galbraith meint, verdankt er seinen einflussreichen Anhängern in der Politik. Der amerikanische Präsident Ronald Reagan bemühte sich ebenso wie die britische Premierministerin Margaret Thatcher, die Ideen Friedmans in praktische Politik umzusetzen. Zudem orientierten sich Notenbanken in aller Welt an den Rezepten des US-Ökonomen, der lange Zeit an der Universität von Chicago lehrte und dessen Schüler seither als Chicago-Boys bekannt sind. Der Hauptgegner für Friedman ist John Maynard Keynes, der mit seiner Theorie die Ökonomie revolutionierte und zur Bekämpfung von Wirtschaftskrisen eine expansive Fiskal- und Geldpolitik forderte (siehe &lt;em&gt;J.M. Keynes&lt;/em&gt;). In dem von ihm verfochtenen Monetarismus sieht Friedman die &quot;Konterrevolution&quot;. In &lt;em&gt;Capitalism and Freedom&lt;/em&gt; verurteilt der Amerikaner ein weiteres Mal den &quot;plumpen Keynesianismus&quot; und versucht nachzuweisen, dass zusätzliche öffentliche Ausgaben, für die sich der Staat verschuldet, weitgehend wirkungslos verpuffen.&lt;br /&gt;
	Friedman selbst ist überzeugt, dass die Regierung ihre Ausgaben nicht erhöhen solle, um die Wirtschaft anzukurbeln. Denn nur indem die Geldmenge erhöht werde, und zwar stetig und ohne Ausschläge, sei Wirtschaftswachstum zu erzielen. Deshalb plädiert er in seinem Buch für eine gesetzliche Regel, mit der die Währungsbehörden verpflichtet werden, die Geldmenge jährlich um einen festen Prozentsatz auszuweiten. Die Zuwachsrate solle zwischen drei und fünf Prozent fixiert werden.&lt;br /&gt;
	Rigoros ist auch sein Vorschlag zur Lösung der Zahlungsbilanzprobleme der Vereinigten Staaten: Er rät - ein Jahrzehnt vor dem Zusammenbruch des Weltwährungssystems mit festen Wechselkursen - zu völlig frei schwankenden Wechselkursen bei privaten Transaktionen, und zwar ohne jede Intervention auf den Devisenmärkten. Damit könnten die Marktkräfte, schreibt er, &quot;prompt, effizient und automatisch&quot; auf Veränderungen im internationalen Handel reagieren.&lt;br /&gt;
	Wenn es gegen den verschwenderischen Staat geht, wird Friedman radikal. Staatliche Interventionen seien unnötig, ja meist sogar schädlich. Und so schreibt er in &lt;em&gt;Capitalism and Freedom&lt;/em&gt;: &quot;Was wir dringend brauchen, um ökonomische Stabilität und Wirtschaftswachstum zu erreichen, ist eine Rückführung des staatlichen Einflusses.&quot; Eine Regierung sei in einer freien Marktwirtschaft nur notwendig, um Spielregeln festzulegen und dafür zu sorgen, dass sie eingehalten werden.&lt;br /&gt;
	Folgerichtig fordert der Nobelpreisträger von 1976 eine umfassende Deregulierung. In seinem Buch hat er konkret 14 Punkte aufgelistet: von der Beseitigung der Subventionen für Landwirtschaft und Wohnungsbau über den Abbau von Im- und Exportrestriktionen und das Streichen gesetzlicher Vorschriften über Mindestlöhne bis zum Verzicht der öffentlichen Kontrollen über Radio- und Fernsehprogramme. Die Rentenversicherung will er ebenso privatisieren wie staatliche Hochschulen. Zudem sollen sämtliche staatlichen Lizenzen oder Genehmigungen, die Bürger oder Unternehmen benötigen, um ihren Beruf oder ihr Geschäft ausüben zu können, ersatzlos entfallen.&lt;br /&gt;
	&lt;em&gt;&quot;Bei der Umverteilung der Einkommen hat der Staat mit seinen Maßnahmen mehr Schaden angerichtet als er mit anderen beheben kann&quot;&lt;/em&gt; Besonders Wohlfahrtssysteme sind ihm ein Graus, ein Betrug an allen Leuten, die noch arbeiten und Steuern zahlen. Gerade bei Sozialausgaben neigt der Staat seiner Meinung nach immer zur Verschwendung. Allerdings entwickelt Friedman zugleich den &quot;radikalsten sozialpolitischen Vorschlag der Nachkriegsjahre&quot; (Galbraith): die negative Einkommensteuer zugunsten der untersten Einkommensschichten. Nach Friedmans Konzept soll die Einkommensteuer bei niedrigen Einkommen nicht nur auf null sinken. Verdient der Bürger weniger als das Existenzminimum, bekommt er vom Finanzamt Geld ausgezahlt. &quot;Der Vorteil dieser Regelung ist klar&quot;, schreibt Friedman, die negative Einkommensteuer ziele direkt auf das Problem der Armut. Und auch dabei bleibt er der liberalen Linie treu, denn die Armen sollen die Hilfe &quot;in der nützlichsten Form, nämlich in bar&quot;, erhalten, also zur freien Verfügung.&lt;br /&gt;
	&lt;em&gt;&quot;Der Handlungsraum der Regierung muß begrenzt werden. Ihre Hauptaufgabe muß sein, unsere Freiheit zu beschützen, Ordnung zu gewährleisten, private Verträge durchzusetzen und wettbewerbsfähige Märkte zu fördern&quot;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
	Auch für die Besserverdienenden schlägt er eine einschneidende Steuerreform vor, und zwar noch radikaler, als sie später von Reagan mit seinem Dreistufentarif umgesetzt wurde. Die progressive Einkommensteuer sei wegen der vielen Schlupflöcher nur noch Fassade. Eine Einheitssteuer von 23,5 Prozent bringe dem Staat genauso viel Geld wie die Steuer mit einem progressiven Tarif (der damals in den Vereinigten Staaten von 20 bis 91 Prozent reichte). Die Einkommensteuer, die ursprünglich dafür gedacht war, Ungleichheit abzubauen und Wohlstand umzuverteilen, begünstige das Wachstum großer Unternehmen, sei ein Hemmnis für den Kapitalmarkt und entmutige Existenzgründer.&lt;br /&gt;
	Die Körperschaftsteuer, die von Kapitalgesellschaften zu zahlen ist, will der Ökonom ganz abschaffen. Stattdessen sollen die Unternehmen ihre Gewinne an die Eigentümer ausschütten, die sie ihrerseits zusammen mit dem persönlichen Einkommen zu versteuern hätten. Und Friedman will Ausnahmen abbauen, so die Steuerbefreiung von Zinsen auf bundesstaatliche und kommunale Schuldverschreibungen oder die Sonderbehandlung von Wertpapiergewinnen.&lt;br /&gt;
	Mit seinen radikalen Ansichten hat der Professor mächtige Anhänger gewonnen, sich aber auch viele Feinde geschaffen. &quot;Die Götter haben ihn mit allem Erdenklichen bedacht&quot;, urteilte einmal der Ökonom Paul A. Samuelson,&amp;nbsp; ebenso Nobelpreisträger&amp;nbsp; &lt;a href=&quot;http://www-news.uchicago.edu/resources/nobel/economics.html&quot;&gt;von der renomierten Universität Chicago&lt;/a&gt; wie Friedman, aber einer seiner wichtigsten Widersacher, &quot;nur nicht mit der Gabe des Vielleicht.&quot;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;Milton Friedman:&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Capitalism and Freedom The University of Chicago Press, Chicago/London; Neuauflage 1982&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
	Quelle: (c) DIE ZEIT 1999 Text von Isabelle Körner / leicht modifiziert von Dombergen&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</content>
		<category term="Geschichte der VWL" />
	</entry>
	<entry>
		<title>Say; Jean-Baptiste</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/89-say-jean-baptiste"/>
		<published>2012-07-30T19:33:55+00:00</published>
		<updated>2012-07-30T19:33:55+00:00</updated>
		<id>http://www.dombergen.de/vwl/84-geschichte-der-vwl/89-say-jean-baptiste</id>
		<author>
			<name>Dombergen</name>
			<email>dombergen@gmx.de</email>
		</author>
		<summary type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;h2&gt;
	Immer alles im Lot&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;
	Jean-Baptiste Say: Traité d'Économie Politique&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Die Erleuchtung kam Jean-Baptiste Say, als er halb im Dunkeln saß. Der junge Franzose hatte sich auf einer Reise durch England in einer Pension in Croydon eingemietet. Eines Morgens schickte der Wirt zwei Handwerker, die kurzerhand eines der beiden Fenster im Gästezimmer zumauerten. Der schlaue Hausherr wollte die Fenster- und Türensteuer sparen, die das Parlament gerade verabschiedet hatte. Say erkannte, daß derartige Steuern niemandem nutzten. Im Gegenteil: Exzessive Abgaben, behauptete er fortan, seien höchst schädlich und drückten letztlich sogar die Gesamteinnahmen des Staates.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	In seinem Werk &lt;em&gt;Traité d'Économie Politique,&lt;/em&gt; der Abhandlung über die Nationalökonomie, hat Jean-Baptiste Say (1767 bis 1832) Jahre später den Gedanken präzisiert. Er beschrieb die Folgen einer falschen Steuerpolitik: Wer zu hoch belastet werde, könne weniger Geld ausgeben. Sinke die Nachfrage, sinke auch die Produktion - und das lasse die Steuereinnahmen der Regierung schrumpfen. Umgekehrt heißt das: Senkt der Staat den Steuersatz, steigen Produktionsvolumen und Steuereinnahmen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;img alt=&quot;jbsay.jpg&quot; src=&quot;http://bsravensberg.lernnetz.de/gfx/jbsay.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 251px; height: 320px; margin: 10px;&quot; /&gt;Heutzutage würde der Franzose damit als Verfechter einer &lt;strong&gt;angebotsorientierten &lt;/strong&gt;Wirtschaftspolitik gelten. Die Bedeutung des erstmals 1803 erschienenen &lt;em&gt;Traité&lt;/em&gt; liegt jedoch vor allem in Says Beobachtungen zum gesamtwirtschaftlichen Angebot. Jedes Angebot, behauptete der damals 36jährige, schafft sich seine eigene Nachfrage - daß dauerhaft zuviel Güter produziert werden, ist also unmöglich. Das ist das &quot;Saysche Theorem&quot;. Für den Arbeitsmarkt hieße das: Eine dauerhafte Arbeitslosigkeit, zum Beispiel als Resultat von Überkapazitäten, könne es nicht geben. Denn wenn die Waren - wie Say unterstellt - allesamt verkauft würden, wäre die Produktion ausgelastet oder würde weiterwachsen. Die Annahmen, unter denen Say sein Theorem entwickelte, entsprachen im wesentlichen den Vorstellungen von Adam Smith: Geld war in der Welt der klassischen Nationalökonomen nur ein Mittel zum Zweck. Wer etwas einnahm, verwendete das Einkommen zum Kauf anderer Produkte; wer sparte, investierte das Gesparte selbst oder gab es anderen zum Investieren. Geld nur zu horten war nicht sinnvoll - nach Auffassung der Klassiker versprach das keinen Zinsgewinn. In seinem &lt;em&gt;Traité&lt;/em&gt; zog Say daraus die Schlußfolgerung: Wer etwas produziert, verwendet das Einkommen aus dem Verkauf wieder für den Kauf von Gütern. Angebot und Nachfrage stehen damit in engem Zusammenhang - je größer die Produktion und damit das Angebot an Waren, um so größer ist auch das Einkommen der Produzenten. Wenn rein rechnerisch aber ein steigendes Angebot die entsprechende Nachfrage nach sich zieht, entsteht ein allgemeines Gleichgewicht. Die Konsequenz: Wirtschaftskrisen durch Überproduktion sind nicht möglich. Zwar räumte Say ein, daß es kurzfristig auch zu einer Marktsättigung und damit zu Arbeitslosigkeit kommen könnte - etwa durch geänderte Präferenzen der Käufer. Sofern der Staat der Wirtschaft keine Fesseln anlege, strebe der Markt aber wieder ins Gleichgewicht, weil sich die Produzenten langfristig den Wünschen der Konsumenten anpaßten. &quot;Says Auffassung vom wirtschaftlichen Gleichgewicht&quot;, schrieb der Wissenschaftler Horst Claus Recktenwald, &quot;verlangt die totale Freiheit in allen Bereichen der Wirtschaft.&quot;&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	Steuern zum Beispiel waren für Say nur künstliche Hindernisse, die den effizienten Einsatz des Einkommens - den &quot;reproduktiven Konsum&quot; - verhinderten. Der gelernte Kaufmann und spätere Professor für Politische Ökonomie stand dem Staat grundsätzlich skeptisch gegenüber. Eingriffe der Regierung ins Marktgeschehen, etwa durch Einfuhrhemmnisse, lehnte er ab. Der Staat sollte auch nicht als Produzent auftreten, sondern sich auf die Erzeugung öffentlicher Güter - wie den Bau von Straßen - beschränken.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	So viel Liberalismus mußte im Frankreich Napoleons zwangsläufig auf Widerstand stoßen. Der Druck der zweiten Auflage des &lt;em&gt;Traité&lt;/em&gt; wurde verhindert, und Say verlor sein Amt als Tribun im Ausschuß für Finanzen. Erst 1814 - nach der Abdankung Napoleons - erschien die zweite Auflage des &lt;em&gt;Traité.&lt;/em&gt; Schon kurz nach Veröffentlichung des &lt;em&gt;Traité&lt;/em&gt; hatten sich erste Zweifler zu Wort gemeldet, und Say hat seine Argumentation daher auch in fünf weiteren Auflagen verfeinert oder ergänzt. Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch - im Zeitalter von Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit - wurden die Defizite seiner Theorie offenbar: Tatsächlich kann zwischen der Entstehung von Einkommen und dessen Verwendung, anders als die Klassiker annahmen, geraume Zeit vergehen. Und Geld spielt in einer Volkswirtschaft eine viel komplexere Rolle, als Say erkannte. Mit diesen Erkenntnissen aber sollte ein anderer Ökonom das Saysche Theorem später praktisch auf den Kopf stellen. Sein Name: &lt;a href=&quot;../cmsl/content/keynes.php?group=7&amp;amp;ugroup=71&quot;&gt;John Maynard Keynes&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;Jean-Baptiste Say:&lt;/strong&gt; Traité d'Économie Politique (Abhandlung über die Nationalökonomie); Nachdruck der 6. Auflage von 1841; Zeller-Verlag, Osnabrück 1966&lt;br /&gt;
	Marcus Brost (c) DIE ZEIT 1999&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;</summary>
		<content type="html">&lt;div class=&quot;feed-description&quot;&gt;&lt;h2&gt;
	Immer alles im Lot&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;
	Jean-Baptiste Say: Traité d'Économie Politique&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	Die Erleuchtung kam Jean-Baptiste Say, als er halb im Dunkeln saß. Der junge Franzose hatte sich auf einer Reise durch England in einer Pension in Croydon eingemietet. Eines Morgens schickte der Wirt zwei Handwerker, die kurzerhand eines der beiden Fenster im Gästezimmer zumauerten. Der schlaue Hausherr wollte die Fenster- und Türensteuer sparen, die das Parlament gerade verabschiedet hatte. Say erkannte, daß derartige Steuern niemandem nutzten. Im Gegenteil: Exzessive Abgaben, behauptete er fortan, seien höchst schädlich und drückten letztlich sogar die Gesamteinnahmen des Staates.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	In seinem Werk &lt;em&gt;Traité d'Économie Politique,&lt;/em&gt; der Abhandlung über die Nationalökonomie, hat Jean-Baptiste Say (1767 bis 1832) Jahre später den Gedanken präzisiert. Er beschrieb die Folgen einer falschen Steuerpolitik: Wer zu hoch belastet werde, könne weniger Geld ausgeben. Sinke die Nachfrage, sinke auch die Produktion - und das lasse die Steuereinnahmen der Regierung schrumpfen. Umgekehrt heißt das: Senkt der Staat den Steuersatz, steigen Produktionsvolumen und Steuereinnahmen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;img alt=&quot;jbsay.jpg&quot; src=&quot;http://bsravensberg.lernnetz.de/gfx/jbsay.jpg&quot; style=&quot;border-width: 0px; border-style: solid; float: left; width: 251px; height: 320px; margin: 10px;&quot; /&gt;Heutzutage würde der Franzose damit als Verfechter einer &lt;strong&gt;angebotsorientierten &lt;/strong&gt;Wirtschaftspolitik gelten. Die Bedeutung des erstmals 1803 erschienenen &lt;em&gt;Traité&lt;/em&gt; liegt jedoch vor allem in Says Beobachtungen zum gesamtwirtschaftlichen Angebot. Jedes Angebot, behauptete der damals 36jährige, schafft sich seine eigene Nachfrage - daß dauerhaft zuviel Güter produziert werden, ist also unmöglich. Das ist das &quot;Saysche Theorem&quot;. Für den Arbeitsmarkt hieße das: Eine dauerhafte Arbeitslosigkeit, zum Beispiel als Resultat von Überkapazitäten, könne es nicht geben. Denn wenn die Waren - wie Say unterstellt - allesamt verkauft würden, wäre die Produktion ausgelastet oder würde weiterwachsen. Die Annahmen, unter denen Say sein Theorem entwickelte, entsprachen im wesentlichen den Vorstellungen von Adam Smith: Geld war in der Welt der klassischen Nationalökonomen nur ein Mittel zum Zweck. Wer etwas einnahm, verwendete das Einkommen zum Kauf anderer Produkte; wer sparte, investierte das Gesparte selbst oder gab es anderen zum Investieren. Geld nur zu horten war nicht sinnvoll - nach Auffassung der Klassiker versprach das keinen Zinsgewinn. In seinem &lt;em&gt;Traité&lt;/em&gt; zog Say daraus die Schlußfolgerung: Wer etwas produziert, verwendet das Einkommen aus dem Verkauf wieder für den Kauf von Gütern. Angebot und Nachfrage stehen damit in engem Zusammenhang - je größer die Produktion und damit das Angebot an Waren, um so größer ist auch das Einkommen der Produzenten. Wenn rein rechnerisch aber ein steigendes Angebot die entsprechende Nachfrage nach sich zieht, entsteht ein allgemeines Gleichgewicht. Die Konsequenz: Wirtschaftskrisen durch Überproduktion sind nicht möglich. Zwar räumte Say ein, daß es kurzfristig auch zu einer Marktsättigung und damit zu Arbeitslosigkeit kommen könnte - etwa durch geänderte Präferenzen der Käufer. Sofern der Staat der Wirtschaft keine Fesseln anlege, strebe der Markt aber wieder ins Gleichgewicht, weil sich die Produzenten langfristig den Wünschen der Konsumenten anpaßten. &quot;Says Auffassung vom wirtschaftlichen Gleichgewicht&quot;, schrieb der Wissenschaftler Horst Claus Recktenwald, &quot;verlangt die totale Freiheit in allen Bereichen der Wirtschaft.&quot;&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	Steuern zum Beispiel waren für Say nur künstliche Hindernisse, die den effizienten Einsatz des Einkommens - den &quot;reproduktiven Konsum&quot; - verhinderten. Der gelernte Kaufmann und spätere Professor für Politische Ökonomie stand dem Staat grundsätzlich skeptisch gegenüber. Eingriffe der Regierung ins Marktgeschehen, etwa durch Einfuhrhemmnisse, lehnte er ab. Der Staat sollte auch nicht als Produzent auftreten, sondern sich auf die Erzeugung öffentlicher Güter - wie den Bau von Straßen - beschränken.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
	So viel Liberalismus mußte im Frankreich Napoleons zwangsläufig auf Widerstand stoßen. Der Druck der zweiten Auflage des &lt;em&gt;Traité&lt;/em&gt; wurde verhindert, und Say verlor sein Amt als Tribun im Ausschuß für Finanzen. Erst 1814 - nach der Abdankung Napoleons - erschien die zweite Auflage des &lt;em&gt;Traité.&lt;/em&gt; Schon kurz nach Veröffentlichung des &lt;em&gt;Traité&lt;/em&gt; hatten sich erste Zweifler zu Wort gemeldet, und Say hat seine Argumentation daher auch in fünf weiteren Auflagen verfeinert oder ergänzt. Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch - im Zeitalter von Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit - wurden die Defizite seiner Theorie offenbar: Tatsächlich kann zwischen der Entstehung von Einkommen und dessen Verwendung, anders als die Klassiker annahmen, geraume Zeit vergehen. Und Geld spielt in einer Volkswirtschaft eine viel komplexere Rolle, als Say erkannte. Mit diesen Erkenntnissen aber sollte ein anderer Ökonom das Saysche Theorem später praktisch auf den Kopf stellen. Sein Name: &lt;a href=&quot;../cmsl/content/keynes.php?group=7&amp;amp;ugroup=71&quot;&gt;John Maynard Keynes&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;br /&gt;
	&lt;strong&gt;Jean-Baptiste Say:&lt;/strong&gt; Traité d'Économie Politique (Abhandlung über die Nationalökonomie); Nachdruck der 6. Auflage von 1841; Zeller-Verlag, Osnabrück 1966&lt;br /&gt;
	Marcus Brost (c) DIE ZEIT 1999&lt;/p&gt;
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