<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<!-- generator="Joomla! - Open Source Content Management" -->
<rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom">
	<channel>
		<title>VWL</title>
		<description><![CDATA[Joomla! - the dynamic portal engine and content management system]]></description>
		<link>http://www.dombergen.de/vwl</link>
		<lastBuildDate>Mon, 10 Jul 2023 06:31:44 +0000</lastBuildDate>
		<generator>Joomla! - Open Source Content Management</generator>
		<atom:link rel="self" type="application/rss+xml" href="http://www.dombergen.de/vwl?format=feed&amp;type=rss"/>
		<language>de-de</language>
		<item>
			<title>Markt</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/147-markt</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/147-markt</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><h2>
	&nbsp;</h2>
<h2>
	Markt und Marktmechanismus</h2>
<p>
	Quelle http://www.wagner-berlin.de/am2.htm</p>
<hr color="#000080" size="1" />
<table border="0">
	<tbody>
		<tr>
			<td>
				&nbsp;</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				<p align="right">
					<em>Der Markt ist ein Auktionator.<br />
					Anbieter und Nachfrager tasten sich<br />
					an ein Gleichgewicht heran (Tâtonnement).<br />
					Leon Walras</em></p>
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Markt
				<p>
					Markträumung</p>
			</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Als<strong>Markt </strong>bezeichnet man dasZusammentreffen von Angebot und Nach­frage mit dem Ziel des Handels. Das bedeutet, dass sich Märkte zunächst durch die Übereinstimmung in dem Gut konstituieren, welches gehandelt werden soll. Dabei entwickeln sowohl Anbieter als auch Nachfrager vorab Preis- und Mengenvorstellungen von diesem Gut. Zusätzlich wollen sie durch den Handel ihre Zielvorstellungen (Angebot: Gewinnmaximierung u.a., Nachfrage Nutzenmaximierung u.a. – » Kapitel über <a href="http://www.wagner-berlin.de/am6.htm" target="____________">Angebot</a>und <a href="http://www.wagner-berlin.de/am5.htm" target="_____________">Nachfrage</a>) durchsetzen.<br />
				Der Informationsaustausch zwischen ihnen führt durch „Herantasten – frz. Tâtonnement“ zur Preisfindung und damit zum Handel zum Marktpreis sowie zum Ausschluss vom Markt für die Anbieter, deren Preisvorstellungen über dem Marktpreis liegen und für die Nachfrager, deren Preisvorstel­lungen unter dem Marktpreis liegen (zusammen: <strong>Markträumung)</strong>.</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Marktomodell</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Grundlage der mikroökonomischen Betrachtung ist eine abstrakte Vorstellung von einem idealtypischen Markt, ein <strong>Marktmodell,</strong> mit folgenden</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				<strong>Voraussetzungen</strong>
				<ul>
					<li>
						1 Gut = 1 Qualität (Homogenität der Güter) , d.h. bei einem Gut mit bei­spielsweise 3 Qualitätsgruppen spricht man von drei verschiedenen Märkten</li>
					<li>
						vollständige Konkurrenz</li>
					<li>
						vollständiger Informationsaustausch zwischen allen Teilnehmern (Markttransparenz)</li>
					<li>
						keine räumliche und zeitliche Ausdehnung, d.h. keine Transportaufwendungen (Punktmarkt)</li>
					<li>
						keine nicht modellierbaren individuellen Präferenzen (z.B. Freundlichkeit der Bedienung).</li>
				</ul>
				<p style="margin-left:14.15pt;">
					Unter der Annahme 1 Gut = 1 Qualität reduzieren sich die Vorstellungen der Marktteilnehmer auf Preis und Menge.</p>
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				<p align="right">
					Abb. 1-1:<br />
					Preis-Mengen-<br />
					Diagramm mit<br />
					Angebots- und Nachfrage-<br />
					reaktion</p>
			</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				<img alt="RW Abb. 2-1: Angebots- und Nachfragereaktionen" height="244" src="http://www.wagner-berlin.de/am021.jpg" width="315" /></td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Dies ermöglicht die Darstellung des idealtypischen Anbieter- und Nach­fragerverhaltens in einem <strong>Preis-Mengen-Diagramm</strong>. Anbieter und Nachfrager reagieren hier als <strong>Mengenanpasser</strong> an einen sich verändernden Marktpreis (X<sub>A;N</sub> = f(P)). Dabei werden die Nachfrager auf einen höheren Preis (P<sub>2</sub>) in der Regel mit einer Mengenreduzierung und die Anbieter mit einer Mengenausweitung reagieren. Umfang und Abweichungen dieser Reaktion untersucht das <a href="http://www.wagner-berlin.de/am4.htm" target="____">» Kapitel Marktverhalten.</a><br />
				<em>Anmerkung:<br />
				Das Marktmodell kehrt damit die gewohnte Zuordnung von Ursache und Wirkung bei Y = f(X) um!</em></td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Neben der Verwendung der Reaktionen ist auch eine Darstellung aller individuellen Marktteilnehmer möglich. So werden Anbieter und Nachfrager mit ihren Preis- und Mengenvorstellungen in das Preis-Mengen-Diagramm übernommen. Dabei werden zunächst die aus der Sicht des Marktes „Besten“, also die Anbieter mit den geringsten und die Nachfrager mit den höchsten Preisvorstellungen dargestellt.<br />
				&nbsp;</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Abb. 2-2:<br />
				individuelle<br />
				Anbieter und<br />
				Nachfrager</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				<img alt="RW Abb. 2-2: Anbieter- und Nachfragerverhalten" height="226" src="http://www.wagner-berlin.de/am022.jpg" width="306" />
				<p>
					Dabei ergibt sich aus der Aneinanderreihung der Anbieter- und Nachfragersäulen wiederum der idealtypische Verlauf der entsprechenden Funktionen. Beide Betrachtungen zusammen fließen in das Modell von Mark ein.</p>
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Abb. 2-3:<br />
				Marktmodell
				<p>
					Das Marktmodell<br />
					wurde von<br />
					Alfred Marshall (1842-1924)<br />
					und<br />
					Leon Walras (1834-1910)<br />
					entwicklet.</p>
				<p>
					<img height="11" src="http://www.wagner-berlin.de/artpod2.GIF" width="8" /> <a href="http://www.wagner-berlin.de/berufmikro2.pdf" target="berufmikro2.pdf">Übungsaufgabe Marktgleichgewicht</a></p>
				<p>
					Gleichgewicht<br />
					Marktpreis<br />
					Sättigungsmenge</p>
			</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				<img alt="RW Abb. 2-3: Marktmodell" height="219" src="http://www.wagner-berlin.de/am023.jpg" width="322" /><br />
				<br />
				Bei vollständiger Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage stellt sich das <strong>Gleichgewicht </strong>ein (Punkt E). Damit bilden sich <strong>Marktpreis</strong> P<sub>0</sub> und markträumende Menge M<sub>0</sub>. Ihr Produkt beschreibt den Umsatz. In diesem enthalten sind die Kosten der Unternehmen und deren Gewinn (PR). Bei der Menge X<sub>3 </sub>erreichen die Preisvorstellungen der Nachfrage den Wert 0. Das Gut müsste also verschenkt werden. Hier gilt der Markt als gesättigt. X<sub>3</sub> wird daher als <strong>Sättigungsmenge</strong> bezeichnet.</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				<p align="right">
					Prohibitivpreis Produzentenrente Konsumenten-rente Wohlfahrtseffekte</p>
			</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Allerdings werden alle Anbieter und Nachfrager rechts der markträumenden Menge ohnehin durch den Preis vom Handel ausgeschlossen und bilden damit nur einen potentiellen Teil des Modells. P<sub>2</sub> stellt mit dem günstigsten Anbieter die Preisuntergrenze des Angebots dar. P<sub>1</sub> hingegen ist so hoch, dass die nachgefragte Menge 0 wird. Diesen Preis zu verlangen verbietet sich für die Anbieter. Er wird daher als Verbots- bzw. <strong>Prohibitivpreis</strong> bezeichnet.<br />
				Die Abbildung 2-3 zeigt auch, dass zahlreiche Anbieter mit geringeren Preisvorstellungen auf den Markt kommen als der sich einstellende Marktpreis. Die Differenz zwischen beiden wird als <strong>Produzentenrente (PR) </strong>oder unverhoffter Gewinn bezeichnet.<br />
				Umgekehrt erzielt ein Nachfrager eine <strong>Konsumentenrente </strong>bzw. eine <em>unverhoffte Ersparnis</em> in dem Umfang, wie es ihm ge­lingt, ein Gut zu einem niedrigeren Preis zu kaufen als er ursprünglich zu zahlen bereit war.<br />
				Diese Renten werden als „Geschenke“ des Marktes auch als positive <strong>Wohlfahrtseffekte</strong> bezeichnet.<br />
				&nbsp;</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Marktdynamik</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Deren Kenntnis und das Streben danach verursachen bei Anbietern und Nachfragern Anpassungsreaktionen. So werden Anbieter, welche bereits Produzentenrenten erhalten, ihre Mengen ausdehnen, andere werden Kosten senken, um sie zu erhalten. Mit Innovationen werden alle versuchen, ihre Kosten weiter zu senken und die Renten zu erhöhen. Im Ergebnis dieser Anstrengungen werden sich die am Markt umgesetzten Mengen vergrößern und die Preise verringern, was mehr Nachfragern den Kauf ermöglicht.<br />
				Dadurch verbessert sich zudem die Effizienz der Gütererzeugung. Die Produzentenrente selbst wird jedoch pro Gütereinheit immer geringer. Diese Information ist für die Anbieter der Ausgangspunkt, nach neuen Märkten für neue Güter mit höheren Produzentenrenten zu suchen. Damit verändern sich Märkte aus sich selbst heraus. Dieser Prozess wird als <strong>Markdynamik</strong> bezeichnet.</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Allokation</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Unternehmen bzw. Branchen mit hoher (auch erwarteter) Produzentenrente ziehen zudem Kapital in Form von Investitionen an, welche wiederum mehr Beschäftigung ermöglichen. Diese Neukombination der Produktionsfaktoren wird als <strong>Faktorallokation</strong> bzw. hier als Marktallokation bezeichnet. Gesamtwirtschaftlich betrachtet vollzieht sich diese nach Regionen, durch Strukturwandel und innerhalb von Unternehmen.</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Marktfunktionen</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Insgesamt erfüllt der Markt damit zahlreiche positive Funktionen, u.a.:
				<ul>
					<li>
						Preisbildungsfunktion</li>
					<li>
						Markträumungsfunktion</li>
					<li>
						Verteilungsfunktion der Güter (vs. Rationierung im Extremfall)</li>
					<li>
						Allokationsfunktion der Produktionsfaktoren</li>
					<li>
						Anreizfunktion für Innovationen</li>
					<li>
						Effizienzfunktion</li>
				</ul>
			</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Marktversagen</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Dennoch <strong>versagt der Markt</strong> auf einigen Gebieten. Diese Felder sind im nachfolgenden <a href="http://www.wagner-berlin.de/am3.htm" target="______">» dritten Kapitel</a>beschrieben.<br />
				&nbsp;</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				exogene Schocks</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Zahlreiche Veränderungen(exogene Schocks) bewirken über die Angebots- bzw. Nachfragekurve eine Veränderung des Markgleichgewichtes.<br />
				Abbildung 2-4 zeigt, wie (1) sich die Preisvorstellungen der Anbieter z.B. durch Erhöhung der Gütersteuern oder verbreiteter Kostenbestandteile erhöhen oder sich (4) z.B. durch Subventionen oder Kostensenkungen vermindern. Eine Verringerung der angebotenen Menge (2) z.B. durch Ausscheiden von Unternehmen oder deren Vergrößerung (3) bewirkt ebenfalls eine Änderung der Angebotsfunktion.</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Abb. 2-4 (links): Veränderungen der Angebotsfunktion
				<p>
					Abb. 2-5 (rechts):</p>
				<p>
					Veränderungen der Nachfragefunktion</p>
			</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				<img alt="RW Abb. 2-4: Änderung Angebotsfunktion" height="195" src="http://www.wagner-berlin.de/am024.jpg" width="287" /><img alt="RW Abb. 2-5: Änderung Nachfragefunktion" height="194" src="http://www.wagner-berlin.de/am025.jpg" width="277" /></td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				In der Abbildung 2-5 wird die Nachfragefunktion (1) durch eine Erhöhung der Preisvorstellungen der Nachfrager z.B. durch Einkommenserhöhung oder Bewerbung des Gutes nach oben bzw. (4) durch eine Verringerung der Preisvorstellungen z.B. durch Imageverlust des Gutes nach unten verschoben. Auch eine Verringerung der Nachfrage (3) beispielsweise durch einen Bevölkerungsrückgang sowie eine Vergrößerung (2) durch zusätzliche Nachgfrager verändern die Nachfragefunktion.</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				Setzen sich Anbieter und/oder Nachfrager aus Akteuren mit unterschiedlichem Marktverhalten zusammen oder werden Märkte mit unterschiedlichen Akteuren (z.B. Erweiterung des EU-Binnenmarktes) zusammengeführt, so entstehen mehrfach geknickte Funktionen. Dabei entstehen die Gesamtfunktionen durch die Addition der Mengen auf den Teilmärkten bei jeweils gleichen Preisen.<br />
				&nbsp;</td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				Abb. 2-6:<br />
				Zusammen-<br />
				führung<br />
				von zwei<br />
				Märkten
				<p>
					<img height="11" src="http://www.wagner-berlin.de/artpod2.GIF" width="8" /> <a href="http://www.wagner-berlin.de/berufmikro3.pdf" target="berufmikro3.pdf">Übungsaufgabe Zusammenführung von Märkten / Arbitrage</a></p>
			</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				<img alt="RW Abb. 2-6: Arbitrage" height="172" src="http://www.wagner-berlin.de/am026.jpg" width="458" /></td>
		</tr>
		<tr>
			<td align="right">
				&nbsp;</td>
			<td>
				&nbsp;</td>
			<td>
				<p>
					<img alt="RW Abb. 2-7: Marktsphären" height="210" src="http://www.wagner-berlin.de/am027.jpg" width="402" /></p>
			</td>
		</tr>
	</tbody>
</table>
<p>
	Quelle: http://www.wagner-berlin.de/am2.htm</p>
</div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Sat, 10 Dec 2016 10:01:51 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Arbeitsmarkt</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/77-arbeitsmarkt</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/77-arbeitsmarkt</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><h2><strong><span style="font-size: large;">Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik </span></strong></h2>
<h3>Arbeitsmarkt</h3>
<p><span style="font-family: Arial;">Im Gegensatz zu ihrer Bezeichnung sind auf dem Arbeitsmarkt die Arbeitgeber die Nachfrager der Faktorleistung wie Arbeit und die Arbeitnehmer die Anbieter. Auch hier unterscheiden sich die Markt&shy;teilnehmer durch ihre jeweiligen Preisvor&shy;stellungen (Lohn, abh&auml;ngig v.a. von Qualifikation und Gefragtheit) und ihre Mengenvorstellung (Arbeitsumfang, Arbeitsdauer). Damit stellt sich der Arbeits&shy;markt grunds&auml;tzlich als idealtypischer Markt (</span><a href="http://www.wagner-berlin.de/am2.htm" target="_"><span style="font-family: Arial;">AM 2</span></a><span style="font-family: Arial;">) dar. Unterstellt man eine relativ fixe Arbeitszeit pro Besch&auml;ftigtem l&auml;&szlig;t sich der Arbeitsmarkt in einem Lohn-Besch&auml;ftigtenzahl-Diagramm darstellen. Eine solche Dar&shy;stellung kann jedoch die erhebliche Differenzierung des Arbeitsmarktes nach Qualifikationen und regionalen Besonderheiten kaum erfassen. </span><span style="font-family: Arial;">Auf diesem Markt kommt es zur Einigung zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu einem bestimmten Marktpreis. Vom Markt ausgeschlossen werden dann die Arbeitnehmer, deren Lohnvorstellungen &uuml;ber diesem Preis liegen (<strong>freiwillige Arbeitslosigkeit</strong>) und die Arbeitgeber, die nicht bereit oder in der Lage sind, diesen Preis zu zahlen. Beim ersten Augenschein gibt es in diesem Ansatz keine weitere Arbeitslosigkeit. Betrachtet man jedoch auch die Modellvoraussetzungen, so mu&szlig; man die </span><br /> <br /> <span style="font-family: Arial; font-size: large;">Ursachen der Arbeitslosigkeit</span></p>
<ul>
	<li><span style="font-family: Arial;">(1) freiwillige Arbeitslosigkeit erg&auml;nzen durch </span></li>
	<li><span style="font-family: Arial;">(2) die <strong>friktionelle</strong> <strong>Arbeitslosigkeit</strong>, die aus der Un&uuml;bersichtlichkeit des Arbeitsmarktes resultiert, welche eine volle Information f&uuml;r die Marktteilnehmer nicht sichern kann (ca. 0,3-0,5 Mio. Arbeitslose), </span></li>
	<li><span style="font-family: Arial;">(3) die <strong>saisonale Arbeitslosigkeit</strong>, die sich aber in einer ganzj&auml;hrigen Betrachtung aufhebt (Landwirtschaft, Bauwirtschaft) (ca. 0,4-0,5 Mio Arbeitslose)&nbsp;und </span></li>
	<li><span style="font-family: Arial;">(4) die <strong>konjunkturelle Arbeitslosigkeit</strong>, die sich aus den Schwankungen der Wirtschaftst&auml;tigkeit ergibt und die aufgrund des Rationalisierungseffektes - vor allem in Krisen - zu tendenziell steigender Arbeitslosigkeit f&uuml;hren kann</span><br /> (ca. 0,6 -1,5 Mio. Arbeitslose ),</li>
	<li><span style="font-family: Arial;">(5) die <strong>strukturelle</strong> <strong>Arbeitslosigkeit</strong>, die durch den Strukturwandel (nach Branchen aber auch nach Regionen) der Wirtschaft verursacht wird. Die Arbeitskr&auml;fte "wechseln"; auf diesem Wege sollen sie durch Ma&szlig;nahmen (z.B. Umschulung) begleitet werden </span><span style="font-family: Arial;">(ca. 1 Mio. Langzeitarbeitslose - Vor der Agenda 2010 gab es ca. 2 Mio Langzeitarbeitslose.) </span></li>
</ul>
<p><span style="font-family: Arial;"><img src="http://www.dombergen.de/images/langzeitarbeitslose.png" alt="" width="706" height="529" border="0" /></span></p>
<p>&nbsp;weitere Informationen: <a href="https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Monatsbericht-Arbeits-Ausbildungsmarkt-Deutschland/Generische-Publikationen/Rueckblick-2005-2015.pdf">&Uuml;berblick zum Arbeitsmarkt im Laufe der Jahre 2005 bis 2015</a></p>
<p>Aktuelle Daten der Bundesargentur f&uuml;r Arbeit: <a href="http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Arbeitsmarkt-im-Ueberblick/Arbeitsmarkt-im-Ueberblick-Nav.html"><span>Arbeitsmarkt im &Uuml;berblick</span></a></p>
<p><br /> Allerdings ist der wirkliche Arbeitsmarkt keines&shy;wegs ein solch idealtypischer Markt, wie eingangs unterstellt. Durch Tarifl&ouml;hne ist der &bdquo;Marktpreis&ldquo; relativ festgeschrie&shy;ben. Davon profitieren sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer in Form der sich daraus ergebenden Planungssicherheiten f&uuml;r Kosten und Einkommen. Geht jedoch durch geringes Wirtschaftswachstum &uuml;ber mehrere Jahre hinweg die Nachfrage nach Arbeit zu&shy;r&uuml;ck&shy;, nicht aber der Lohn, f&uuml;hrt wie&shy;derum zu einer noch&nbsp; niedrigeren Nach&shy;frage nach der jetzt &uuml;berteuerten Arbeit, d.h. zu zus&auml;tzlicher Ar&shy;beits&shy;losigkeit, der sog.<br /> <strong>&nbsp;Arbeitslosigkeit durch Lohnstarrheit.</strong></p>
<p><img src="http://www.wagner-berlin.com/am162.jpg" alt="Grafik aktuell nicht verf&uuml;gbar" style="width: 445px; height: 401px;" />&nbsp;<br /> &nbsp;</p>
<p><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Werden, wie in Deutschland, die Folgen der Arbeitslosigkeit &uuml;ber die Erh&ouml;hung der Lohnnebenkosten finanziert, entsteht durch eine weitere Verteuerung der Arbeit immer wieder neue Arbeitslosigkeit. </span><span style="font-family: Arial; font-size: small;">(Stand2004) </span></p>
<p><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Ein Ausweg aus diesem Dilemma bietet entweder ein anhaltend starkes Wirtschaftswachstum, bei dem dann starre L&ouml;hne zus&auml;tzliche Besch&auml;ftigung erzeugen k&ouml;nnen, sowie eine Senkung der Lohnebenkosten z.B. durch eine Umfinanzierung der Sozialsysteme. Lohnsen&shy;kungen stellen aufgrund der steigenden Produktivit&auml;t geraden in solchen Krisen&shy;jahren keine L&ouml;sung dieses Problems dar.</span>&nbsp;&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Arbeitskosten im Landervergleich in den 90er Jahren in DM</p>
<p><img src="http://www.wagner-berlin.de/am163n.JPG" alt="" width="363" height="348" align="left" border="1" hspace="0" /><br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> <br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;<br /> &nbsp;&nbsp;<br /> <span style="font-family: Arial; font-size: small;">Allerdings sind in den neunziger Jahren die Lohnnebenkosten (Arbeitskosten &uuml;ber die Bruttol&ouml;hne hinaus) gestiegen und nicht gesenkt worden ( </span><a href="http://www.wagner-berlin.de/am13.htm"><span style="font-family: Arial; font-size: small;">AM 13</span></a><span style="font-family: Arial; font-size: small;">). Als weitere Probleme von Arbeitsm&auml;rkten mit entwickelten Tarif- und Sozialsyste&shy;men gelten Dauer- bzw. <a href="http://www.makroo.de/Einleitung/Hoher%20Beschaeftigungsstand.htm">Sockelarbeitslosigkeit</a> sowie Jugend- und Altersarbeitslosigkeit sowie die Arbeitslosigkeit gering Qualifizierter. So zeigt sich, dass in den L&auml;ndern, welche im zur&uuml;ckliegenden Jahrzehnt ihre Arbeitsm&auml;rkte flexibilisiert haben, zu gro&szlig;en Arbeitsplatzgewinnen gekommen ist. Die im Vergleich au&szlig;ergew&ouml;hnlich hohe Arbeitslosenquote der &uuml;ber 55j&auml;hrigen in Deutschland l&auml;sst vermuten, dass auch hier zahlreiche sozial&shy;staatliche Anreize eines vorgezogenen Ruhestandes den Tarifpartnern eine &uuml;berdurchschnittliche Freisetzung gerade dieser Besch&auml;ftigtengruppe nahe legen.</span>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Arbeitsmarktpolitik</h3>
<p><br /> <span style="font-family: Arial; font-size: small;">Die Auffassungen &uuml;ber Ursachen der Arbeitslosigkeit und &uuml;ber die Strategien zu ihrer Bek&auml;mpfung differieren nicht nur nach der jeweiligen wirtschaftspolitischen Schulen, sondern auch nach L&auml;ndern. So wurde die Arbeitslosigkeit mit ganz unterschiedlichen Ans&auml;tzen in zahlreichen Staaten fast g&auml;nzlich beseitigt.(Stand 2006)</span><br /> &nbsp;</p>
<ul>
	<li><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Beispiel USA: Mit Subventionierung sog. Billigjobs &uuml;ber das Steuersystem (Negativsteuer) wurde Millionen neuer Arbeitspl&auml;tze geschaffen, welche durch die Nachfrage nach anderen G&uuml;tern dann Wachstum und Besch&auml;fti&shy;gung in andere Branchen &uuml;bertrugen.</span></li>
	<li><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Beispiel D&auml;nemark: Mit einer kreditfinanzierten Jobrotation konnten Arbeit&shy;nehmer bis zu einem Jahr aussetzen, was zu zus&auml;tzlicher zun&auml;chst zeitlich befristeter Besch&auml;ftigung f&uuml;hrte. Beide Gruppen, Aussetzer und befristet Besch&auml;ftigte, steigerte ihr Nachfrage, welche schlussendlich zu einem ar&shy;beitsplatzschaffenden Wirtschaftswachstum f&uuml;hrte.</span></li>
	<li><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Beispiel Niederlande: Mit einer &Auml;nderung des Steuer- und Rentensystems haben Staat und Tarifpartner in den Niederlanden die Rahmenbedingungen f&uuml;r eine breite Nutzung des Jobsharing geschaffen und damit Arbeitslosig&shy;keit auch verhindert.</span></li>
	<li><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Beispiel Deutschland: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hartz-Konzept#Umsetzung">Agenda 2010</a> mit den<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hartz-Konzept#Umsetzung"> Hartzgesetzen 1-4</a></span></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Vollbesch&auml;ftigung hat sich in der langen Frist jedoch immer mit einer Senkung der Arbeitszeit durchgesetzt &ndash; mit Streiks und politische Auseinandersetzungen in den fr&uuml;hen Jahren der Industriegesellschaft, mit tariflichen Regelungen in der Gegenwart. Als &bdquo;K&ouml;nigsweg&ldquo; dieser Entwicklung gilt die Aufteilung des Produkti&shy;vit&auml;tsfortschritts in (geringer) ansteigenden L&ouml;hne und Arbeitszeitverk&uuml;rzung. Voraussetzung f&uuml;r eine weitere Arbeitszeitverk&uuml;rzung ist jedoch eine differen&shy;zierte und flexible Handhabung. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial; font-size: small;"></span></p>
<p><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Das VW-Modell, das Konzept der produktivi&shy;t&auml;tsorientierten Lohnpolitik und die Einf&uuml;hrung der 35-Stunden-Woche in Frank&shy;reich sind Beispiele f&uuml;r die Anwendung dieses Gedankens.</span> <span style="font-family: Arial; font-size: small;">Die Arbeitslosigkeit ist allerdings kein rein wirtschaftliches Ph&auml;nomen. Der Nachfrage nach Arbeit durch die Wirtschaft steht ein Arbeitsangebot durch die Bev&ouml;lkerung gegen&uuml;ber. Dieses entwickelt sich durch soziale (z.B. Frauenbe&shy;sch&auml;ftigungsgrad) und <strong>demographische Faktoren</strong> abgekoppelt von der Wirt&shy;schaftsentwicklung. Starkes Bev&ouml;lkerungswachstum kann so zu Arbeitslosigkeit trotz Besch&auml;ftigungswachstum f&uuml;hren. Bev&ouml;lkerungsr&uuml;ckgang kann die Arbeits&shy;losigkeit auch bei stagnierender Besch&auml;ftigung senken. Den Umfang dieses Ein&shy;flu&szlig;faktors zeigt die folgende Abbildung.</span><br /> <br /> <br /> <a href="http://www.wagner-berlin.de/am166g.jpg" target="am166g.jpg" name="leben"><span style="font-family: Arial; font-size: small;"><img src="http://www.dombergen.de/images/Deutsche_Lebensbaeume.jpg" alt="" width="657" height="353" border="0" /></span></a></p>
<p><br /> <span style="font-family: Arial; font-size: small;">Die Prognose zeigt, dass in den kommenden Jahren die Bev&ouml;lkerung im er&shy;werbsf&auml;higen Alter in den kommenden Jahren drastisch zur&uuml;ckgehen wird. Dies f&uuml;hrt, auch bei durchschnittlicher Zuwanderung zu einer Verringerung des Ar&shy;beitsangebots und damit wahrscheinlich zu einem R&uuml;ckgang der Arbeitslosigkeit. Die Wirkung wird jedoch nach Qualifikationsgruppen und nach Regionen h&ouml;chst unterschiedlich ausfallen, so dass nach gegenw&auml;rtigem Kenntnisstand nicht von einem &bdquo;Verschwinden&ldquo; der Arbeitslosigkeit allein aus demographischen Gr&uuml;nden ausgegangen werden kann.</span><br /> Quelle: <a href="http://www.wagner-berlin.com/am16.htm">Ralf Wagner TFH Berlin</a> leicht aktualisiert von Dombergen</p></div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 19:08:30 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Außenwirtschaft</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/78-aussenwirtschaft</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/78-aussenwirtschaft</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><p><span style="font-size: medium;"><strong>Außenwirtschaftstheorie</strong></span></p>
<p>Zum Thema Außenwirtschaft gleich zu Beginn eine grundsätzliche Frage: Was ist der grundlegende Unterschied zwischen Außenwirtschaft und Binnenwirtschaft?<br />Dazu muss man zunächst festhalten, dass sich die Mechanismen, nach denen sich das Wirtschaftsgeschehen innerhalb einer Volkswirtschaft vollzieht, nicht grundsätzlich von denen unterscheiden, die für das Wirtschaftsgeschehen zwischen den nationalen Volkswirtschaften gelten. Die grundlegende Erkenntnis ist, dass der internationale Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen den Volkswirtschaften deren Wohlstand erhöht. <br />Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Erstens gibt es in anderen Volkswirtschaften Güter, die es bei uns nicht gibt, die aber benötigt werden. Beispielsweise Rohstoffe wie Öl oder exotische Früchte. Diese Art des Außenhandels wird als komplementärer, d.h. sich ergänzender Außenhandel  bezeichnet, denn er erweitert das Güterangebot in einer Volkswirtschaft.</p>
<p>Der Außenhandel erhöht die Produktvielfalt, und die Konsumenten haben mehr Wahlmöglichkeiten. Sie können dann das kaufen, was ihren Präferenzen am besten entspricht. <br />Hinzu kommt, dass gleichartige Produkte im Ausland unter Umständen kostengünstiger hergestellt und bei uns preisgünstiger angeboten werden als die heimischen Erzeugnisse. Man muss dabei nur mal an Steinkohle oder Textilien denken. Man spricht dann von einem absoluten Kostenvorteil. Das heißt, wenn etwas importiert wird, dann muss  man unter Umständen weniger Geld für das gleiche Produkt bezahlen und dadurch steigt unser Realeinkommen. <br />Außenhandel zwischen zwei Volkswirtschaften kann aber auch dann entstehen, wenn in einem Land alle Güter teurer sind als im anderen. <br />Das wird dann möglich, wenn sich eines der beiden Länder auf die Produktion desjenigen Gutes konzentriert, das es relativ billiger herstellen kann. So kommt es zur Spezialisierung und zum gegenseitigen Austausch von Waren, der es beiden Ländern ermöglicht, ihre Produktionsfaktoren optimal einzusetzen. Sie schaffen so  eine Gütervielfalt, die  sie ohne Außenhandel nicht erreichen könnten. So tauscht z.B. Indonesien Edelholz mit Japan gegen Autos.<br />Diesen Sachverhalt findet man auch in der einschlägigen Fachliteratur unter dem Begriff "Theorem der komparativen Kosten" wieder. Jedes Land konzentriert sich auf die Herstellung eines Gutes, das es dann in das jeweils andere Land exportiert. Das ist das Prinzip der Spezialisierung und internationalen Arbeitsteilung.</p>
<p>Aber: gerade in Deutschland wird häufig beklagt, dass zu teuer produziert wird und deshalb die Exportmöglichkeiten eingeschränkt  sind. Da scheint einem das "Theorem von den komparativen Kosten" doch wirklich sehr abstrakt. In der Praxis bringt es uns zunächst nicht viel, aber es vermittelt uns grundlegende Erkenntnisse. Zum Beispiel die, dass Außenhandel keine Einbahnstraße sein kann und dass Außenhandel für alle daran beteiligten Volkswirtschaften vorteilhaft sein muss. Diese Erkenntnisse ergeben sich aus den Rahmenbedingungen dieses Modells.  Solche Rahmenbedingungen sind zum Beispiel, dass die Vorteile des Außenhandels durch Spezialisierung und internationale Arbeitsteilung dann am besten zur Geltung kommen, wenn der Außenhandel frei von jeder Art von Beschränkungen ist. <br />Das können zum Beispiel Marktunvollkommenheiten wie hohe Transportkosten oder die Unbeweglichkeit von Produktionsfaktoren sein. Es können aber auch administrative Beschränkungen wie Zölle oder nicht-tarifäre Handelshemmnisse sein.</p>
<p>Deutschland ist neben den USA und Japan eine der bedeutendsten Volkswirtschaften im Welthandel. <br />Aber wer sind eigentlich unsere wichtigsten Außenhandelspartner und welche Art des Außenhandels betreibt speziell Deutschland überwiegend? </p>
<p>Obwohl wir ein rohstoffarmes Land sind ist es nicht so, dass wir Rohstoffe gegen industrielle Fertigwaren tauschen. <br />Wir betreiben also nicht in erster Linie komplementären Außenhandel, sondern der Export und Import betrifft gleichermaßen zu etwa 75 v.H. industrielle Fertigwaren. Daher sprechen wir vom substitutiven Außenhandel, denn es werden überwiegend gleichartige Produkte getauscht. Rohstoffe haben bei unseren Handelsbeziehungen nur einen Anteil von kaum mehr als 10 v.H. an den Importen. <br />Unsere wichtigsten Handelspartner sind Industrieländer. <br />Nur 10 v.H. der Exporte werden in Entwicklungsländer geliefert. Und auch von den Importen stammen nur etwa 10 v.H. aus Entwicklungsländern. <br />Mehr als die Hälfte des Außenhandels bestreitet Deutschland mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. <br />Die benachbarten Niederlande mit knapp 16 Millionen Einwohnern sind einer unserer bedeutendsten Handelspartner. Die Volksrepublik China mit weit über 1 Milliarde Menschen rangiert dagegen unter ferner liefen.</p>
<p>Die Ausfuhr von Waren beläuft sich dabei auf etwa 500 Mrd. € pro Jahr, der Wert der Wareneinfuhr beträgt rund 450 Mrd. €. Wir haben also einen beachtlichen Exportüberschuss und das verträgt sich kaum mit der vorherigen Aussage, dass der Außenhandel keine Einbahnstraße sein soll. Doch muss man dabei bedenken: Bislang wurde nur der Warenverkehr angeschaut. Das ist sicher ein wichtiger Bereich unseres Außenhandels. Man darf jedoch nicht übersehen, dass auch Dienstleistungen exportiert und importiert werden. <br />Das klassische Beispiel ist hier der Reiseverkehr. Wenn Inländer Urlaub im Ausland machen, sei es zum Vergnügen auf Mallorca oder als Bildungsreise zu den Pyramiden am Nil, dann ist es ein Dienstleistungsimport. Wenn umgekehrt Ausländer das Oktoberfest in München besuchen, dann haben wir es mit einem Dienstleistungsexport zu tun.</p>
<p>Hier kommt es aber nicht auf die Zahl der Touristen an, sondern darauf, wie viel Geld sie auf ihren Reisen ausgeben. Und derzeit ist es so, dass die deutschen Touristen im Ausland rund 30 Milliarden € mehr ausgeben als die ausländischen Touristen in Deutschland.</p>
<p>Neben dem Waren- und Dienstleistungsverkehr gibt es noch weitere Bereiche, in denen Defizite auftreten können.<br />Schaut man sich z.B. die Übertragungsbilanz von Zahlungen ins Ausland an, so ist diese zumeist negativ. <br />Unter die Übertragungsbilanz fallen Zahlungen von in Deutschland ansässigen Ausländern an ihre im Ausland beheimateten Familien und die Beiträge Deutschlands zu internationalen Organisationen. Allein der Nettobeitrag zum EU-Haushalt beträgt mehr als 10 Mrd. €.</p>
<p>Dadurch ist der Exportüberschuss aus dem Warenverkehr schon fast aufgezehrt. <br />Und dabei wurde der grenzüberschreitende Kapitalverkehr, dessen Bedeutung stark <br />zunimmt, noch nicht berücksichtigt. Darunter versteht man beispielsweise internationale Wertpapiergeschäfte und Direktinvestitionen. <br />Die Direktinvestitionen sagen etwas aus über das unternehmerische Engagement deutscher Firmen im Ausland bzw. ausländischer Firmen in Deutschland. Hier verzeichnen wir ein Defizit von etwa 45 Mrd. €.<br />Das kann ein Indiz dafür sein, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht besonders attraktiv ist.<br />Um das aber wirklich stichhaltig beurteilen zu können, müsste man noch  weitergehende Analysen anstellen und vor allem die Entwicklung über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten.</p>
<p>Alle wirtschaftlichen Aktivitäten Deutschlands werden in der Leistungsbilanz und der Kapitalbilanz erfasst. Beides zusammen ergibt die Zahlungsbilanz, aus der man ersehen kann, ob unsere Volkswirtschaft für ein bestimmtes Jahr Nettozahlungen an das Ausland vorgenommen oder vom Ausland empfangen hat.</p>
<p>Für unsere Volkswirtschaft kann es aber nicht nur erstrebenswert sein, möglichst viele Zahlungen aus dem Ausland zu empfangen, also im Warenverkehr hohe Überschüsse zu erzielen und die Defizite im Dienstleistungsverkehr abzubauen, denn Außenwirtschaft ist ein Geben und Nehmen. Deshalb ist ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht erstrebenswert, dass sich also die empfangenen und die geleisteten Zahlungen im grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr auf lange Sicht ausgleichen.<br />Dabei ist die Vorstellung von einem Gleichgewicht auch nur so eine Art gedankliche Orientierungshilfe, so etwas wie ein Leuchtturm, der bei stürmischer See die Richtung weist. Denn wirtschaftliche Entwicklung ist ja ein ständiger Prozess, etwas Dynamisches, also eine Kette von Ungleichgewichten.</p>
<p>Wenn man nun den Kurs auf „außenwirtschaftliches Gleichgewicht“ hält, bringt das auch einen konkreten, ablesbaren Nutzen, denn wenn dauerhafte Abweichungen von diesem Kurs vorliegen, die zudem immer größer werden, lassen sich Fehlentwicklungen schon prognostizieren. <br />Ein nachhaltiger Zahlungsbilanzüberschuss zum Beispiel wird dazu führen, dass die heimische Währung stärker nachgefragt wird als ausländische Währungen. Es kommt dann zur Aufwertung der heimischen Währung. Und das heißt: Sie wird teurer. Das beeinträchtigt die Exporte und begünstigt die Importe. <br />Es ist deshalb empfehlenswert, den Kurs immer automatisch auf "außenwirtschaftliches Gleichgewicht" zu halten soweit das möglich ist. Bei einem weitestgehend freien internationalen Waren- und Kapitalverkehr ist das allerdings recht schwierig.</p>
<p>Innerhalb der EU ist das zwar ein wenig überschaubarer, aber dennoch eine heikle Angelegenheit. Einerseits locken eine Menge Vergünstigungen, andererseits entstehen natürlich auch riskante Abhängigkeiten –gerade für mittelständische  Unternehmen und für die betroffenen Länder geht’s dann insgesamt vielleicht auch ganz schön auf und ab. Man muss selbstverständlich die Leitzinsentwicklung aufmerksam verfolgen. Eine Volkswirtschaft wird durch die Außenwirtschaft natürlich von anderen Volkswirtschaften abhängig und natürlich resultieren daraus sowohl positive wie auch negative Folgewirkungen.</p>
<p>Da kommt leicht die Frage auf, ob sich eine Volkswirtschaft nicht gegen solche <br />negativen Folgewirkungen irgendwie schützen kann.<br />Dieses Thema hat eine lange Tradition und wurde in einer vorausgegangenen Folge schon ausführlich besprochen. An dieser Stelle noch mal kurz zur Erinnerung: Der Merkantilismus zu Zeiten Ludwig des XIV war so ein Konzept, durch staatliche Eingriffe die Exporte zu fördern und gleichzeitig die Importe zu behindern. Die Überschüsse im Außenhandel dienten damals zur Finanzierung der königlichen Hofhaltung. <br />Aber nicht nur im Absolutismus, auch während der Industrialisierung im 19.Jahrhundert haben sich konservative Volkswirtschaften vor dem Konkurrenzdruck gegenüber fortschrittlichen Ländern zu schützen versucht. Friedrich List hat in dieser Zeit den Begriff "Erziehungszoll" geprägt. Er sollte einer Volkswirtschaft im Schutz des Zolls Gelegenheit geben, einen Rückstand im internationalen Wettbewerb aufzuholen. <br />Theoretisch ein vernünftiger Gedanke, aber die praktischen Erfahrungen sind nicht sehr überzeugend, denn es bedarf einer starken politischen Führung, um genügenden Anpassungsdruck zu erzeugen, damit die "Erziehung" auch wirklich gelingt und die Schutzfunktion des Zolls nach gewisser Zeit entbehrlich wird.</p>
<p>Politisch gesehen hat die politische Führung zwar den Auftrag, die eigene Volkswirtschaft vor den negativen Auswirkungen grenzüberschreitender Wirtschaftsbeziehungen zu bewahren, aber ökonomisch eher nicht. Denn die Begünstigung der eigenen Volkswirtschaft zu Lasten der Handelspartner ist ja nichts anderes als ein internationaler Verteilungskampf um den wirtschaftlichen Wohlstand. Dabei stehen sich die Marktteilnehmer feindselig und nicht partnerschaftlich gegenüber. Ein Prinzip marktwirtschaftlicher Denkweise.<br />Allerdings führen Beschränkungen bei den grenzüberschreitenden Wirtschaftsbeziehungen, ob sie nun gezielt zu Lasten Dritter vorgenommen werden oder nicht, immer zu Einbußen beim gesamtwirtschaftlichen Wohlstand; in der eigenen Volkswirtschaft wie auch im Ausland. Deshalb wäre abzuwägen, ob die Vorteile, die durch Handelsbeschränkungen erzielt werden können, höher oder geringer zu bewerten sind als die mit ihnen einhergehenden Wohlfahrtsverluste. <br />Weil das aber ziemlich schwierig vorauszusehen ist, wurden über lange Zeit in vielen Volkswirtschaften außenwirtschaftliche Beschränkungen im Außenwirtschaftsverkehr durch Zölle, Kontingente und sonstige nicht-tarifäre Maßnahmen vorgenommen, nach dem Motto: das Hemd ist mir näher als der Rock.</p>
<p>Wie lange das so ging, lässt sich nicht genau datieren. Es gibt aber zwei Ereignisse, von denen vermutlich wesentliche Impulse zur Hinwendung des Abbaus von Handelsbeschränkungen ausgegangen sind und zugleich eine grundsätzliche Abkehr dominierend protektionistischer Außenwirtschaftspolitik eingeleitet wurde: <br />· Das eine war das Abkommen von Bretton Woods aus dem Jahre 1944, das bis Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Weltwährungsordnung geprägt hat.  <br />· Das zweite ist das Welthandelsabkommen GATT - das "General Agreement on Trade and Tariffs" von 1947. <br />Die Weltwährungsordnung von Bretton Woods umfasste eine Vielzahl von Regelungen, die das Vertrauen der Wirtschaft in die Stabilität des internationalen Kapitalverkehrs deutlich erhöhte. Dazu gehörte vor allem die Einführung fester Wechselkurse.<br />Nun konnten Unternehmen, die Außenhandel in fremder Währung unterhielten, den Wert dieser Währungen sicher kalkulieren. Das minderte die ohnehin höheren Geschäftsrisiken und trug so zu einer beispiellosen Ausweitung des Welthandels bei. Außerdem wurde eine Solidargemeinschaft aller an dieser Weltwährungsordnung beteiligten Volkswirtschaften geschaffen. Es wurden Mechanismen bereitgestellt, um eine Volkswirtschaft, deren Außenwirtschaft ins Ungleichgewicht geraten war, wieder in die Balance zu bringen.</p>
<p>Die wichtigste Bestimmung des GATT ist wohl die Meistbegünstigungsklausel. Sie besagt, dass Zollzugeständnisse und andere Vergünstigungen, die zwei Handelspartner einander gewähren, auch den anderen Unterzeichnerstaaten des GATT zuzugestehen sind. So wird aus einer zweiseitigen Vereinbarung eine allgemeine Beseitigung von Handelsbeschränkungen.</p>
<p>Das Abkommen von Bretton Woods und das GATT waren zwei weltwirtschaftlich bedeutsame Ordnungsfaktoren, die tatsächlich zu einer nachhaltigen Liberalisierung der Außenwirtschaft und zu einem nie da gewesenen Aufschwung des Welthandels geführt haben.<br />Das System fester Wechselkurse wurde zwar 1971 durch flexible Wechselkurse abgelöst, aber die Solidargemeinschaft der Volkswirtschaften innerhalb der Weltwährungsordnung ist dennoch dauerhaft gestärkt worden.</p>
<p>Mit dem Abbau von Handelsbeschränkungen ging es dann so weiter:<br />Die Welthandelsordnung hat vor allem institutionelle Neuerungen erfahren. Es wurde eine neue Welthandelsorganisation WTO geschaffen, die auf drei Säulen beruht: <br />Die erste ist das GATT und in seiner erweiterten Form das MTA, das heißt "Multilateral Trade in Goods Agreement". <br />Die zweite Säule ist das GATS "General Agreement on Trade in Services" zur Liberalisierung von Dienstleistungen und öffentlichem Beschaffungswesen. <br />Und die dritte Säule ist das TRIPS, “Agreement on Trade-related Aspects of Intellectual Property". Hier geht es - kurz gesagt - um den internationalen Handel mit geistigem Eigentum.</p>
<p>Diese neuen Institutionen haben dann auch tatsächlich zum weiteren Abbau von Handelshemmnissen geführt, doch gemessen an den hochgesteckten Zielen der WTO sind die Fortschritte bei der Liberalisierung der Weltwirtschaft eher bescheiden und der Prozess kommt nur sehr zögerlich voran. <br />Außerdem sind die einzelnen Mitgliedstaaten sehr findig , wenn es darum geht, neue    - vor allem nicht-tarifäre - Handelsbeschränkungen einzuführen, zum Beispiel über technische Vorschriften.</p>
<p>Und die WTO kann dagegen recht wenig unternehmen, es gibt so gut wie keine Sanktionsmöglichkeiten. Deshalb ist der Prozess der Liberalisierung der Weltwirtschaft mühsam und vor allem das Ergebnis von Überzeugungsarbeit und gutem Willen der beteiligten Länder. Hinzu kommt, dass dieser Prozess ja auch noch auf Umwegen stattfindet. <br />Beispielsweise die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit dem Fernziel eines vereinten Europas ist ein solcher Umweg, auch wenn die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft doch gerade mit dem erklärten Ziel der Liberalisierung des Außenhandels vorgenommen wurde.<br />In einem ersten Schritt haben die sechs Gründungsmitglieder Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und Niederlande in den Römischen Verträgen vereinbart, beginnend ab 1958 eine Zollunion zu schaffen. <br />Die Binnenzölle wurden dann stufenweise angeglichen und abgebaut. Aber das ist       - genau genommen - ein fundamentaler Verstoß gegen die Bestimmung der Meistbegünstigung des GATT gewesen. Denn Drittländer, also Volkswirtschaften außerhalb der EWG, waren ja von der Zollunion ausgeschlossen.<br />Insbesondere mit den USA hat es deshalb teilweise heftige handelspolitische Auseinandersetzungen gegeben.</p>
<p>Die Gründung der EWG war nach den Bestimmungen der Welthandelsordnung zulässig und rechtmäßig, wenn man sie mit dem Argument begründet, dass sie der Liberalisierung des Welthandels langfristig Impulse verleiht. Dem Integrationsprozess des europäischen Wirtschaftsraumes, der mit der Gründung der EWG seinen Anfang nahm, wurde gewissermaßen eine Vorreiterrolle für die Liberalisierung des Welthandels zuerkannt.</p>
<p>Die EWG hat sich weiterentwickelt. Und der gesamte Integrationsprozess verzeichnet beachtliche Fortschritte sowohl nach innen als auch nach außen. Aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ist inzwischen eine Europäische Union geworden mit inzwischen fünfzehn Mitgliedern, aus der Zollunion ist ein Binnenmarkt entstanden. <br />Mit der Einführung des EURO ist nun ein weiterer großer Schritt in Richtung Verwirklichung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion vollzogen worden.<br /> <br />Verdient dieser Integrationsprozess denn nun wirklich das Prädikat "fortschrittlich" oder ist er doch nur ein Wort- und Traumgebilde? <br />Zweifellos ist nicht alles Gold was glänzt. <br />Aber man darf das Kind auch nicht mit dem Bade ausschütten. <br />Die Liberalisierung des Waren- und Dienstleistungshandels innerhalb der Europäischen Union hat beträchtlich zur Erhöhung des Lebensstandards beigetragen. Deutschland bestreitet 55 - 60 Prozent seines Außenhandels mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Das Warenangebot für die Verbraucher wird umfangreicher und vielfältiger. Und der Wettbewerb erhält zusätzliche Impulse, weil sich für viele Unternehmen der relevante Markt erweitert.</p>
<p>Und es gibt auch noch viele weitere positive Aspekte der Europäischen Union: Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weisen ein überdurchschnittlich hohes Maß an Verlässlichkeit auf. Arbeitnehmer genießen mehr Freizügigkeit und Unternehmer mehr Niederlassungsfreiheit. Das verbessert die Möglichkeiten der Arbeits- und Berufswahl. Vieles ist ja heute schon so selbstverständlich, dass wir es als einen durch den Integrationsprozess gewonnenen Vorzug gar nicht mehr wahrnehmen.</p>
<p>Trotzdem gibt es auch mehr als genug stichhaltige Argumente für eine kritische Auseinandersetzung mit der Europäischen Union. Ein grundlegender Kritikpunkt ist die Organisationsstruktur der Gemeinschaft. <br />Dabei geht es hauptsächlich um die Kompetenzen ihrer Institutionen. Das Europäische Parlament ist demokratisch legitimiert. Seine Mitglieder sind gewählte Repräsentanten. Sein Ansehen in der Öffentlichkeit und sein Einfluss auf die Entscheidungsfindung in der Gemeinschaft ist vergleichsweise gering.</p>
<p>Formal ist der Ministerrat das höchste Entscheidungsgremium. Ihm gehören - je nach Tagesordnung - die Regierungschefs oder Fachminister an. <br />Viele dieser Entscheidungen werden aber in der EU-Kommission vorbereitet. Dort werden dann schon im Vorfeld die Weichen gestellt.<br />Die EU-Kommission hat also faktisch den größten Einfluss. Nur sind ihre Repräsentanten - die EU-Kommissare - keine gewählten Vertreter. Denn sie werden von jeweils einem der Mitgliedsstaaten vorgeschlagen. Die EU-Kommission ist politische und ausführende Behörde zugleich, die keiner hinreichenden demokratischen Kontrolle unterliegt. <br />Hinzu kommt, dass es vielen Entscheidungen an ausreichender Bürgernähe und damit an entsprechender Akzeptanz fehlt.<br />Je mehr Gemeinsamkeit in der Europäischen Union geschaffen wird, desto mehr Vielfalt oder Individualität muss aufgegeben werden. Und die Gegebenheiten vor Ort    - zum Beispiel in Finnland und Griechenland oder in Irland und Österreich - sind doch sehr unterschiedlich.<br />Der Entscheidungsprozess wird immer schwieriger und weitere Integrationsfortschritte erfordern ein immer höheres Maß an Zugeständnissen und Kompromissbereitschaft, insbesondere wenn die EU noch neue Mitgliedstaaten aufnimmt. <br />Nicht umsonst herrscht die weitverbreitete Befürchtung, dass der Integrationsprozess zum Erliegen kommt und die Gemeinschaft nicht mehr finanzierbar sein wird, wenn noch weitere Mitgliedstaaten aufgenommen werden.</p>
<p>Man kann das aber auch so betrachten: <br />Es geht ja nicht um eine Erweiterung um jeden Preis und man muss eben  akzeptieren, dass eine Weiterentwicklung der Europäischen Union und damit auch die Aufnahme neuer Mitgliedstaaten nicht zum Nulltarif zu haben ist. <br />Keine Leistung ohne Gegenleistung. <br />Außerdem: Wenn die Europäische Union aufhört, eine offene Gemeinschaft zu sein, dann verliert sie auch ihren Anspruch, Motor zur Liberalisierung internationaler Wirtschaftsbeziehungen zu sein. <br />Das würde einen Rückfall in die längst überwunden geglaubten Zeiten des Protektionismus bedeuten.</p>
<p>Man kann also davon ausgehen, dass es gar keine Alternative zum Integrationsprozess Europa gibt, was aber nicht als Prognose verstanden werden soll. Es soll damit vielmehr zum Ausdruck gebracht werden, dass das in den zurückliegenden Jahrzehnten Erreichte - gemessen an den hohen Zielen des GATT und der EU - ja nur erste Schritte sind, hin zu einer wirklichen Liberalisierung der Weltwirtschaft. Die eigentlichen Herausforderungen stehen uns ja noch bevor, so  beispielsweise eine stärkere Einbindung der Entwicklungsländer.</p>
<p>Die Zukunft ist spannend und ungewiss. Da gäbe es noch viel dazu zu sagen.   <br />Führen wir uns zum Abschluss doch mal vor Augen: <br />Adam Smith und David Ricardo - die Mitbegründer der modernen Nationalökonomie - haben im 18. bzw. 19. Jahrhundert großartige Ideen zur Ökonomie der Weltwirtschaft entwickelt. Seitdem sind mehr als zweihundert Jahre vergangen.   <br />Von ihren Theorien konnte aber bislang nur ein Bruchteil in die Praxis umgesetzt werden. Man kann hier also sehen, dass ökonomischer Fortschritt kein Rennpferd ist. Aber eins ist ganz klar: unabhängig vom Tempo bleibt das Ziel volkswirtschaftlicher Bestrebungen unverändert der sparsame Umgang mit knappen Mitteln.</p>
<p><span style="font-size: medium;">          </span><br /><span style="font-size: medium;">Quelle:</span><br />Grundlagen VWL <br />Prof. Dr. Mammen <br /><span style="font-size: small;">FH Ansbach</span></p></div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 19:09:43 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Geldtheorie und Geldpolitik</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/81-geldtheorie-und-politik</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/81-geldtheorie-und-politik</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><h2>
	Geldtheorie- und Geldpolitik</h2>
<h3>
	<br />
	Inhaltsverzeichnis</h3>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	1. Grundlagen<br />
	2. Geldmengenkonzepte<br />
	3. Geldnachfrage<br />
	4. Geldangebot und Geldschöpfung<br />
	5. Wirkungen einer Geldmengenänderung<br />
	5.1. Expansive Geldpolitik<br />
	5.2. Restriktive Geldpolitik<br />
	6. Europäische Währungsunion und das Europäische System der Zentralbanken<br />
	6.1. Zeittafel zur Europäischen Währungsunion<br />
	6.2. Das Europäische System der Zentralbanken<br />
	7. Die Deutsche Bundesbank innerhalb des ESZB<br />
	8. Geldpolitisches Instrumentarium<br />
	9. Quellenangabe</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	1. Grundlagen</h2>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	1.1. Begriff des Geldes</h3>
<p>
	Im alltäglichen Sprachgebrauch wird unter dem Begriff Geld in erster Linie Bargeld verstanden. Bargeld umfasst dabei Banknoten (Scheine) und Münzen. Allgemein kann man unter Geld oder Zahlungsmitteln alles verstehen, was innerhalb einer Volkswirtschaft zur Bezahlung von Gütern und Dienstleistungen oder Begleichung von Schulden verwendet wird. Entscheidend ist, dass alle Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen (auch Wirtschaftssubjekte genannt) das verwendete Zahlungsmittel akzeptieren. Zahlungsmittel müssen jedoch nicht unbedingt die von staatlichen Stellen ausgegebenen Banknoten und Münzen sein. Es kann Zeiten geben, in denen das Vertrauen in die amtlichen Banknoten soweit schwindet, dass sich die Wirtschaftssubjekte ein von allen akzeptiertes Ersatzgeld suchen. Mehr dazu um folgendem Abschnitt.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	&nbsp;1.2. Merkmale /Eigenschaften des Geldes</h3>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Damit ein Produkt die Funktionen des Geldes übernehmen kann, muss es vorher folgende Eigenschaften erfüllen.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<ul>
	<li>
		Allgemeine Akzeptanz,</li>
	<li>
		Knappheit,</li>
	<li>
		Haltbarkeit,</li>
	<li>
		Teilbarkeit und</li>
	<li>
		Transportfähigkeit.</li>
</ul>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Sollten diese Eigenschaften nicht (oder nicht mehr) erfüllt werden, so wird das Produkt durch ein anderes Gut ersetzt, um die Funktionen des Geldes auszufüllen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Änderungen, weil das ursprüngliche Produkt die obigen Merkmale nicht mehr erfüllte. Als Beispiel für Güter die diese Funktionen des Geldes übernehmen, können Muscheln, Perlen, Silber, Salz aber auch Zigaretten (nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland) herangezogen werden. Das Produkt Gold erfüllt bis heute die Eigenschaften am besten und wird daher immer wieder als Produkt gewählt, was die Funktionen des Geldes am besten umsetzt.</p>
<h2>
	1.3. Funktionen des Geldes</h2>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	1.3.1. Tauschmittel (Tauschfunktion)</h3>
<p>
	Industriegesellschaften sind durch ein hohes Maß an Arbeitsteilung gekennzeichnet, kaum jemand produziert noch alle Dinge seines täglichen Bedarfs selbst. Jeder hat sich auf die Produktion eines bestimmten Gutes oder Dienstleistung spezialisiert und ist deshalb auf den Austausch von Waren und Dienstleistungen angewiesen. Im einfachsten Fall finden sich zwei Personen, die jeweils genau die Waren anbieten, die der andere gerade benötigt (Doppelkoinzidenz von Bedürfnissen). Dann können diese in einem Naturaltausch ihre Waren direkt miteinander tauschen. Im Normalfall wird ein potentieller Anbieter einer Ware jedoch nicht genau das anbieten, was der Nachfrager sucht. So wird im Naturaltausch ein Automechaniker mit einem Bäcker nur dann handelseinig, wenn das Auto des Bäckers gerade kaputt ist. Ist dies nicht der Fall, müßte sich der Automechaniker, um Brot zu bekommen, erst die Ware besorgen, die der Bäcker gerne haben möchte. Man ist also auf sogenannte indirekte Transaktionen angewiesen, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Genau diese werden durch ein allgemein akzeptiertes Tauschmittel in Form von Geld ermöglicht. In einer Geldwirtschaft kann ein Händler die Ware, die er produziert gegen Geld verkaufen und bei einem anderen Händler für dieses Geld genau die Waren einkaufen, die seinen Bedürfnissen entsprechen. Durch die Tauschfunktion des Geldes wird der Tausch in zwei Teilakte zerlegt. Verkauf von Ware gegen Geld und Kauf von Ware gegen Geld. Es entsteht ein indirekter Tausch.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	1.3.2. Wertaufbewahrungsmittel (Wertaufbewahrungsfunktion)</h3>
<p>
	Wer Geld in seinem Geldbeutel, im Sparstrumpf oder im Safe zu Hause aufbewahrt, nutzt damit die zweite Funktion des Geldes, die Wertaufbewahrungsfunktion. Die<br />
	Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes ermöglicht es, Einnahmen und Ausgaben zu zergliedern und den Konsum den Wünschen entsprechend zeitlich zu verteilen. Geld verkörpert Handlungs- oder Konsumpotential, das natürlich genau danach bemessen werden muss, was man mit diesem Geld kaufen kann. Der Wert des Geldes wird demnach durch die Güterpreise bestimmt. Geldwert und Güterpreise stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang: sind die Preise stabil, ist es auch<br />
	der Geldwert und umgekehrt. Steigende Preise vermindern den Geldwert und beeinträchtigen die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes.</p>
<p>
	Am deutlichsten wird dies, wenn man das Verhalten der Wirtschaftssubjekte in den Phasen untersucht, in denen die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes stark beeinträchtigt ist, in Zeiten starker Geldentwertung. Die Wirtschaftssubjekte versuchen dann, ihr Geld nach Erhalt möglichst schnell wieder in Waren umzutauschen. Ein Arbeitnehmer kauft für den erhaltenen Lohn sofort Waren ein, auch wenn er diese zur Zeit noch gar nicht benötigt. Dies war in Deutschland in der Zeit der sogenannten Hyperinflation 1923 der Fall, als das Geld innerhalb von<br />
	Tagen und Stunden an Wert verlor.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Ist erst die Wertaufbewahrungsfunktion beeinträchtigt, kann das Geld auch seine anderen Funktionen verlieren. Die Wirtschaftssubjekte suchen sich dann andere, wertstabilere Einheiten zum Tauschen und Rechnen. So ersetzte in vielen Ländern Lateinamerikas in den Hyperinflationsphasen der achtziger Jahre der Dollar die nationale Währung in Rechen-, Tausch und Wertaufbewahrungsfunktion.</p>
<p>
	<br />
	Obwohl die Grenzen natürlich fließend sind, noch einige Anhaltspunkte für die begriffliche Verwendung verschiedener Inflationsbegriffe: Ist der Geldwert - wie in Deutschland seit den fünfziger Jahren - relativ stabil, mit Inflationsraten stets unter 8% pro Jahr, im Regelfall zwischen 1% und 5%, spricht man von schleichender Inflation. Von Hyperinflation wird in der Regel gesprochen, wenn die Jahresinflation die Größenordnung von mehr als 1000% erreicht.</p>
<h3>
	1.3.3. Recheneinheit (Wertmaßstab)</h3>
<p>
	Geld wird im allgemeinen nicht nur als Tausch- oder Wertaufbewahrungsmittel, sondern auch als Recheneinheit verwendet. Im modernen Wirtschaftsverkehr ist es zweckmäßig, den Wert aller Güter, Dienstleistungen, Forderungen und&nbsp; Verbindlichkeiten in derselben Bezugsgröße auszudrücken. Es wäre zu kompliziert, wenn man zum Beispiel den Wert eines Pkw in Arbeitsstunden eines Friseurs oder in Kleidern angeben müsste, je nachdem ob man den Pkw verkaufen wollte, um zum Friseur zu gehen oder um sich ein Kleid zu kaufen. In einem solchen System gäbe es eine Vielzahl sogenannter relativer Preise. Es wäre sehr schwierig, Preisvergleiche unter verschiedenen Anbietern anzustellen, die ihre Waren in verschiedenen<br />
	Einheiten auszeichnen. Eine einheitliche Recheneinheit erleichtert die Sache ungemein. Man kommt in einer Wirtschaft mit 1000 Gütern und Geld als sogenanntem Numeraire-Gut dann mit 1000 Geldpreisen aus und spart sich das Rechnen mit fast einer Million relativer Preise.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	1.3.3. Zahlungsmittelfunktion (Wertübertragungsfunktion)</h3>
<p>
	<br />
	Geld wird auch zur Bereitstellung von Krediten und zur Tilgung von Schulden herangezogen. Damit ist eine zeitliche Trennung zwischen Kauf und Bezahlung zwischen den Tauschpartnern möglich.</p>
<h2>
	<br />
	1.4. Erscheinungsformen des Geldes</h2>
<h3>
	<br />
	1.4.1. Warengeld</h3>
<p>
	<br />
	Während in den Anfängen des Warenverkehrs seltene Güter wie Salz oder Gold als<br />
	Zahlungsmittel verwendet wurden (s.o.), ging man später vor allem zu Münzen aus Gold oder Silber über. Der Wert des Metalls, das für die Prägung der Münzen verwendet wurde, entsprach dem Wert der Münzen als Zahlungsmittel. Materialwert und Nennwert der Münzen waren also identisch. Werden Waren (wie in diesem Fall bestimmte Metalle) mit einem inneren Wert als Geld verwendet, bezeichnet man dieses Geld auch als Kurantgeld.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	1.4.2. Kredit- oder Nominalgeld</h3>
<p>
	<br />
	Geld, dessen Wert als Zahlungsmittel höher ist als der Eigenwert, wird hingegen als Kreditgeld bezeichnet. Dies ist neben den Scheidemünzen bei den Banknoten der Fall. Hier beträgt der Materialwert nur einen Bruchteil des Nennwertes. In der heutigen Zeit werden immer mehr Leistungen nicht mehr in Münzen oder Noten bezahlt. Zur Bezahlung werden Überweisungen, Schecks oder Electronic cash-Verfahren benutzt. Diese setzen ein Konto bei einer Bank voraus.<br />
	Guthaben auf solchen Bankkonten, die ohne Kündigungsfrist jederzeit abgehoben werden können, nennt man Buch- oder Giralgeld. Diese Guthaben sind ebenso wie Bargeld kurzfristig für Güterkäufe verwendbar und deshalb sehr liquide.</p>
<p>
	Guthaben auf Girokonten werden auch als Sichteinlagen bezeichnet, da über sie jederzeit ("bei Sicht") durch Barabhebung, Überweisung oder auf andere mit der Bank vereinbarte Art verfügt werden kann. Sichteinlagen werden von den Banken im allgemeinen nicht oder nur sehr niedrig verzinst (meist 0,5 %). Wer sein Geld vorübergehend anlegen möchte, kann hierfür ein Termingeldkonto wählen. Termineinlagen haben eine Laufzeit von meistens 1 - 12 Monaten.<br />
	Jedoch ist auch eine längerfristige Geldanlage möglich. Termineinlagen haben gegenüber Sichteinlagen den Vorteil einer höheren Verzinsung. Für eine längere Anlagedauer sind auch Sparkonten geeignet. Die Verfügungsmöglichkeit über Spareinlagen ist für den Bankkunden jedoch begrenzt, er muss seiner Bank den Abzug der Spareinlagen frühzeitig (zumeist mind. 3 Monate zuvor) bekanntgeben. In der Regel gilt, je länger der Anlagezeitraum desto höher der Zinssatz, aber desto geringer die Verfügungsmöglichkeit.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Da über Termin- und Spareinlagen nicht jederzeit zu Konsumzwecken verfügt werden kann, die Anlagedauer aber meist aufgrund geringer Verzinsung relativ kurz ist, werden diese Vermögensformen auch als geldnahe Forderungen oder Quasigeld bezeichnet. Bei ihnen steht die Wertaufbewahrungsfunktion im Vordergrund.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Video: <a href="https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Videos/TV1/Erklaerfilme/animationsfilm_bargeld.html">Wie kommt das Geld in die Welt</a></p>
<p>
	Video: <a href="https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Videos/TV1/Erklaerfilme/animationsfilm_preisstabilitaet.html">Preisstabilität</a></p>
<h2>
	2. Geldmengenkonzepte</h2>
<p>
	<br />
	Die Summe allen Geldes, das sich in einer Volkswirtschaft im Umlauf befindet, nennt man die<br />
	Geldmenge. Sie beeinflusst wesentlich das wirtschaftliche Geschehen einer Volkswirtschaft. Es<br />
	gibt verschiedene Definitionen der Geldmenge. Es ist naheliegend, das sich im Umlauf<br />
	befindliche Bargeld zur Geldmenge zu rechnen. Jedoch können auch Sichteinlagen bei den<br />
	Banken kurzfristig als Tauschmittel verwendet werden und innerhalb einer längeren Frist auch<br />
	Termingelder und Sparguthaben. Je nach der Fristigkeit der Betrachtung werden daher in<br />
	unterschiedlichen Geldmengenkonzepten unterschiedliche Anlageformen einbezogen. Die<br />
	verschiedenen Geldmengenkonzepte, sie sind sowohl in Deutschland als auch in der EU als M1,<br />
	M2 und M3 definiert, unterscheiden sich also durch ihren jeweiligen Umfang und Fristigkeit.<br />
	Welche Geldmenge betrachtet wird, hängt davon ab, welche Einflussfaktoren untersucht werden<br />
	sollen und in welchem Betrachtungszeitraum sich die Untersuchung abspielt.<br />
	Bei der Geldmenge M1 wird die Zahlungsmittelfunktion des Geldes betont. Dementsprechend<br />
	werden in ihr der Bargeldumlauf außerhalb des Bankensystems und die Sichteinlagen<br />
	zusammengefasst. Durch die Erweiterung der Geldmenge M1 um Gelder mit geringerem<br />
	Liquiditätsgrad ergeben sich die Geldmengen M2 und M3. Bei der Geldmenge M2 werden zu<br />
	M1 die Termineinlagen mit Kündigungsfristen von unter vier Jahren hinzugezählt. Addiert man<br />
	zu M2 Spareinlagen mit Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten, verbriefte Verbindlichkeiten<br />
	mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren, Repo-Geschäfte(1) sowie Geldmarktpapiere(2)<br />
	einschließlich Anteilen an Geldmarktfonds(3), erhält man die Geldmenge M3. Diese Geldmenge<br />
	M3 entspricht dem ehemaligen Geldmengenkonzept "M3 erweitert" der Deutschen Bundesbank.<br />
	M1 = Bargeldumlauf und Sichteinlagenbestände inländischer Nichtbanken<br />
	M2 = M1 + Termineinlagen inländischer Nichtbanken mit einer Laufzeit von unter 4 Jahren<br />
	M3 = M2 + Spareinlagen inländischer Nichtbanken mit Kündigungsfrist von bis zu 3 Monaten +<br />
	Anteile an Geldmarktfonds + Geldmarktpapiere + verbriefte Verbindlichkeiten von<br />
	bis zu 2 Jahren + Repo-Geschäfte</p>
<p>
	<br />
	--------------------------------------------------------------------------------</p>
<p>
	Ergänzende Hinweise zum Geldmengenkonzept:</p>
<p>
	<br />
	<em>1) Zu einem gegebenen Preis von den Geschäftsbanken an die nationalen Zentralbanken verkaufte Wertpapiere unter</em><br />
	<em>der gleichzeitigen Verpflichtung, dieselben (oder ähnliche) Wertpapiere zu einem festen Preis an einem festgelegten</em><br />
	<em>Tag in der Zukunft zurückzukaufen.</em><br />
	<em>2) Verbriefte Vermögensrechte (z.B. Schatzwechsel, Commercial Papers), die mit dem primären Ziel der</em><br />
	<em>Liquiditätsversorgung am Geldmarkt (überwiegend) zwischen den Kreditinstituten gehandelt werden;</em><br />
	<em>Geldmarktpapiere sind sehr liquide und relativ kurssicher.</em><br />
	<em>3) Fonds, die nur in Geldmarktpapiere investieren; sie sind ebenfalls als liquide einzustufen, da über diese Anteile</em><br />
	<em>kurzfristig verfügt werden kann.</em></p>
<p>
	<br />
	--------------------------------------------------------------------------------</p>
<p>
	Video: <a href="http://www.ecb.int/ecb/educational/shared/movies/Chapter4_de.flv">Geldpolitische Stratiegie</a><br />
	&nbsp;</p>
<h2>
	3. Geldnachfrage</h2>
<p>
	<br />
	Wirtschaftssubjekte fragen Geld nach, d.h. sie halten einen Teil ihres Vermögens in Form von<br />
	Bargeld, weil es Tausch- und Wertaufbewahrungsfunktionen erfüllt. Häufig wird bei den<br />
	Beweggründen, Geld zu halten zwischen dem Transaktions-, Vorsichts- und Spekulationsmotiv<br />
	unterschieden.</p>
<p>
	<br />
	Die Transaktionskasse wird für alltägliche Waren- und Dienstleistungskäufe benötigt. Für den<br />
	einzelnen ist die Höhe der Transaktionskasse von den geplanten Einnahmen und Ausgaben<br />
	abhängig. Gesamtwirtschaftlich betrachtet ist die Transaktionskassenhaltung dementsprechend<br />
	vom Volkseinkommen abhängig: je höher das Einkommen, desto höher der Betrag der für<br />
	Güterkäufe gehalten wird.</p>
<p>
	<br />
	Die Vorsichtskasse wird von den Wirtschaftssubjekten gehalten, weil Einnahmen und Ausgaben<br />
	sich nicht mit vollkommener Sicherheit vorhersagen lassen. Um dem Risiko zu entgehen, eine<br />
	Rechnung nicht bezahlen zu können, wird der einzelne vorsichtshalber etwas mehr Bargeld mit<br />
	sich führen oder mehr Geld auf dem Girokonto halten, als er vermutlich benötigt.<br />
	Die Transaktions- und Vorsichtskassenhaltung hängt also mit der Tauschmittelfunktion des<br />
	Geldes zusammen. Die Höhe der Transaktions- und Vorsichtskasse eines Haushalts hängt von<br />
	dessen Einkommen ab. In einer Volkswirtschaft steigt diese Kassenhaltung mit dem<br />
	Volkseinkommen. Erkennbar ist aber auch eine Zinsabhängigkeit der Transaktions- und<br />
	Vorsichtskassenhaltung. Dies hängt mit den Opportunitätskosten der Transaktions- und<br />
	Vorsichtskassenhaltung zusammen. Die Opportunitätskosten entstehen, da das Geld nicht oder<br />
	nur niedrig verzinst wird. Die Opportunitätskosten hängen also von der Höhe der Zinsen ab, die<br />
	sich alternativ zur Kassenhaltung für die Vermögensanlage erzielen läßt. Wenn festverzinsliche<br />
	Wertpapiere vergleichsweise hohe Zinsen einbringen, werden die Wirtschaftssubjekte ihre<br />
	Bargeldbestände möglichst knapp kalkulieren, da diese keine Zinsen abwerfen.</p>
<p>
	<br />
	Bei der Spekulationskassenhaltung schließlich kommt die Wertaufbewahrungsfunktion des<br />
	Geldes zur Geltung. Vermögensanlagen, zum Beispiel in Wertpapieren, bieten zwar Zinsen,<br />
	unterliegen aber Wertschwankungen. Demgegenüber liefert Kassenhaltung zwar keine oder<br />
	kaum Erträge, ist aber auch keinen Wertschwankungen unterworfen. Deshalb werden die<br />
	Wirtschaftssubjekte, wenn sie Verluste bei der Anlage in Wertpapieren fürchten, lieber ihr<br />
	Vermögen risikolos in Sichteinlagen oder kurzfristigen Termineinlagen halten.</p>
<p>
	<br />
	Verluste entstehen bei Anleihen, wenn ein Wirtschaftssubjekt eine Anleihe verkaufen möchte<br />
	und der Zinssatz seit dem Kauf gestiegen ist. Anleihen haben i.d.R. während ihrer ganzen<br />
	Laufzeit eine gleichbleibende Verzinsung. Steigt der Zinssatz auf dem Kapitalmarkt<br />
	beispielsweise von 6% auf 8%, dann will niemand mehr an der Börse eine Anleihe zum<br />
	ursprünglichen Wert kaufen, die nur 6% Zinsen abwirft. Dies wird verständlich, wenn man sich<br />
	klar macht, daß eine Anleihe zum Ausgabepreis von € 100 und einem nominalen Zinssatz von<br />
	6% eine jährliche Verzinsung von sechs € bringt, während neue Anleihen mit einer nominalen<br />
	Verzinsung von 8% acht € Zinsen einbringen. Jeder der eine Anleihe kaufen möchte, wird<br />
	daher höchstens einen Preis bieten, bei dem die Differenz aus Kurswert und Nominalwert plus<br />
	der Verzinsung von 6% genau eine effektive Verzinsung von 8% ergibt. Deshalb fällt der Kurs<br />
	dieser Anleihe.<br />
	Ein Anleger wird mit dem Kauf einer Anleihe noch warten und sein Geld auf dem Girokonto<br />
	belassen, wenn er damit rechnet, dass in Kürze der Zinssatz für Anleihen steigen wird, er also bei<br />
	einem späteren Kauf höhere Zinsen erhält. Die Spekulationskassenhaltung ist folglich<br />
	zinsabhängig. Je niedriger der Zinssatz und je stärker auch die Erwartung steigender Zinsen ist,<br />
	um so höher ist die Spekulationskassenhaltung.<br />
	Insgesamt steigt die Geldnachfrage also tendenziell bei steigendem Volkseinkommen und<br />
	sinkendem Zinssatz. Die Geldnachfrage wird schwächer, wenn der Zinssatz steigt oder das<br />
	Volkseinkommen fällt.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	4. Geldangebot und Geldschöpfung</h2>
<p>
	<br />
	Das Geldangebot bezeichnet die Geldmenge, die den Wirtschaftssubjekten einer Volkswirtschaft<br />
	vom Finanzsektor zur Verfügung gestellt wird. Es umfasst das Bargeld in den Händen des<br />
	Publikums als auch die Einlagen bei Banken, die bei Bedarf für Transaktionen verwendet werden<br />
	können, z.B. Girokonten. Die Höhe des Geldangebots wird zum einen durch die Europäische<br />
	Zentralbank&nbsp; bestimmt. Basis des Geldschöpfungsprozesses ist das<br />
	Zentralbankgeld. Dieses setzt sich aus dem von der EZB ausgegebenen Bargeld sowie den<br />
	Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB zusammen. Das Zentralbankgeld bildet die<br />
	Grundlage des Geldschöpfungsprozesses.<br />
	Zum anderen bestimmt der Prozess der Geldschöpfung die angebotene Geldmenge. Wie oben<br />
	gezeigt besteht die Geldmenge nicht nur aus dem Bargeldumlauf, sondern auch aus dem Buch oder<br />
	Giralgeld. Mit ihren Aktivitäten kann die EZB die in Umlauf befindliche Geldmenge beeinflussen.<br />
	Bargeldumlauf bzw. Buchgeldmenge steigen zum Beispiel, wenn die EZB Aktiva wie Grundstücke,<br />
	Wertpapiere oder Devisen ankauft und den Kaufpreis bar bezahlt. Denn dabei gelangt Geld in Umlauf,<br />
	das zuvor in den Tresoren der Zentralbank lag und daher nicht zur Geldmenge gerechnet wurde, da es<br />
	ja nicht im Umlauf war. Dasselbe passiert, wenn die Zentralbank nicht bar bezahlt, sondern den<br />
	Kaufpreis auf einem Konto gutschreibt. Die Buchgeldmenge steigt ebenso, wenn Geschäftsbanken<br />
	von den Nichtbanken (Unternehmen und Haushalten) Aktiva ankaufen und den Gegenwert auf einem Konto gutschreiben. Die Höhe des vorhandenen Buchgeldes beeinflussen auch die Geschäftsbanken über ihre<br />
	Kreditvergabe. Die hieraus entstehende maximale Höhe des Buch- oder Giralgeldes ergibt sich<br />
	aus dem sogenannten Prozess der multiplen Giralgeldschöpfung. Die folgende Darstellung soll<br />
	diesen Prozess skizzieren:<br />
	In einer Welt ohne Geschäftsbanken (sog. einstufiges Bankensystem) ist das Zentralbankgeld<br />
	gleich der Geldmenge, da es nur Geld in Form von Bargeld gibt. Diese Annahme gilt auch, wenn<br />
	die Kreditinstitute 100% ihrer Einlagen als Reserve halten. Zahlt beispielsweise ein Kunde<br />
	Bargeld auf sein Konto ein, und wird dieses Geld von der Bank stets für eine eventuelle<br />
	Auszahlung bereit gehalten, dann hat sich die Geldmenge nicht verändert. Denn sowohl das<br />
	umlaufende Bargeld als auch die Sichteinlagen bei den Banken werden zur Geldmenge gezählt.<br />
	Zur Geldschöpfung durch die Kreditinstitute kommt es erst dann, wenn diese nicht mehr als<br />
	100% ihrer Einlagen als Reserve halten müssen. Bei einem Kreditinstitut existieren<br />
	beispielsweise Sichteinlagen in Höhe von 100.000 €. Das Kreditinstitut ist verpflichtet, in<br />
	Höhe eines Teils dieses Geldes (z.B. 10 %) eine Mindestreserve auf seinem Konto bei der EZB<br />
	zu unterhalten. Einen weiteren Teil (bspw. wieder 10 %) hält es als Bargeld - und zwar in Höhe<br />
	der erwarteten Barabhebungen der Bankkunden von ihren Konten. Den verbleibenden Betrag von<br />
	80.000 € kann die Bank als Kredit vergeben, vorausgesetzt, eine Kreditnachfrage in dieser<br />
	Höhe zum dem von der Bank geforderten Zinssatz besteht bei einem Bankkunden. Dieser erhält<br />
	den Kredit und verfügt über den Kreditbetrag durch Überweisung auf das Konto bei einer<br />
	anderen Bank, um bspw. eine Rechnung bei einem Lieferanten zu begleichen. Die Bank des<br />
	Lieferanten hat jetzt eine zusätzliche Einlage von 80.000 €. Hiervon wird sie wieder die<br />
	vorgeschriebene Mindestreserve und einen Teil in Bargeld halten - in diesem Bsp. 16.000 €.<br />
	Den verbleibenden Betrag von 64.000 € kann sie wieder als Kredit vergeben. Dieser Prozess<br />
	kann viele Runden lang so weiter gehen, er endet aber spätestens, wenn in Höhe der<br />
	Wirkungen einer Geldmengenänderung ursprünglichen Sichteinlage Bargeld und Mindestreserven bei den beteiligten Kreditinstituten gehalten werden - hier also, wenn die Summe aller Sichteinlagen 500.000 € beträgt.</p>
<p>
	Bei der Geldschöpfung sind die Geschäftsbanken auf die EZB angewiesen. Die EZB kann als<br />
	einzige Zentralbankgeld bereitstellen und die Höhe der Mindestreservehaltung festlegen. Die<br />
	Verantwortung für das Geldangebot liegt also letztendlich bei der EZB. Sie regelt das<br />
	Geldangebot, das schließlich auf den Gütermarkten für Transaktionen zur Verfügung steht.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	5. Wirkungen einer Geldmengenänderung</h2>
<p>
	<br />
	In den vorhergehenden Abschnitten wurden Geldnachfrage und Geldangebot beschrieben. Das<br />
	Geldangebot wird in erster Linie von der EZB bestimmt. Die Geschäftsbanken beeinflussen zwar<br />
	mit ihren Entscheidungen den Prozeß der Giralgeldschöpfung mit, gegen den Willen der EZB ist<br />
	auf Dauer eine Geldmengenexpansion aber nicht möglich.<br />
	Im folgenden werden die Auswirkungen einer Geldmengenänderung auf Inflation,<br />
	Beschäftigung, Produktion und Volkseinkommen untersucht. Gleichzeitig werden die<br />
	unterschiedlichen Transmissionsmechanismen dargestellt, mit denen sich Änderungen in der<br />
	Geldpolitik (oft auch als monetäre Schocks bezeichnet) auf die Volkswirtschaft auswirken.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	<br />
	5.1. Expansive Geldpolitik</h3>
<p>
	<br />
	Expansive Geldpolitik soll zunächst an einem einfachen Fall dargestellt werden.<br />
	Dabei entstehen Wirkungsketten. Die EZB kann<br />
	z.B. durch die Senkung der Mindestreservesätze (siehe 8.3) oder den Ankauf von Devisen oder<br />
	Wertpapieren die Geldmenge erhöhen. Da den Kreditinstituten mehr Geld zur Verfügung steht,<br />
	wird deren Bereitschaft, Kredite zu gewähren, steigen. Der Zins sinkt.<br />
	Der sinkende Zinssatz wird Unternehmen und Privatleute dazu bewegen, mehr Kredite in<br />
	Anspruch zu nehmen und Investitionen zu tätigen bzw. mehr zu konsumieren. Die<br />
	gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt. Wenn das Angebot der Unternehmen nicht kurzfristig im<br />
	Ausmaß der zusätzlichen staatlichen Nachfrage erhöht werden kann, stößt die zusätzliche<br />
	Nachfrage auf ein gleichbleibendes Angebot. Es wird zu Preiserhöhungen kommen. Die Folge<br />
	der Geldmengenausweitung durch die Kreditgewährung an den Staat ist dann Inflation, das heißt<br />
	eine allgemeine Erhöhung des Preisniveaus.<br />
	Wenn jedoch die Unternehmen in der Lage sind, kurzfristig ihr Angebot auszudehnen, weil sie<br />
	über unausgelastete Kapazitäten verfügen, dann steigt die Produktion und damit das<br />
	Volkseinkommen. Stellen die Unternehmen hierzu zusätzlich neue Arbeitskräfte ein, sinkt die<br />
	Arbeitslosigkeit. Entscheidend für den Effekt einer Geldmengenausweitung auf das Preisniveau<br />
	und das Volkseinkommen ist es demnach, in welcher Situation sich die Volkswirtschaft zur Zeit<br />
	der Geldmengenausweitung befindet.<br />
	Die im zweiten Fall dargestellte günstigere Arbeitsmarktsituation kann die Gewerkschaften<br />
	veranlassen, höhere Löhne zu fordern. Wenn die Arbeitgeber den Lohnforderungen nachgeben,<br />
	dann steigen die Löhne und damit die Kosten der Unternehmen. Die Unternehmer werden diese<br />
	Kostensteigerung auf die Preise aufschlagen. Es steigt also wiederum das allgemeine<br />
	Preisniveau (Lohn-Preis-Spriale). Die Geldmengenausweitung hat dann kurzfristig einen<br />
	expansiven Impuls auf Beschäftigung, Produktion und Volkseinkommen, mittel- bis langfristig<br />
	&nbsp;kommt es auch zu Preissteigerungen.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	5.2. Restriktive Geldpolitik</h3>
<p>
	<br />
	Im folgenden soll dargestellt werden, wie eine Senkung des Geldangebots wirkt und welche<br />
	Wirkungsketten entstehen. Diese kann die EZB zum Beispiel durch den Verkauf von<br />
	Devisen oder Wertpapieren an die Kreditinstitute bzw. durch eine Erhöhung des<br />
	Mindestreservesatzes bewirken. Durch den Verkauf tauscht die Notenbank<br />
	Devisen oder Wertpapiere gegen Zentralbankgeld. Die Banken haben nun im<br />
	Vergleich zu vorher weniger Geld für Giralgeldschöpfung zur Verfügung und sind in ihren<br />
	Möglichkeiten eingeschränkt, Kredite zu vergeben. Die Refinanzierung verteuert sich, da andere<br />
	Formen der Refinanzierung mit höheren Finanzierungskosten verbunden sind. Die Kreditinstitute<br />
	werden die Kreditzinsen anheben. Unternehmen und Privatleute werden tendenziell weniger<br />
	Kredite aufnehmen und weniger Investitions- oder Konsumgüter kaufen. Insgesamt wird also die<br />
	Güternachfrage sinken, die Güterpreise geraten unter Druck. Wenn die Unternehmen die<br />
	sinkenden Preise aufgrund starrer Löhne und starrer Preise für Vorprodukte nicht kompensieren<br />
	Wirkungen einer Geldmengenänderung können, ist mit Produktionsrückgängen und Entlassungen<br />
	zu rechnen. Die Folge ist höhere Arbeitslosigkeit.</p>
<p>
	Entsprechende Wirkungsketten ergeben sich, wenn die Notenbank die Zinsen verändert, zu<br />
	denen sich die Kreditinstitute bei der EZB Geld beschaffen können. Die Kreditinstitute werden<br />
	sich den veränderten Geldbeschaffungsmöglichkeiten anpassen und bei gestiegenen<br />
	(gesunkenen) Zinsen aufgrund der teurer (billiger) gewordenen Refinanzierung weniger (mehr)<br />
	Kredite vergeben. Es ergeben sich die bekannten Folgen.<br />
	Alle hier dargestellten Überlegungen zur Wirkung der Geldpolitik der Notenbank können die<br />
	komplexen Vorgänge der Wirklichkeit nicht vollständig erfassen. Die Darstellung ist stark<br />
	vereinfacht. Die genauen Wirkungen, vor allem das Ausmaß einer Reaktion und die<br />
	Anpassungsgeschwindigkeit der Wirtschaft an monetäre Maßnahmen sind umstritten. Konsens<br />
	ist allerdings, daß langfristig eine übermäßige Ausweitung der Geldmenge immer von Inflation<br />
	begleitet ist, die sich nicht an den Produktionsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft orientiert.<br />
	Da die Zentralbank langfristig für die Inflationsrate verantwortlich ist, kurzfristig diese aber nur<br />
	bedingt beeinflussen kann, verwenden einige Notenbanken ein Zwischenziel, das sie relativ<br />
	kurzfristig steuern können und das mit dem eigentlichen Ziel der Preisniveaustabilität<br />
	zusammenhängt.<br />
	Die EZB sieht in der Geldmenge M3 eine geeignete Zwischenzielgröße. M3 läßt sich von der<br />
	EZB durch ihre geldpolitischen Maßnahmen steuern und steht längerfristig in einem stabilen<br />
	Zusammenhang mit der Inflationsentwicklung. Parallel zur Analyse des Geldmengenwachstums<br />
	beurteilt die EZB die Aussichten für die Preisentwicklung und die Risiken für die Preisstabilität<br />
	im Euro-Währungsgebiet. Für diese Beurteilung wird ein breites Spektrum von Indikatoren (z.B.<br />
	Verbraucherverhalten, Wachstum des Produktionspotentials der Volkswirtschaft, Änderung der<br />
	Umlaufgeschwindigkeit des Geldes etc.) herangezogen. Orientiert an diesen Einflußfaktoren<br />
	bildet die EZB einen Zielwert für das Geldmengenwachstum.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	6.Europäischen Währungsunion und das Europäische System der Zentralbanken</h2>
<h3>
	<br />
	6.1 Zeittafel zur Europäischen Währungsunion</h3>
<p>
	<br />
	1969<br />
	Die Staats- und Regierungschefs der EG-Staaten beschließen auf einem Gipfeltreffen in Den<br />
	Haag, stufenweise eine Wirtschafts- und Währungsunion zu schaffen. Der luxemburgische<br />
	Ministerpräsident und Finanzminister Pierre Werner leitet einen Ausschuß, der ab März 1970<br />
	einen Plan für die Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion ("Werner-Plan")<br />
	ausarbeitet und ihn im Oktober 1970 vorlegt.<br />
	1971<br />
	Im März wird der Werner-Plan verabschiedet. Im selben Jahr kommt es jedoch zu weltweiten<br />
	Währungsturbulenzen; sie führen dazu, daß die USA den Dollar-Gold-Standard aufheben; das<br />
	Ende des 1947 geschaffenen Systems weltweiter fester Wechselkurse (Bretton Woods-System)<br />
	wird eingeleitet.<br />
	1972<br />
	Um die negativen Auswirkungen der frei schwankenden Wechselkurse für den Bereich der<br />
	EWG-Staaten zu begrenzen, wird im März der Europäische Währungsverbund gegründet: Die<br />
	Wechselkurse der Währungen der EWG-Staaten dürfen nur um höchstens 2,25 Prozent nach<br />
	oben oder nach unten von den vereinbarten Leitkursen abweichen ("Währungsschlange").<br />
	1979<br />
	Die "Währungsschlange" wird im März zum Europäische Währungssystem (EWS)<br />
	weiterentwickelt. Auch hier war vorgesehen, daß alle EG-Währungen zu den ehedem gültigen<br />
	5. Zeittafel zur Europäischen Währungsunion 13<br />
	Bedingungen, einer maximalen Schwankungsbreite von ± 2,25 Prozent, am<br />
	Wechselkursmechanismus teilnehmen sollten. Die bilateralen Leitkurse waren nun in ECU, der<br />
	neu eingeführten Rechnungs- und Währungseinheit des EWS definiert.<br />
	1988<br />
	Eine Expertengruppe unter Leitung von Jacques Delors, dem Präsidenten der Europäischen<br />
	Kommission, wird beauftragt, einen Plan für eine Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zu<br />
	erarbeiten.<br />
	1989 - 1990<br />
	Im Juni 1989 treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EG-Staaten in Madrid und<br />
	beschließen die Einführung der Wirtschafts- und Währungsunion in drei Stufen, wie der "Delors-<br />
	Bericht" es vorgeschlagen hatte. Im Dezember 1989 wird in Straßburg beschlossen, zwei<br />
	Regierungskonferenzen einzuberufen, die die notwendigen Vertragsänderungen für die WWU<br />
	ausarbeiten sollen; sie nehmen im Dezember 1990 ihre Arbeit auf.<br />
	1991 - 1993<br />
	Im Juni 1991 beginnt die erste Stufe der Europäischen Währungsunion; sie beinhaltet vor allem<br />
	die weitgehende Aufhebung aller Kapitalverkehrskontrollen und ab 1993 die Verwirklichung des<br />
	Europäischen Binnenmarktes. Im Dezember 1991 verabschieden die Staats- und Regierungschefs<br />
	im holländischen Maastricht die von den Regierungskonferenzen vorbereiteten<br />
	Vertragsänderungen. Sie vereinbaren, die Währungsunion bis spätestens 1999 zu verwirklichen.<br />
	Der Vertrag wird im Februar 1992 unterzeichnet. In Deutschland billigen im Herbst 1993 der<br />
	Bundestag mit überwältigender Mehrheit und der Bundesrat einstimmig den Maastrichter<br />
	Vertrag, in dem genau definierte Kriterien für die Teilnahme an der Währungsunion festgesetzt<br />
	werden. Dazu zählen strikte Preisstabilität, niedrige langfristige Zinssätze, stabile Wechselkurse<br />
	im Europäischen Wechselkurssystem während der letzten zwei Jahre vor Eintritt in die<br />
	Währungsunion sowie die strikte Disziplin in den öffentlichen Haushalten.<br />
	1994<br />
	Beginn der zweiten Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Das Europäische<br />
	Währungsinstitut (EWI) mit Sitz in Frankfurt am Main wird errichtet; es bereitet die<br />
	Europäische Zentralbank vor, indem es den geldpolitischen Koordinierungsprozeß zwischen den<br />
	nationalen Notenbanken intensiviert und die geldpolitischen Instrumente harmonisiert. Das EWI<br />
	Lehrbrief Geldtheorie und -politik 14<br />
	besitzt eine eigene Rechtspersönlichkeit, seine Mitglieder sind die Zentralbanken der EUMitgliedstaaten.<br />
	1998<br />
	Im Mai bestimmen die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Europäischen Union<br />
	endgültig, welche Staaten ab 1999 der Währungsunion angehören werden. Das Europäische<br />
	System der Zentralbanken (ESZB) nimmt seine Geschäftstätigkeit auf und löst das EWI ab.<br />
	1999<br />
	Am 1. Januar beginnt die Europäische Währungsunion (EWU). In dieser dritten Stufe treten<br />
	die einzelnen Mitgliedstaaten in die EWU ein. Die geldpolitische Verantwortung geht von den<br />
	Nationalen Zentralbanken auf das ESZB über und die ECU wird durch den Euro (zunächst nur<br />
	als Giral-/Buchgeld) als neue einheitliche Währung in der Europäischen Union ersetzt.<br />
	2002<br />
	Am 1. Januar wird der Euro als Bargeld eingeführt; bis zum 1. Juni sind der Euro und die<br />
	jeweiligen nationalen Währungen übergangsweise gleichzeitig gesetzliches Zahlungsmittel.<br />
	Danach ist der Euro in allen Staaten, die an der Währungsunion teilnehmen, das alleinige<br />
	gesetzliche Zahlungsmittel.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	<a href="http://www.ecb.int/ecb/educational/shared/movies/Chapter2_de.flv">Die Geschichte der Zentralbank als Video</a></p>
<h3>
	<br />
	6.2. Das Europäische System der Zentralbanken</h3>
<p>
	<br />
	Mit Beginn der 3. Stufe des europäischen Integrationsprozesses am 1. Januar 1999 haben die<br />
	Teilnehmerstaaten ihre geldpolitische Souveränität an das ESZB abgegeben. Das ESZB nimmt<br />
	seine Tätigkeit nach Maßgabe des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (im<br />
	folgenden bezeichnet als der „Vertrag“) und der Satzung des Europäischen Systems der<br />
	Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank wahr.</p>
<p>
	<br />
	6.2.1. Organisation (Art. 106 des "Vertrages")</p>
<p>
	<br />
	Das ESZB besteht aus der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt und den<br />
	nationalen Zentralbanken. Der EZB-Rat, das Direktorium und der erweiterte Rat stellen die<br />
	Beschlußorgane des ESZB dar. Der EZB-Rat, das oberste Entscheidungsgremium des ESZB,<br />
	setzt sich aus dem Direktorium und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken zusammen.<br />
	Dem Direktorium des ESZB wiederum gehören neben dem Präsidenten und dem<br />
	Vizepräsidenten bis zu vier weitere Mitglieder aus den Teilnehmerstaaten der Währungsunion<br />
	an. Der Erweiterte Rat besteht aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten sowie den<br />
	Präsidenten aller nationalen Zentralbanken.<br />
	Dabei legt der EZB-Rat die Geldpolitik fest, während das Direktorium ermächtigt ist, die<br />
	Geldpolitik gemäß den Leitlinien und Entscheidungen des EZB-Rates auszuführen. Die<br />
	nationalen Zentralbanken führen die Beschlüsse des ESZB aus. Die geldpolitischen Geschäfte<br />
	des ESZB werden in allen Mitgliedstaaten zu einheitlichen Bedingungen durchgeführt.<br />
	Das ESZB ist weisungsunabhängig. Dies bedeutet, daß weder die EZB noch eine nationale<br />
	Zentralbank noch ein Mitglied ihrer Beschlußorgane Weisungen von Organen oder<br />
	Einrichtungen der Gemeinschaft, Regierungen der Mitgliedstaaten oder anderen Stellen einholen<br />
	oder entgegennehmen darf (Art. 107).</p>
<p>
	<br />
	6.2.2. Aufgabe</p>
<p>
	<br />
	Die Aufgaben des ESZB sind in Art. 105 des Vertrages festgelegt (hier auszugsweise):<br />
	(1)"Das vorrangige Ziel des ESZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten." Preis(niveau)stabilität<br />
	bedeutet, dass es im Inland nicht zu allgemeinen Preissteigerungen kommt. Preise für<br />
	einzelne Güter können also steigen, wenn gleichzeitig die Preise anderer Güter entsprechend<br />
	fallen (siehe 6.2.1.).<br />
	Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das<br />
	ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft, um zu den in Artikel 2 festgelegten<br />
	Zielen ("eine harmonische und ausgewogene Entwicklung des Wirtschaftslebens innerhalb der<br />
	Gemeinschaft, ein beständiges, nicht-inflationäres und umweltverträgliches Wachstum, einen<br />
	hohen Grad an Konvergenz der Wirtschaftsleistungen, ein hohes Beschäftigungsniveau, ein<br />
	hohes Maß an sozialem Schutz, die Hebung der Lebenshaltung und der Lebensqualität, den<br />
	wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten<br />
	der Gemeinschaft“) beizutragen. Das ESZB handelt im Einklang mit dem Grundsatz einer<br />
	offenen Marktwirtschaft und freiem Wettbewerb, wodurch ein effizienter Einsatz der<br />
	Ressourcen gefördert wird (Art. 3 a (1)).<br />
	Preisstabilität als Aufgabe<br />
	Um den Wert des Geldes zu erhalten, ist es wichtig, daß Preisstabilität herrscht. Preisstabilität<br />
	hat der EZB-Rat als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Euro-<br />
	Währungsgebiet von unter 2 % gegenüber dem Vorjahr definiert. Für das Erreichen der<br />
	Preisstabilität hat der EZB-Rat eine Strategie festgelegt, die der Geldmenge eine zentrale Rolle<br />
	zuweist. Dies erfolgte in Anlehnung an die bisherige Strategie der Bundesbank. Die Kontrolle<br />
	der Geldmenge ist eine notwendige Bedingung für die Preisstabilität. Als quantitativer<br />
	Referenzwert dient die als M3 bezeichnete Geldmenge (siehe 2.). Für 1999 hat die EZB beispielsweise<br />
	ein M3-Wachstum von 4,5% vorgegeben (im Juni 1999 wuchs z.B. M3 im Vergleich zum<br />
	Vorjahresmonat um 5,0 %).<br />
	Parallel zur Analyse des Geldmengenwachstums beurteilt der EZB-Rat die Aussichten für die<br />
	Preisentwicklung und die Risiken für die Preisstabilität im Euro-Währungsgebiet. Für diese<br />
	Beurteilung wird ein breites Spektrum von Indikatoren (z.B. Industrieproduktion,<br />
	Verbraucherverhalten etc.) herangezogen.<br />
	Das ESZB ist für den Erfolg seiner Stabilitätspolitik zusätzlich auf die Mitwirkung der<br />
	öffentlichen Haushalte und der Tarifpartner in den Teilnehmerländern der Währungsunion<br />
	angewiesen. Denn handeln diese nicht maßvoll, verschulden sich also zu stark oder beschließen<br />
	zu hohe Tarifabschlüsse, kann es zu Inflation kommen (siehe 5.1).<br />
	Weitere grundlegende Aufgaben des ESZB bestehen darin:<br />
	• die Geldpolitik der Gemeinschaft festzulegen und auszuführen (siehe Kapitel 8.),<br />
	• Devisengeschäfte durchzuführen,<br />
	• die offiziellen Währungsreserven der Mitgliedstaaten zu halten und zu verwalten und<br />
	• das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu fördern.<br />
	Darüber hinaus trägt das ESZB zur reibungslosen Durchführung der von den zuständigen auf<br />
	dem Gebiet der Aufsicht über die Kreditinstitute und der Stabilität des Finanzsystems ergriffenen<br />
	Maßnahmen bei.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	7. Die Deutsche Bundesbank innerhalb des ESZB</h2>
<p>
	<br />
	Die Deutsche Bundesbank ist die Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland und wurde 1957<br />
	als einheitliche Notenbank errichtet. Sie ging aus dem zweistufigen Zentralbanksystem mit der<br />
	Bank deutscher Länder und den damals rechtlich selbständigen Landeszentralbanken hervor, das<br />
	seit der Einführung der D-Mark am 20. Juni 1948 die Verantwortung für die deutsche Währung<br />
	trug. Heute sind die Landeszentralbanken als Hauptverwaltungen der Deutschen Bundesbank für<br />
	jeweils ein oder mehrere Bundesländer zuständig.<br />
	Durch den Übergang auf das ESZB hat sich die Organisationsstruktur der Bundesbank noch nicht<br />
	verändert. Das Direktorium arbeitet weiterhin in der Bundesbank in Frankfurt, und hier tagt in<br />
	der Regel auch der Zentralbankrat, das oberste Organ der Bundesbank. Bis zum Jahr 2003 soll<br />
	die Deutsche Bundesbank allerdings einer Strukturreform unterzogen werden. Die beiden zur<br />
	Auswahl stehenden Reformmodelle haben eine effizientere Organisation der Deutschen<br />
	Bundesbank zum Ziel.</p>
<h3>
	<br />
	7.1. Organisation</h3>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Die Organe der Bundesbank sind der Zentralbankrat, das Direktorium und die Vorstände der<br />
	Landeszentralbanken.<br />
	Das Direktorium ist das zentrale Exekutivorgan der Bundesbank; es führt die vielseitigen<br />
	Geschäfte mit dem Bund und seinen Sondervermögen sowie mit den Kreditinstituten aus. Zu<br />
	seinen wichtigsten Aufgaben gehören die Offenmarktgeschäfte im Auftrag des EZB-Rates, die<br />
	Geschäfte mit dem Ausland und die Verwaltung der Währungsreserven. Die<br />
	Direktoriumsmitglieder werden von der Bundesregierung vorgeschlagen und nach Anhörung des<br />
	Zentralbankrates vom Bundespräsidenten für die Dauer von acht Jahren ernannt.<br />
	Der Zentralbankrat ist das oberste Organ der Bundesbank. Er bestimmt die Geschäftspolitik der<br />
	Bundesbank und erörtert ferner die Auswirkungen der Geld- und Währungspolitik, die seit dem<br />
	1.1.1999 vom EZB-Rat und nicht mehr vom Zentralbankrat der Bundesbank bestimmt wird. Der<br />
	Zentralbankrat setzt sich aus dem Bundesbankpräsidenten, dem Vizepräsidenten, den bis zu<br />
	sechs weiteren Direktoriumsmitgliedern und den Präsidenten der neun Landeszentralbanken<br />
	(LZB) zusammen und tritt in der Regel alle 14 Tage donnerstags in Frankfurt am Main<br />
	zusammen.<br />
	Die Präsidenten der LZB, die zusammen mit einem Vizepräsidenten und ggf. einem weiteren<br />
	Vorstandsmitglied den Vorstand einer LZB bilden, werden vom Bundesrat unter Mitwirkung<br />
	der betroffenen Landesregierungen bestimmt. Die Landeszentralbanken führen in eigener<br />
	Verantwortung die Geschäfte und Verwaltungsangelegenheiten in den Bundesländern, die zu<br />
	ihrem Bereich gehören.</p>
<h3>
	<br />
	7.2. Aufgaben</h3>
<p>
	<br />
	§ 3 des Gesetzes über die Deutsche Bundesbank definiert die Aufgabe der Bundesbank: „Die<br />
	Deutsche Bundesbank ist als Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland integraler Bestandteil<br />
	des Europäischen Systems der Zentralbanken. Sie wirkt an der Erfüllung seiner Aufgaben mit<br />
	dem vorrangigen Ziel mit, die Preisstabilität zu gewährleisten, und sorgt für die bankmäßige<br />
	Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland." Die Bundesbank führt<br />
	damit als nationale Zentralbank die gemeinsame Geldpolitik des Europäischen Systems der<br />
	Zentralbanken in Deutschland aus. Als Zentralbank nimmt die Deutsche Bundesbank noch eine<br />
	Reihe weiterer, historisch gewachsener Funktionen wahr: Sie ist Notenbank, Bank des Staates<br />
	und Bank der Banken. Diese Aufgaben werden im folgenden genauer erläutert:</p>
<p>
	<br />
	7.2.1. Notenbank</p>
<p>
	<br />
	Die EZB hat das ausschließliche Recht, die Ausgabe von Banknoten innerhalb des Euro-<br />
	Währungsraumes zu genehmigen. Dabei sind die EZB und die nationalen Zentralbanken zur<br />
	Ausgabe von Banknoten berechtigt.</p>
<p>
	<br />
	7.2.2. Bank des Staates</p>
<p>
	<br />
	Die Bundesbank ist ferner die Hausbank des Bundes und eingeschränkt auch der Länder.<br />
	Sie führt für die öffentlichen Haushalte Konten, besorgt den Zahlungsverkehr und unterstützt den<br />
	Bund und die Länder bei der Kreditaufnahme am Kapitalmarkt. Mit dem Inkrafttreten der 2.<br />
	Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) zum 1. Januar 1994 dürfen<br />
	der Bund und die Länder nicht einmal mehr kurzfristig Kredite bei der Notenbank aufnehmen.<br />
	Der Staat ist also wie jeder andere Kreditnehmer auch auf Kredite bei Geschäftsbanken und<br />
	Kapitalmarkt angewiesen. Durch den Verkauf von Schuldverschreibungen am Kapitalmarkt kann<br />
	sich der Staat Geld beschaffen. Die Deutsche Bundesbank übernimmt in diesem Zusammenhang<br />
	eine Beratungs-, Mittler- und Koordinierungsfunktion. Sie wirkt als sogenannter "fiscal agent".</p>
<p>
	<br />
	7.2.3. Bank der Banken</p>
<p>
	<br />
	Die Sonderstellung der Deutschen Bundesbank als Bank der Banken beruht darauf, daß die<br />
	Kreditinstitute auf Guthaben bei der Bundesbank angewiesen sind, um ihre Zahlungsfähigkeit<br />
	aufrecht zu erhalten. Sie müssen an ihre Kunden Bargeld auszahlen und bei der Bundesbank<br />
	Guthaben, sog. Mindestreserven, unterhalten. Bargeld und Notenbankguthaben kann sich das<br />
	Bankensystem jedoch nur über die Bundesbank beschaffen. Die Deutsche Bundesbank ist als<br />
	Teil des ESZB damit auch die letzte Refinanzierungsquelle des Bankensystems in Deutschland.<br />
	Wenn das ESZB die Geldmenge knapp halten möchte, wird die Deutsche Bundesbank den<br />
	Geschäftsbanken wenig Geld zu einem hohen Zinssatz zur Verfügung stellen. Wenn das ESZB<br />
	eine Ausweitung der Geldmenge zulassen möchte, wird die Deutsche Bundesbank umgekehrt<br />
	handeln. Die nationalen Notenbanken sind also für die Umsetzung der geldpolitischen Strategie<br />
	des ESZB bedeutsam. Die Mittel, mit denen die Bundesbank die Geldversorgung steuert, werden<br />
	als geldpolitische Instrumente bezeichnet.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	<a href="http://www.ecb.int/ecb/educational/shared/movies/Chapter3_de.flv">Die Aufgaben und Funktionen als Video</a></p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	8. Geldpolitisches Instrumentarium</h2>
<p>
	<br />
	Die Europäische Zentralbank (EZB) bzw. die nationalen Zentralbanken, die die Geldpolitik<br />
	ausführen, verfügen über eine Reihe zins- und liquiditätsbeeinflussender geldpolitischer<br />
	Instrumente, um das Ziel der Preisstabilität erreichen zu können. Die Geldpolitik innerhalb der<br />
	europäischen Währungsunion stützt sich auf drei Säulen:<br />
	• die laufende Geldmarktsteuerung in Rahmen von Offenmarktgeschäften,<br />
	• die Bereitstellung von zwei ständigen Fazilitäten und<br />
	• die Mindestreserve.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">
	als Video</p>
<p>
	<a href="http://www.ecb.int/ecb/educational/shared/movies/Chapter5_de.flv"><img alt="Informationen zu den Geldpolitischen Instrumenten als Video zum Download" border="0" height="140" src="http://www.ecb.int/ecb/educational/movies/shared/img/Chapter5-thumb.jpg" style="display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;" title="Video" width="250" /></a></p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	8.1 Offenmarktgeschäfte</h2>
<p>
	<br />
	Bei den geldpolitischen Operationen des ESZB stehen, entsprechend der zuvor in den meisten<br />
	Ländern verbreiteten Praxis, Offenmarktgeschäfte im Mittelpunkt. Auf sie stützt sich vorrangig<br />
	die laufende zins- und liquiditätspolitische Steuerung des Geldmarktes, so wie sie auch die<br />
	Bundesbank seit Jahren betrieben hat.<br />
	Als Offenmarktpolitik bezeichnet man den An- und Verkauf von Wertpapieren am offenen<br />
	Markt. Sie werden eingesetzt, um die Zinssätze und Liquidität am Markt zu steuern und Signale<br />
	bezüglich des geldpolitischen Kurses zu geben. Die Geschäfte werden zu Marktzinssätzen<br />
	abgewickelt. Um einen Geschäftsabschluß in die Wege zu leiten, muß die Bundesbank mit ihrem<br />
	Satz dabei etwas günstiger sein als der bisherige Marktzins. Nur so kann sie Geld in den Markt<br />
	schleusen oder ihm entziehen. Sie verbessert die Liquiditätsversorgung, wenn sie Wertpapiere<br />
	ankauft, und sie zieht Geld aus dem Markt, wenn sie Wertpapiere an die Marktteilnehmer<br />
	verkauft.<br />
	Bei Offenmarktgeschäften geht die Initiative von der EZB aus, die auch über das Instrument und<br />
	die Bedingungen für die Geschäfte entscheidet. Im Hinblick auf ihre Zielsetzung, den Rhythmus<br />
	und die Verfahren können die Offenmarktgeschäfte des ESZB in die folgenden vier Kategorien<br />
	unterteilt werden:<br />
	• Hauptrefinanzierungsgeschäfte,<br />
	• längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (Basistender),<br />
	• Feinsteuerungsoperationen,<br />
	• und strukturelle Operationen.<br />
	Unter den vier Formen beziehungsweise Gruppen von Offenmarktgeschäften liegt das<br />
	Schwergewicht eindeutig auf den zwei Geschäftsarten, die hinsichtlich Laufzeit und<br />
	Abschlußrhythmus standardisiert sind und regelmäßig allen Geschäftspartnern im Wege<br />
	sogenannter Tenderverfahren angeboten werden. Es sind dies die sogenannten<br />
	Hauptrefinanzierungsoperationen und die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte. In beiden<br />
	Fällen handelt es sich um liquiditätsbereitstellende Transaktionen, bei denen jedoch im<br />
	Unterschied zu definitiven Käufen von notenbankfähigen Aktiva (wie etwa am Rentenmarkt)<br />
	Liquidität nur auf Zeit (befristet) zur Verfügung gestellt wird.</p>
<h3>
	<br />
	8.1.1. Hauptrefinanzierungsgeschäfte</h3>
<p>
	<br />
	Die Hauptrefinanzierungsgeschäfte werden im wöchentlichen Rhythmus mit 14-tägiger<br />
	Laufzeit als sogenannte befristete Transaktionen ausgeschrieben. Sie schließen quasi nahtlos an<br />
	die den deutschen Banken und der deutschen Öffentlichkeit seit Jahren bekannten regelmäßigen<br />
	Wertpapierpensionsgeschäfte der Bundesbank an.<br />
	Im Rahmen der Hauptrefinanzierungsgeschäfte bieten die nationalen Zentralbanken (im Auftrage<br />
	des ESZB) den Kreditinstituten an, ihnen Wertpapiere ab 28.6.2000 per Zinstender (siehe 8.1.3)<br />
	als Standardtender abzukaufen; die Kreditinstitute müssen sich jedoch gleichzeitig verpflichten,<br />
	die Wertpapiere zu einem bestimmten Termin zurückzukaufen. Anhand des Volumens und des<br />
	Zinssatzes wird dabei die geldpolitische Grundlinie des ESZB vorgegeben. Diesem Instrument<br />
	kommt eine Schlüsselrolle zu, da es dem Finanzsektor den größten Teil der Liquidität zur<br />
	Verfügung stellt.</p>
<h3>
	<br />
	8.1.2. Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte</h3>
<p>
	<br />
	Die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte sind liquiditätszuführende, befristete<br />
	Transaktionen in monatlichem Abstand und einer Laufzeit von drei Monaten. Über diese<br />
	Geschäfte werden den Geschäftsbanken zusätzliche längerfristige Refinanzierungsmittel zur<br />
	Verfügung gestellt. Im allgemeinen verfolgt das ESZB mit diesen Geschäften jedoch nicht, wie<br />
	beim Hauptrefinanzierungsgeschäft, die Absicht, dem Markt Signale zu geben. Die nationalen<br />
	Zentralbanken (im Auftrage des ESZB) treten deshalb im Regelfall als Preisnehmer auf, d. h. die<br />
	längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte werden im Wege von Zinstenderverfahren als<br />
	Standardtender (siehe 8.1.3) durchgeführt.</p>
<h3>
	<br />
	8.1.3. Tenderverfahren</h3>
<p>
	<br />
	Das Tenderverfahren, auch Versteigerungsverfahren genannt, wird in Mengen- und Zinstender<br />
	unterschieden. Beide Tenderverfahren werden in der Regel als Standardtender ausgeführt,<br />
	möglich ist aber auch der Schnelltender. Standardtender sollen jedem geldpolitischen<br />
	Geschäftspartner die Teilnahme ermöglichen. Sie werden insbesondere bei regelmäßigen<br />
	Offenmarktgeschäften - Haupt- und längerfristige Refinanzierungsgeschäfte - sowie<br />
	gegebenenfalls auch bei strukturellen Operationen verwendet und stehen somit im Vordergrund.<br />
	Schnelltender dagegen dienen Feinsteuerungsoperationen mit einem beschränkten Kreis von<br />
	Geschäftspartnern.<br />
	Beim Mengentender legen die nationalen Zentralbanken (im Auftrag des ESZB) intern das<br />
	Volumen des Geschäfts, also wieviel Wertpapiere sie den Kreditinstituten für eine befristete Zeit<br />
	abkaufen wollen, fest. Anschließend gibt sie sowohl die Laufzeit als auch den Zins bekannt. Die<br />
	Kreditinstitute nennen dann nur noch den Betrag, den sie zeichnen wollen. Übersteigt die<br />
	Gesamtnachfrage der Kreditinstitute das Angebot, wird anteilig zugeteilt.<br />
	Beim Zinstender legen die nationalen Zentralbanken intern das Volumen des Geschäfts fest und<br />
	geben dann die Laufzeit bekannt. Daraufhin geben die Kreditinstitute ihre Angebote (Volumen)<br />
	mit einem von ihnen gewählten Zinssatz, den sie zu zahlen bereit sind, ab. Die jeweilige<br />
	Zentralbank ordnet die Angebote dann nach der Höhe der Zinssätze. Sodann wird zu den<br />
	Zinssätzen zugeteilt, die die Kreditinstitute geboten haben, bis der Gesamtbetrag, den die<br />
	jeweilige Zentralbank im ersten Schritt bestimmt hatte, erreicht ist.</p>
<h3>
	<br />
	8.1.4. Feinsteuerungsoperationen und strukturelle Operationen</h3>
<p>
	<br />
	Feinsteuerungsoperationen werden von Fall zu Fall zur Steuerung der Marktliquidität und der<br />
	Zinssätze durchgeführt, und zwar insbesondere, um die Auswirkungen unerwarteter<br />
	marktmäßiger Liquiditätsschwankungen auf die Zinssätze auszugleichen. Die Feinsteuerung<br />
	erfolgt in erster Linie über befristete Transaktionen, u. U. aber auch in Form von definitiven<br />
	Wertpapierkäufen bzw. -verkäufen, Devisenswapgeschäften und der Hereinnahme von<br />
	Termineinlagen (kurzfristige Anlage der Banken bei den Zentralbanken). Auch die<br />
	Feinsteuerungsoperationen werden von den nationalen Zentralbanken durchgeführt. Nur in<br />
	Ausnahmefällen entscheidet der EZB-Rat, ob sie von der EZB selbst durchgeführt werden.<br />
	Darüber hinaus kann das ESZB strukturelle Operationen über die Emission von<br />
	Schuldverschreibungen, befristete Transaktionen und definitive Wertpapierkäufe bzw. -verkäufe<br />
	durchführen. Diese Operationen werden genutzt, wenn die EZB die strukturelle<br />
	Liquiditätsposition des Finanzsektors gegenüber dem ESZB (in regelmäßigen oder<br />
	unregelmäßigen Abständen) anpassen will. Strukturelle Operationen in Form von befristeten<br />
	Transaktionen oder im Wege der Emission von Schuldtiteln werden nur von den nationalen<br />
	Zentralbanken durchgeführt.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	8.2. Ständige Fazilitäten</h2>
<p>
	<br />
	Die ständigen Fazilitäten (die Gesamtheit der den Geschäftsbanken eingeräumten Kreditmöglichkeiten)<br />
	dienen dazu, Übernachtliquidität bereitzustellen oder zu absorbieren.<br />
	Sie signalisieren den allgemeinen Kurs der Geldpolitik und stecken Ober- und Untergrenze der<br />
	Geldmarktsätze für Tagesgelder ab. Die Geschäftsbanken können zwei ständige Fazilitäten auf<br />
	eigene Initiative in Anspruch nehmen: die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die<br />
	Einlagenfazilität.<br />
	Die Geschäftspartner können die Spitzenrefinanzierungsfazilität<br />
	&nbsp;nutzen, um sich von den nationalen Zentralbanken Übernachtliquidität zu<br />
	einem vorgegebenen Zinssatz gegen refinanzierungsfähige Sicherheiten zu beschaffen. In der<br />
	Regel gibt es keine Kredithöchstgrenzen, und die Inanspruchnahme dieser Fazilität durch die<br />
	Geschäftspartner unterliegt auch keinen sonstigen Beschränkungen mit Ausnahme der<br />
	Bedingung, daß ausreichende Sicherheiten zur Verfügung stehen müssen. Der Zinssatz für die<br />
	Spitzenrefinanzierungsfazilität bildet im allgemeinen die Obergrenze (ehemaliger Lombardsatz)<br />
	des Tagesgeldsatzes.<br />
	Die Einlagenfazilität&nbsp; können die Geschäftspartner nutzen, um bei eigenen kurzfristigen<br />
	Liquiditätsüberschüssen bei den nationalen Zentralbanken Guthaben bis zum nächsten<br />
	Geschäftstag anzulegen. In der Regel gibt es keine Betragsbegrenzungen für die entsprechenden<br />
	Einlagekonten, und die Inanspruchnahme dieser Fazilität durch die Geschäftsbanken unterliegt<br />
	auch keinen sonstigen Beschränkungen. Der Zinssatz für die Einlagenfazilität bildet im allgemeinen<br />
	die Untergrenze (ehemaliger Diskontsatz) des Tagesgeldsatzes. Die ständigen Fazilitäten werden<br />
	dezentral von den nationalen Zentralbanken verwaltet.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	8.3. Mindestreservepolitik</h2>
<p>
	<br />
	Die EZB verlangt von den Kreditinstituten, daß sie im Rahmen der Mindestreservevorschriften des ESZB Mindestreserven auf Konten bei den nationalen Zentralbanken unterhalten. Das zu diesem Zweck unterhaltende Guthaben, dessen Höhe sich nach bestimmten Verbindlichkeiten richtet, wird zum Satz für die ESZB-Hauptrefinanzierungsgeschäfte verzinst.&nbsp; Dieser <a href="http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Kerngeschaeftsfelder/Geldpolitik/Mindestreserven/Zinssaetze_Reservesaetze/zinssaetze_reservesaetze.html">Mindestreservesatz</a> wurde 1999, zu Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion, auf 2% festgesetzt und ab dem 18.01.2012 auf 1 % abgesenkt. Um die Mindestreservepflicht nicht umgehen zu können, unterliegen auch kurzfristige Bankschuldverschreibungen oder sogenannte €-Einlagenzertifikate der Mindestreservepflicht. Die Mindestreserve muß lediglich im Monatsdurchschnitt erfüllt werden, d. h. eine Unterdeckung an einzelnen Tagen kann durch eine Überdeckung an anderen Tagen ausgeglichen werden.</p>
<p>
	<br />
	Die Mindestreserve erfüllt eine liquiditätspolitische Doppelfunktion. Bei gegebenen<br />
	Reservesätzen begrenzt sie die Geldschöpfungsmöglichkeiten (siehe 5.) der Banken, denn bei einem Einlagenwachstum müssen die Kreditinstitute ihre Guthaben bei der jeweiligen nationalen Zentralbank erhöhen. Bei einer Erhöhung der Reservesätze werden Mittel der Kreditinstitute gebunden. Bei einer Senkung der Reservesätze werden Mittel frei, die die Kreditinstitute dann anderweitig verzinslich anlegen können.<br />
	Mit der Mindestreserve ist auch ein Rentabilitätseffekt verbunden. Hohe Reservesätze schmälern die Erträge der Kreditinstitute, die dies in niedrigeren Haben-Zinsen an ihre Einlagenkunden oder höhere Soll-Zinsen an ihre Kreditkunden weitergeben werden. Auch so können die nationalen Zentralbanken bzw. das ESZB Einfluß auf das Zinsniveau und damit auf die Kreditnachfrage und die&nbsp; Geldmengenentwicklung nehmen.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	<a href="http://www.ecb.int/ecb/educational/movies/html/index.de.html">weiter Videos von der EZB</a></h3>
<p>
	http://www.ecb.int/ecb/educational/movies/html/index.de.html</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	Literatur</h3>
<p>
	Bofinger, Peter / Reischle, Julian / Schächter, Andrea (1996): Geldpolitik: Ziele, Institutionen,<br />
	Strategien und Instrumente, München.<br />
	Deutsche Bundesbank (verschieden Jahrgänge): Monatsberichte, Frankfurt.<br />
	Duwendag, Dieter (1999): Geldtheorie und Geldpolitik in Europa : eine problemorientierte<br />
	Einführung mit einem Kompendium monetärer Fachbegriffe ; 5., neubearb. Aufl.., Berlin,<br />
	Heidelberg.<br />
	Görgens, Egon / Ruckriegel, Karlheinz / Seitz, Franz 1999: Europäische Geldpolitik, Düsseldorf.<br />
	Issing, Otmar 1998: Einführung in die Geldtheorie, 11., überarb. Aufl., München.<br />
	Europäische Zentralbank 1998: Die einheitliche Geldpolitik in Stufe 3: Allgemeine Regelungen<br />
	für die geldpolitischen Instrumente und Verfahren des ESZB, Frankfurt.<br />
	Website der Deutschen Bundesbank http:// <a href="http://www.bundesbank.de/">www.bundesbank.de</a><br />
	Website der Europäischen Zentralbank http:// <a href="http://www.ecb.com/">www.ecb.com</a>.</p>
<p>
	Quelle:<br />
	Eberhard-Karls-Universität Tübingen<br />
	Wirtschaftswissenschaftliches Seminar<br />
	Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik,<br />
	insbesondere Wirtschaftspolitik I<br />
	Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Starbatty<br />
	Dr. Gunther Schnabl<br />
	2000 Tübingen<br />
	aktualisiert von Dombergen</p>
<p>
	weitere Infos zum Thema Geld</p>
<ul>
	<li>
		<a href="http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Schule_und_Bildung/geld_und_geldpolitik.pdf?__blob=publicationFile">Skript: Geld und Geldpolitik der Deutschen Bundesbank</a></li>
	<li>
		Ein Video <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fh_i_pwl43s">das das Geldsystem erklärt. Von Planet Wissen ab der21. Minute</a></li>
</ul>
</div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 19:17:46 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Globalisierung</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/82-globalisierung</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/82-globalisierung</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><p><span style="font-size: x-large;">Globalisierung <br /><br /> 1.</span>  <a href="http://www.zeit.de/wirtschaft/globalisierung/serie2005"><span style="font-size: x-large;">Globalisierung Artikel in der ZEIT:</span></a> <br /><br /><span style="font-size: x-large;"> 2. Globalisierung: Fluch oder Segen?<br /></span><br /><span style="font-size: medium;">Hierzu ein Beitrag des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung)</span><br /><br /><em>Das DIW hat in einer </em><a href="http://www.diw-berlin.de/Studien/english/Wst/nl-s-int.html"><em>Studie fuer das niederlaendische Arbeits- und Sozialministerium</em></a> die Frage untersucht, ob die Globalisierung tatsaechlich die ihr zugeschriebenen negativen Wirkungen in den westlichen Industrielaendern hat und ob ihr die Wirtschaftspolitik ohnmaechtig ausgeliefert ist <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN1"><sup><em>[1]</em></sup></a><em>. Dieser Beitrag fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen.<br />Originalquelle: <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html">http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html</a><br /><br /></em><span style="font-size: medium;"><strong>Begriff</strong></span><br />Der Begriff "Globalisierung" wird in Westeuropa mehr und mehr zum Schluesselbegriff fuer dramatische Veraenderungen im Sozialstaatsgefuege. Globalisierung steht dabei fuer eine zunehmende wirtschaftliche Verflechtung ueber Handels-, Kapital- und Technologiestroeme, aber auch fuer zunehmende Konkurrenz aus Niedriglohnlaendern sowie fuer die Auslagerung von Arbeitsplaetzen ueber Direktinvestitionen. Globalisierung wird zuweilen auch als Ursache fuer steigende Arbeitslosigkeit und deshalb als Bedrohung fuer Demokratie und Wohlstand der westlichen Laender verstanden. Viele sehen in ihr den Beginn eines Wettrennens nach unten, in dessen Verlauf die Realloehne auf das Niveau von Schwellen- oder gar Entwicklungslaendern sinken muessten, wenn man erfolgreich auf den Weltmaerkten konkurrieren wolle.<br /><br /><a name="HDR0"></a><span style="font-size: medium;"><strong>Das Tempo der Globalisierung</strong></span><br />In der oeffentlichen Diskussion ist der Eindruck verbreitet, als haette sich das Tempo der Globalisierung in den letzten Jahren stark verschaerft. Fuer die Handelsstroeme laesst sich dies nicht feststellen. So hat sich der Offenheitsgrad <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN2"><sup>[2]</sup></a> der deutschen Volkswirtschaft nur langsam und relativ kontinuierlich erhoeht. Zwar hat der Wert dieses Indikators fuer das verarbeitende Gewerbe stark zugenommen. Das hohe Wachstum des Dienstleistungssektors, dessen Offenheitsgrad beinahe konstant geblieben ist, hat diesen Trend aber fast neutralisiert. Fuer die meisten anderen Industrielaender ergibt sich ein aehnliches Bild. Auch aus den Arbeitskraeftebewegungen laesst sich keine Erhoehung des Globalisierungstempos ablesen. Zwar verzeichneten die meisten Industrielaender von 1970 bis 1994 per saldo Zuwanderungen. Diese waren jedoch mit Ausnahme Schwedens und Deutschlands nahezu konstant, und bezogen auf die Gesamtbevoelkerung sind sie gering <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN3"><sup>[3]</sup></a><span style="font-size: medium;"><span style="font-size: small;">.</span> <br /></span><span style="font-size: small;">Ein anderes Bild ergibt sich bei den Kapitalstroemen. In den achtziger Jahren kam es zu einem starken Anstieg der Direkt- und Portfolioinvestitionen </span><a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN4"><sup>[4]</sup></a>. Fuer die erste Haelfte der neunziger Jahre laesst sich fuer Japan und das Vereinigte Koenigreich zwar ein leichter Rueckgang feststellen, dennoch ist an den Kapitalstroemen die Intensivierung der weltwirtschaftlichen Verflechtung am deutlichsten zu erkennen. Alles in allem kann man - trotz der Oeffnung Osteuropas - nicht pauschal davon sprechen, dass es in den letzten Jahren einen Globalisierungsschub gegeben haette. Die Globalisierung ist vielmehr ein langsamer und relativ stetiger Prozess, der gleichwohl permanenten Strukturwandel erfordert. Wenn dennoch in manchen Laendern oder Branchen der Eindruck entsteht, dass sich der Anpassungsdruck stark erhoeht hat, dann ist dies zum einen Folge der jahrelangen Abschottung dieser Branchen gegenueber den weltwirtschaftlichen Erfordernissen und zum anderen Ergebnis der allgemein schlechten wirtschaftlichen Situation.</p>
<h3><a name="HDR1"></a><span style="font-size: small;">Globalisierung und das Niveau der Arbeitslosigkeit</span></h3>
<p>Ein direkter Zusammenhang zwischen der Globalisierung und dem Niveau der Arbeitslosigkeit in den Industrielaendern laesst sich nicht nachweisen. Dazu fehlt es bereits an ueberzeugenden theoretischen Begruendungen. Die neoklassische Aussenhandelstheorie verweist zwar auf das Faktorpreisausgleichstheorem, welches besagt, dass sich die Entlohnung der Produktionsfaktoren international angleicht. Im Rahmen der Globalisierungsdebatte wird mit dieser Ueberlegung teilweise suggeriert, eine der Ursachen fuer das Entstehen der Arbeitslosigkeit in den Industrielaendern sei die Tatsache, dass die Loehne dort wesentlich hoeher sind als in Schwellen- oder Entwicklungslaendern. Notwendig seien daher eine allgemeine Lohnsenkung und Wohlstandseinbussen in den westlichen Industrielaendern, da diese nur so wettbewerbsfaehig bleiben und Arbeitslosigkeit vermeiden koennten <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN5"><sup>[5]</sup></a>. <br />Vieles spricht aber dafuer, dass sich international divergierende Loehne ueber einen laengeren Zeitraum aufrecht erhalten lassen, ohne dass es aus diesem Grund zu Arbeitslosigkeit kommen muss. Die theoretische Begruendung liefert der auf Ricardos Ideen beruhende Neotechnologieansatz. Er erklaert die Unterschiede im Lohnniveau zwischen den Laendern durch Unterschiede in der Generierung und Anwendung von Technologie. Das Lohnniveau eines Landes ist um so hoeher, je staerker dieses in der Lage ist, oekonomisch verwertbares Wissen zu produzieren bzw. aus externen Quellen zu absorbieren und es effizient fuer Produkt- und Prozessinnovationen einzusetzen <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN6"><sup>[6]</sup></a>. Die neoklassische Aussenhandelstheorie abstrahiert von solchen Technologieunterschieden und kommt daher beinahe zwangslaeufig zu dem Schluss, dass sich die Loehne international angleichen muessen. Bei der Argumentation, dass die Industrielaender ihre Loehne reduzieren muessen, um konkurrenzfaehig zu bleiben, wird aber auch die Dynamik des weltwirtschaftlichen Wettbewerbs verkannt. Dieser fuehrt zwar dazu, dass Unternehmen aus Laendern mit hohen Loehnen arbeitsintensive und technologisch wenig anspruchsvolle Teile ihrer Produktion an die Niedriglohnlaender verlieren. Gleichzeitig gewinnen die Hochlohnlaender aber neue Maerkte bei humankapitalintensiven und technologisch anspruchsvollen Produkten hinzu. Fuer die traditionellen Hochlohnlaender bedeutet der Aufholprozess der Schwellenlaender dennoch tendenziell, dass sie sowohl insgesamt als auch in bestimmten Branchen Marktanteile verlieren. Dieser Verlust an Marktanteilen kann wegen des insgesamt steigenden Volumens des Welthandels ohne weiteres mit hohen absoluten Zuwaechsen beim Export der Industrielaender einhergehen. Das Aufholen der Schwellenlaender bedeutet folglich keineswegs, dass vom Aussenhandel negative Einfluesse auf die wirtschaftliche Entwicklung der Industrielaender ausgehen. Fuer ein technologisch hochentwickeltes Land ist es keineswegs sinnvoll, seinen Platz an der Spitze der Lohnskala zu raeumen und zu versuchen, durch Lohnsenkung den Wettbewerbsdruck der aufholenden Laender zu vermindern. Man verloere mit einer solchen defensiven Reaktion die Moeglichkeit, temporaere Monopolgewinne aus innovativen Produkten und Produktionsverfahren zu erzielen, die vorwiegend bei technologisch anspruchsvollen Produkten anfallen. Dann kaeme es frueher oder spaeter zu sinkender Produktivitaet und sinkenden Loehnen. Dadurch wuerde der Wettbewerbsdruck aber nicht vermindert, da auch die anderen Plaetze in der Lohnhierarchie besetzt sind. Ein Land konkurrierte dann mit einem niedrigeren Lohnniveau auf anderen Produktmaerkten, der Wettbewerb waere aber nicht weniger scharf <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN7"><sup>[7]</sup></a>. Neben diesen theoretischen Ueberlegungen spricht aber auch der empirische Befund gegen einen Zusammenhang zwischen der Globalisierung und dem Niveau der Arbeitslosigkeit in den Industrielaendern: - Die USA konnten von 1982 bis 1995, als die Globalisierung nach verbreiteter Ansicht ihre Kraefte am staerksten entfaltete, die Arbeitslosenquote von knapp 10 auf knapp 6 vH reduzieren. Im gesamten Zeitraum von 1960 bis 1995 unterlag die Arbeitslosenquote in den USA relativ starken zyklischen Schwankungen. Auch der kurzzeitige Anstieg zu Anfang der neunziger Jahre war eindeutig auf das Abflauen der Konjunktur zurueckzufuehren. - Deutschland, Schweden, dem Vereinigten Koenigreich, Belgien und den Niederlanden gelang in der zweiten Haelfte der achziger Jahre eine z.T. erhebliche Reduzierung ihrer Arbeitslosigkeit. In Westdeutschland lag die nach dem Verfahren der OECD standardisierte Arbeitslosenquote bis Anfang der neunziger Jahre sogar fast immer unter der der USA. Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit Anfang der achtziger und Anfang der neunziger Jahre (in Westdeutschland ab 1993) war auch hier rezessionsbedingt. Ein "Globalisierungsschub", der eine alternative Erklaerung des Anstiegs der Arbeitslosigkeit boete, ist fuer Europa ebenso wie fuer den Rest der Welt nicht auszumachen. - Japan konnte sogar die zyklischen Schwankungen der Arbeitslosigkeit ausgesprochen gering halten. Hier ist allerdings von Mitte der siebziger bis Ende der achtziger Jahre eine beinahe stetige Erhoehung der Arbeitslosigkeit zu konstatieren - allerdings auf relativ niedrigem Niveau. Sie ging von 1988 bis 1991 leicht zurueck und stieg erst 1994 und 1995 wieder auf rund 3 vH. Die Vertiefung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen bietet also weder in theoretischer noch in empirischer Hinsicht eine zufriedenstellende Erklaerung fuer die Entstehung und die Persistenz von Arbeitslosigkeit. Ein Zusammenhang zwischen Globalisierung und Arbeitslosigkeit wird oftmals partialanalytisch begruendet. So wird argumentiert, ein Aussenhandelsueberschuss sei gleichbedeutend mit der Schaffung oder dem Erhalt von Arbeitsplaetzen; ein Defizit bei den Direktinvestitionen wird mit einem Export von Arbeitsplaetzen gleichgesetzt. Beide Aussagen scheinen zwar isoliert betrachtet plausibel, sie vernachlaessigen aber die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhaenge. Wenn ein Land Ueberschuesse im Warenhandel erzielen will, muss es vom Ausland entweder Dienstleistungen importieren, z.B. in Form von Tourismus, oder ihm Kapital zur Verfuegung stellen, z.B. in Form von Portfolio- oder Direktinvestitionen. Durch den Dienstleistungsimport oder Kapitalexport "verliert" ein Land jedoch wieder Arbeitsplaetze an das Ausland. Es ist daher nicht sinnvoll, von einzelnen Salden der Zahlungsbilanz auf gesamtwirtschaftliche Arbeitsplatzgewinne oder -verluste zu schliessen. Dies zeigt sich auch an den Beispielen USA und Japan. In den Vereinigten Staaten geht das "Beschaeftigungswunder" Hand in Hand mit einem hohen Aussenhandelsdefizit, und in Japan bleibt die Arbeitslosenquote trotz hoher Defizite bei den auslaendischen Direktinvestitionen relativ stabil.</p>
<h3><a name="HDR6"></a><span style="font-size: small;">Globalisierung und technischer Fortschritt verringern die Nachfrage nach gering Qualifizierten</span></h3>
<p>Kann Globalisierung, wenn nicht das Niveau, so doch die Struktur von Beschaeftigung und Arbeitslosigkeit sowie die Einkommensverteilung beeinflussen? Kommt sie insbesondere als Verursacherin der sich vergroessernden Einkommensungleichheit innerhalb eines Landes und der Verschlechterung der Beschaeftigungschancen der gering Qualifizierten in Betracht? Nach der neoklassische Theorie des internationalen Handels fuehrt eine Zunahme des Aussenhandels mit den Schwellen- und Entwicklungslaendern zu einer Verringerung der Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskraeften in den Industrielaendern und zu einer Zunahme der Nachfrage nach Hochqualifizierten. Infolge dieses Effektes muesste die Entlohnung der gering qualifizierten relativ zu der der hoch qualifizierten Arbeitskraefte sinken. <br />Verstaerkt wird der Druck auf die gering qualifizierten Arbeitskraefte durch von Nord nach Sued bzw. neuerdings von West nach Ost fliessende Direktinvestitionen. Diese werden entweder getaetigt, um die Exportprodukte der Industrielaender besser vermarkten zu koennen oder um Faktorkostenvorteile, insbesondere die in Sued und Ost niedrigen Loehne ungelernter bzw. gering qualifizierter Arbeitskraefte, besser ausnutzen zu koennen. Da eine Steigerung der Exporte des Nordens nur durch den vermehrten Einsatz von hochwertiger Arbeit moeglich ist, erhoeht dies die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskraeften. Eine Erhoehung der Importe aus dem Sueden aufgrund der Auslagerung von relativ arbeitsintensiven Produktionsprozessen fuehrt zu einem Rueckgang der Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskraeften. Direktinvestitionen reduzieren also tendenziell die Nachfrage nach ungelernten relativ zu qualifizierten Arbeitskraeften im Norden. Dies verstaerkt einerseits den vom internationalen Handel ausgehenden Druck auf die Loehne bzw. die Beschaeftigungschancen ungelernter, verbessert aber andererseits die Einkommens- bzw. Beschaeftigungsmoeglichkeiten qualifizierter Arbeitskraefte. Technischer Fortschritt und Globalisierung stehen in einem engen Zusammenhang. Einerseits zwingt der erhoehte Konkurrenzdruck auf globalen Maerkten die Unternehmen zu einer beschleunigten Anwendung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Zum anderen schafft der technische Fortschritt, z.B. durch leistungsfaehigere Kommunikationsnetze, erst die Voraussetzungen fuer eine weitere Globalisierung der Maerkte. Der technische Fortschritt hat aber wohl die Nachfrage nach geringer qualifizierten Arbeitskraeften vermindert. Dafuer sprechen mehrere Gruende: Zum einen sind ungelernte Arbeitskraefte leichter durch Maschinen zu ersetzen als qualifizierte. Zum zweiten erfordern die Konstruktion und der Bau solcher Maschinen mehr qualifizierte Arbeitskraefte. Zum dritten passen sich qualifizierte Arbeitskraefte besser den sich wandelnden technischen Arbeitsbedingungen an. Alles in allem hat der technische Fortschritt tendenziell dieselbe Wirkung auf die Nachfrage bzw. Entlohnung von gering qualifizierten Arbeitskraeften wie Aussenhandel und Direktinvestitionen. Allerdings wirken nicht nur diese Faktoren auf die Nachfrage nach Arbeitskraeften in den Industrie- und Entwicklungslaendern. Neben der internationalen Arbeitsteilung wird der Strukturwandel in allen Laendern auch von Veraenderungen der Nachfragestruktur gepraegt, z.B. der zunehmenden Nachfrage nach Dienstleistungen. Die internationale Arbeitsteilung fuer sich genommen reduziert zwar die Nachfrage nach weniger gut ausgebildeten Arbeitskraeften in den Industrielaendern, gleichzeitig entstehen aber aufgrund der vermehrten Nachfrage nach Dienstleistungen neben Arbeitsplaetzen fuer Hochqualifizierte auch zusaetzliche Arbeitsplaetze fuer gering Qualifizierte. Die Ausweitung des Dienstleistungssektors kann somit den Rueckgang der Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskraeften zum Teil kompensieren.</p>
<h3><a name="HDR2"></a><span style="font-size: small;">Zuwanderungen erhoehen das Angebot an gering qualifizierten Arbeitskraeften</span></h3>
<p>Arbeitskraeftewanderungen veraendern das Niveau und die Struktur des Arbeitsangebots. Durch Zuwanderung in die wirtschaftlich hochentwickelten Laender steigt dort das Angebot an gering qualifizierten relativ zu qualifizierten Arbeitskraeften und verursacht einen entsprechenden Druck auf die Loehne. Dies ist zum Beispiel in den USA seit Anfang der siebziger Jahre der Fall <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN8"><sup>[8]</sup></a>. Auch fuer Westeuropa gibt es deutliche Hinweise darauf, dass die Zuwanderer eher mit den gering als mit den hoch qualifizierten Arbeitnehmern konkurrieren <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN9"><sup>[9]</sup></a>. Dies duerfte auch fuer illegal Zuwandernde gelten. Sie finden vor allem in der Land-, Forst- oder Bauwirtschaft und in bestimmten Bereichen des Dienstleistungsbereichs Arbeit. Auch von den illegal Zuwandernden geht somit vor allem Druck auf die Loehne der gering qualifizierten Arbeitnehmer aus.</p>
<h3><a name="HDR3"></a><span style="font-size: small;">Der empirische Befund zu Einkommensverteilung und Struktur der Arbeitslosigkeit</span></h3>
<p>Auf den ersten Blick entspricht der empirische Befund den theoretischen Ueberlegungen: Insgesamt gesehen ist die Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskraeften in den westlichen Industrielaendern in den letzten Jahren stark, zum Teil dramatisch, zurueckgegangen <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN10"><sup>[10]</sup></a>. Dies hat einmal dazu gefuehrt, dass in vielen Industrielaendern die Arbeitslosenquoten bei gering qualifizierten Arbeitskraeften um ein Vielfaches ueber denen der qualifizierten lagen. Zum anderen sind in einigen Laendern auch die Einkommen der gering qualifizierten Arbeitskraefte im Vergleich zu denen der qualifizierten gesunken. Insbesondere fuer die USA und das Vereinigte Koenigreich laesst sich fuer den Zeitraum von 1979 bis 1995 eine erhebliche Vergroesserung der Einkommensungleichheit konstatieren (Schaubild 3). Beide Laender haben 1995 ein weit ueber dem der anderen Laender liegendes Mass an Einkommensungleichheit erreicht. Eine leichte Erhoehung der Einkommensungleichheit laesst sich fuer Japan und die Niederlande beobachten, waehrend sie in Daenemark und - trotz einiger Schwankungen - auch in Schweden konstant geblieben ist. Deutschland und Belgien sind die einzigen Laender, in denen die Verteilung der Bruttoeinkommen - geringfuegig - gleicher geworden ist. <br />Allerdings hat die starke Einkommensspreizung in den davon betroffenen Laendern keineswegs dafuer gesorgt, dass die Arbeitslosigkeit bei den gering qualifizierten Arbeitskraeften besonders niedrig liegt. Das Gegenteil ist der Fall: In den USA und dem Vereinigten Koenigreich waren 1992 rund 13 vH der gering Qualifizierten arbeitslos, waehrend es in den Niederlanden und in Deutschland nur 8 bzw. 9 vH und in Schweden gar nur 5 vH waren. Das in der Globalisierungsdebatte haeufig gebrauchte Argument, eine staerkere Lohnspreizung wuerde die Beschaeftigungsprobleme der gering qualifizierten Arbeitskraefte loesen, erweist sich in dieser einfachen Form als wenig tragfaehig. Die Tatsache, dass die kontinentaleuropaeischen Laender nachfrageseitig aehnlichen weltwirtschaftlichen und binnenwirtschaftlichen Anpassungszwaengen ausgesetzt waren, diese aber im Vergleich zu den USA und Grossbritannien weder zu einer hoeheren Arbeitslosigkeit bei den gering Qualifizierten noch zu einer staerkeren Lohnspreizung gefuehrt haben, lassen nur den Schluss zu, dass es in Kontinentaleuropa angebotsseitige Einflussfaktoren gegeben hat, die den Nachfragerueckgang nach gering Qualifizierten kompensiert haben.</p>
<h3><a name="HDR4"></a><span style="font-size: small;">Die Rolle von Aus- und Weiterbildung</span></h3>
<p>Auf lange Sicht ist die Reduzierung des Angebots an gering Qualifizierten durch Bildung und Ausbildung die am meisten erfolgversprechende Strategie, der gesunkenen Nachfrage nach gering Qualifizierten zu begegnen. Aus der Zunahme des Angebots an qualifizierten Kraeften ergibt sich am Markt eine geringere Ungleichheit in der Einkommensverteilung. <br />Bei Aus- und Weiterbildung geht es zum einen darum, dass neu in den Arbeitsmarkt eintretende Arbeitskraefte eine Erstausbildung bekommen, die sie befaehigt, den gestiegenen Qualifikationsanforderungen Rechnung zu tragen. Hier haben insbesondere diejenigen Laender, die ueber ein gut funktionierendes System der beruflichen Bildung verfuegen, die besten institutionellen Voraussetzungen. Dieses sorgt dafuer, dass es insgesamt nur relativ wenige ungelernte Arbeitskraefte gibt. Nach Angaben von Eurostat waren 1993 im Vereinigten Koenigreich 43 vH der Arbeitskraefte gering qualifiziert. In den Niederlanden waren es hingegen nur 16 vH, in Daenemark und in Deutschland gar nur 13 vH. Des weiteren muss in der Schule die Faehigkeit zum lebenslangen Lernen vermittelt werden; sie muss zentrale Komponente der Schulbildung sein <a href="http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/97-23-1.html#FN11"><sup>[11]</sup></a>. Niemand kann kuenftig noch erwarten, dass er seinen Beruf in der urspruenglich erlernten Art sein ganzes Leben lang ausueben kann. Lebenslanges Lernen der Arbeitnehmer ist folglich die zweite Komponente einer Strategie zur Reduzierung des Angebots an gering qualifizierten Arbeitskraeften. Sie soll erreichen, dass sich Arbeitnehmer waehrend ihres gesamten Berufslebens an die sich aendernden Qualifikationserfordernisse anpassen koennen. Staatlich gefoerderte Umschulungs- und Weiterbildungsmassnahmen waehrend der Arbeitslosigkeit sind ein Element dieser Strategie. Betriebliche Weiterbildung ist ein anderes. Wenn es gelingt, die Faehigkeiten und Kenntnisse der gering qualifizierten Arbeitskraefte an die steigenden Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen und damit deren Produktivitaet entsprechend zu erhoehen, kann die Entstehung einer grossen Zahl von arbeitenden Armen verhindert werden.</p>
<h3><a name="HDR5"></a><span style="font-size: small;">Fazit</span></h3>
<p>Da Technologie und Innovationen nur von hochqualifizierten Menschen hervorgebracht werden, ist eine offensive Bildungs- und FuE-Politik noetig, um die Vorteile der Globalisierung langfristig zu sichern und in eine Steigerung der Realeinkommen umzuwandeln. Die Industrielaender koennen ihr hohes Lohnniveau nur aufrecht erhalten und weiter steigern, wenn sie ihre technologische Leistungsfaehigkeit und ihren Bestand an Humankapital erhoehen. Eine Kuerzung der staatlichen Ausgaben im Forschungs- und Bildungsbereich, die im wesentlichen Investitionen in die technologische Leistungsfaehigkeit und in das Humankapital sind, ist daher die falsche Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung. Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil ein Teil des hohen Realeinkommens in den Industrielaendern auf Innovationsrenten zurueckzufuehren ist, die verloren gehen, wenn sich das Innovationstempo im Vergleich zu den aufholenden Laendern verlangsamt. <br />Die Globalisierung bringt gesamtwirtschaftlich grosse Chancen mit sich, fuer gering qualifizierte Arbeitskraefte birgt sie aber auch Risiken. Diese sind jedoch beherrschbar, insbesondere durch eine entsprechende Bildungspolitik. Natuerlich erfordert die Globalisierung Mobilitaet und Flexibilitaet des Einzelnen. Defensive Reaktionen sind unangemessen; sie fuehren zum oft befuerchteten Wettrennen nach unten. Laender, die die Chancen der Globalisierung durch eine Erhoehung ihrer Bildungs- und FuE- Anstrengungen nutzen, beteiligen sich an einem anderen Wettrennen, dem Wettrennen nach oben.<br /><br /><a name="FN1"></a>[1] <a href="http://www.diw-berlin.de/Studien/english/Wst/nl-s-int.html">Fritz Franzmeyer, Ludger Lindlar und Harald Trabold: Employment and Social Policies under International Constraints, Den Haag, 1996</a>.<br /><br /><a name="FN2"></a>[2] Der Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft ergibt sich als Summe aus dem Anteil der Exporte am Bruttoproduktionswert und dem Anteil der Importe an der gesamten inlaendischen Nachfrage dividiert durch zwei.<br /><br /><a name="FN3"></a>[3] Vgl. dazu auch Fritz Franzmeyer, Ludger Lindlar und Harald Trabold a.a.O., Kapitel 3.<br /><br /><a name="FN4"></a>[4] Der sehr hohe Wert fuer Belgien-Luxemburg ist im wesentlichen Ausdruck von Portfolioinvestitionen aus steuerlichen Gruenden.<br /><br /><a name="FN5"></a>[5] Zur Problematik der Verwendung des Begriffs Wettbewerbsfaehigkeit in bezug auf Volkswirtschaften vgl. Harald Trabold: Die internationale Wettbewerbsfaehigkeit einer Volkswirtschaft. In: Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, Heft 2/1995, S. 169-185.<br /><br /><a name="FN6"></a>[6] Vgl. dazu auch Dieter Schumacher, Heike Belitz, Alfred Haid, Kurt Hornschild, Hans J. Petersen, Florian Strassberger, Harald Trabold unter Mitarbeit von Marian Beise: Technologische Wettbewerbsfaehigkeit der Bundesrepublik Deutschland - Theoretische und empirische Aspekte einer international vergleichenden Analyse. Beitraege zur Strukturforschung, Heft 155, Verlag Duncker &amp; Humblot, Berlin 1995.<br /><br /><a name="FN7"></a>[7] Die Lage der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft im Herbst 1996. In: Wochenbericht des DIW, Nr. 43-44/96, S. 702 und 706 f.<br /><br /><a name="FN8"></a>[8] Vgl. George Borjas: The Economics of Immigration, in: Journal of Economic Literature, Bd. 31, S. 1667-1717, 1994.<br /><br /><a name="FN9"></a>[9] Vgl. fuer Deutschland: John Haisken-DeNew: Migration and the Inter- industry Wage Structure in Germany, Berlin/Heidelberg, 1996.<br /><br /><a name="FN10"></a>[10] Vgl. dazu Stephen Nickell und Brian Bell: The Collapse in Demand for the Unskilled and Unemployment Across the OECD, in: Oxford Review of Economic Policy, Bd. 11, Heft 1, S. 40-61, 1995.<br /><br /><a name="FN11"></a>[11] <span style="font-size: medium;"><span style="font-size: small;">Vgl. OECD: Lifelong Learning for All, Paris, 1996</span>.</span></p>
<table style="border-top: 1px solid #cccccc; background-color: #ffffff; width: 100%;" summary="Layout-Tabelle, Layout-Table" cellspacing="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td width="30%">
<div class="smalltop" align="left">  38793 Besucher/innen</div>
</td>
<td> </td>
</tr>
</tbody>
</table></div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 19:19:33 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Keynes einfach erklärt</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/146-keynes-einfach-erklaert</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/146-keynes-einfach-erklaert</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><h2 itemprop="headline">Keynes f&uuml;r Anf&auml;nger</h2>
<p class="Copy" itemprop="description">Auf einmal sprechen alle wieder von Konjunkturpaketen. Und von Keynes. Denn der britische &Ouml;konom lieferte die Theorie dazu. Hier sind die Grundlagen - damit Sie mitreden k&ouml;nnen.</p>
<p><span class="Autor"><span class="Datum" itemprop="datePublished">Quelle FAZ 08.01.2009,</span> von <span class="caps last"><a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/ein-crashkurs-keynes-fuer-anfaenger-1590559.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2" itemscope="itemscope" itemtype="http://schema.org/Person" itemprop="author"><span class="caps" itemprop="name">Lisa Nienhaus</span></a> und <a href="http://www.faz.net/redaktion/christian-siedenbiedel-11104328.html" itemscope="itemscope" itemtype="http://schema.org/Person" itemprop="author"><span class="caps last" itemprop="name">Christian Siedenbiedel</span></a></span> </span></p>
<div id="ArtikelTabContent_0" class="FAZArtikelContent">
<div class="FAZArtikelText" itemprop="articleBody">
<div class="ArtikelBild610" itemscope="itemscope" itemtype="http://schema.org/ImageObject" itemprop="image">&nbsp;</div>
<div>
<p id="pageIndex_1" class="First PreviewPagemarker">Es ist das Jahr 2009. Die Immobilienkrise ist in Europa angekommen. In diesen Tagen kramen die &Ouml;konomen ein uraltes Buch aus ihren Regalen. Es tr&auml;gt den wenig bescheidenen Titel "The General Theory of Employment, Interest, and Money", auf Deutsch "Allgemeine Theorie der Besch&auml;ftigung, des Zinses und des Geldes". Der Brite John Maynard Keynes hat es im Jahr 1936 ver&ouml;ffentlicht und damit die Wirtschaftswissenschaft ver&auml;ndert wie kein Autor nach ihm und nur wenige zuvor. Das Werk hat Keynes ber&uuml;hmt gemacht - und es hat ihm Feinde beschert. So w&auml;hlten konservative Wissenschaftler und Politiker in den Vereinigten Staaten die "General Theory" vor vier Jahren zum zehntgef&auml;hrlichsten Buch des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts.</p>
<p class="AutorenModul"><span class="autorBox clearfix"><img src="http://media0.faz.net/ppmedia/video/271560045/1.731760/default/john-maynard-keynes-1883-1946.jpg" alt="Keynes" style="width: 72px; height: 95px; margin: 10px;" /><br /> <span class="autorTxt"><span class="shareAutor"> </span> </span> </span></p>
<p>Trotzdem ist Keynes auf einmal wieder popul&auml;r. Das liegt daran, dass er der &Ouml;konom der Weltwirtschaftskrise der drei&szlig;iger Jahre war. Und auch wenn in der aktuellen Krise vieles anders und einiges weniger dramatisch ist als damals - Keynes' Gedanken liefern Diskussionsstoff. Vor allem wenn es darum geht, was der Staat nun tun kann. Bringt es etwas, wenn Politiker ein Konjunkturpaket auflegen oder nicht? Wer mitreden will, muss Keynes kennenlernen.</p>
<br />
<p><strong>Das IS-LM-Modell veranschaulicht Keynes' Ideen grafisch</strong></p>
<p>Gew&ouml;hnliche Menschen tun das allerdings lieber nicht, indem sie sein Werk lesen, das teils rhetorisch brillant und teils theoretisch hochkomplex ist. Nein, die Nachfolger von Keynes - allen voran John R. Hicks - haben es den Laien leichter gemacht. Sie haben Keynes' Ideen in ein Schema gepresst, das sich grafisch abbilden l&auml;sst (in der General Theory selbst gibt es nur eine einzige Grafik). Es ist unter dem Titel IS-LM-Modell bekannt (siehe Grafiken). Mit seiner Hilfe kann man keynesianische Gedanken verstehen.</p>
<p><span class="MediaLink"><span class="ArtikelBild290        " itemscope="itemscope" itemtype="http://schema.org/ImageObject" itemprop="image"><a href="http://media0.faz.net/ppmedia/video/medien/interaktiv-1/687026988/1.760746/width610x580/infografik-keynes-wie.jpg" title="Infografik / Keynes / Wie &Ouml;konomen Keynes Theorie schematisiert haben - eine Kurvendiskussion"> <img src="http://media0.faz.net/ppmedia/video/medien/interaktiv-1/687026988/1.760746/article_teaser_marginal/infografik-keynes-wie.jpg" alt="Infografik / Keynes / Wie &Ouml;konomen Keynes Theorie schematisiert haben - eine Kurvendiskussion" width="290" height="163" class="media" title="" data-process-retina="1" /> </a> <span class="Bildnachweis">&copy; F.A.Z. <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/ein-crashkurs-keynes-fuer-anfaenger-1590559.html?printPagedArticle=true#singleImage_1_760746" class="BildGroesse right" title="Vergr&ouml;&szlig;ern"><img src="http://www.faz.net/img/icon_enlarge.png" alt="Vergr&ouml;&szlig;ern" /></a> </span> </span> </span></p>
<p>Dazu muss man zun&auml;chst die Grundidee des Diagramms begreifen. Sie besagt, dass es in einer Wirtschaft verschiedene M&auml;rkte gibt, die alle zu einem Gleichgewicht tendieren - also zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Die zwei Kurven des IS-LM-Diagramms stellen jeweils einen Markt dar: die IS-Kurve den G&uuml;termarkt, die LM-Kurve den Geldmarkt. Im Schnittpunkt beider Kurven ist die gesamte Volkswirtschaft im Gleichgewicht - zu diesem Punkt strebt sie hin.</p>
<p>Der G&uuml;termarkt (IS-Kurve) befindet sich dann im Gleichgewicht, wenn ebenso viele G&uuml;ter angeboten wie nachgefragt werden. Dies ist der Fall - die Herleitung dazu sparen wir uns hier -, wenn die Investitionen den Ersparnissen entsprechen. Die Investitionen der Unternehmen h&auml;ngen vom Zins ab. Je niedriger der Zins "r", desto billiger sind Investitionen, desto mehr wird investiert. Die Ersparnisse der B&uuml;rger h&auml;ngen laut Keynes nur vom Einkommen ab. Je gr&ouml;&szlig;er das Volkseinkommen Y, desto gr&ouml;&szlig;er die Ersparnis. Sinkt nun beispielsweise das Volkseinkommen, so wird weniger gespart. Damit auch weniger investiert wird und der G&uuml;termarkt im Gleichgewicht ist, muss der Zins steigen. Deshalb ist die IS-Kurve nach links geneigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Befinden wir uns in einer Liquidit&auml;tsfalle?</strong></p>
<p>Der Geldmarkt (LM-Kurve) befindet sich im Gleichgewicht, wenn die Geldnachfrage der B&uuml;rger dem Geldangebot der Zentralbank entspricht. Die Geldnachfrage ist in dem Modell abh&auml;ngig von Einkommen und Zins. Steigt das Einkommen der B&uuml;rger, so steigt ihre Geldnachfrage. Steigt hingegen der Zins, so sinkt die Geldnachfrage, weil Geld relativ teuer wird. Das Geldangebot wird von der Zentralbank festgelegt. Bleibt es gleich, sinkt aber das Volkseinkommen "Y", so sinkt die Geldnachfrage und wird kleiner als das Geldangebot. In der Folge muss der Zins "r" sinken, damit die Menschen trotz niedrigeren Einkommens noch genauso viel Geld halten wollen wie zuvor. Deshalb ist die LM-Kurve nach rechts geneigt.</p>
<p>Mit diesem Grundmodell kann man viele Situationen des Wirtschaftslebens durchspielen. Wir haben zwei ausgesucht, die zur aktuellen Lage passen. Die erste (Grafik Mitte) zeigt, wie die Zentralbank in normalen Zeiten handeln kann, um der Konjunktur einen Sto&szlig; zu geben. Die zweite (Grafik rechts) zeigt, was der Staat tun kann, wenn die Geldpolitik der Zentralbank nicht mehr wirkt.</p>
<p>Zur Zeit pumpen die Notenbanken viel Geld in den Markt. Sie erh&ouml;hen das Geldangebot; das f&uuml;hrt im Modell zur Verschiebung der LM-Kurve nach unten (Grafik Mitte). Denn es gibt ein h&ouml;heres Geldangebot, das nur angenommen wird, wenn zu jedem Einkommen der Zins sinkt. Es ist leicht zu erkennen, dass das im Normalfall der Wirtschaft einen Sto&szlig; gibt. Der gesunkene Zins macht Investitionen billiger, also investieren die Unternehmen mehr, das wiederum kurbelt Produktion und Besch&auml;ftigung an. Im neuen Gleichgewicht ist das Volkseinkommen gewachsen und der Zins gesunken. In einem gew&ouml;hnlichen Abschwung kann die Zentralbank so eingreifen und die Wirtschaft kurzzeitig auffangen.</p>
<p id="pageIndex_2">Es gibt allerdings auch Situationen, in denen es nach Ansicht der Keynesianer nichts bringt, wenn die Zentralbank den Markt mit Geld &uuml;berschwemmt. Etwa, wenn die Menschen alles verf&uuml;gbare Geld horten und unters Kopfkissen legen, statt es anzulegen - das kann in einer Wirtschaftskrise der Fall sein oder wenn der Zins schon sehr niedrig ist.</p>
<p>Eine solche Situation nennen die Keynesianer "Liquidit&auml;tsfalle", und es wird heftig diskutiert, ob wir uns zur Zeit in einer solchen befinden. Der Nobelpreistr&auml;ger f&uuml;r Wirtschaftswissenschaften Paul Krugman zum Beispiel glaubt, dass zumindest Amerika in der Liquidit&auml;tsfalle steckt. Ist dem so, dann bedeutet das im IS-LM-Modell, dass die LM-Kurve flach liegt (rechte Grafik). Egal, wie viel Geld die Notenbank in den Markt pumpt, es wird aufgesogen, ohne dass der Zins sinkt und die Investitionen steigen. Die Geldpolitik bringt nichts.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Keynes' Anh&auml;nger reden gerne vom Multiplikatorteffekt der Staatsausgaben</strong></p>
<p>Dann hilft nach Ansicht der Keynesianer nur eins, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu senken: Der Staat muss seine Ausgaben erh&ouml;hen. Was er tut, ist dabei relativ egal: Stra&szlig;en oder Br&uuml;cken bauen, die Schulen sanieren oder jedem Beamten einen Dienstwagen kaufen. Alles funktioniert. Denn es ver&auml;ndert das Gleichgewicht auf dem G&uuml;termarkt. Die G&uuml;ternachfrage wird gr&ouml;&szlig;er als das Angebot. Das heizt die Produktion an. Das Volkseinkommen steigt zu jedem Zins; die IS-Kurve verschiebt sich nach rechts. Die Wirtschaft w&auml;chst. Mehr Menschen kommen in Arbeit.</p>
<p>Nach keynesianischen Vorstellungen kann der Staat auf diese Art seine B&uuml;rger so lange unterst&uuml;tzen, bis die Krise vorbei ist.Ob die Politik damit Erfolg hat, h&auml;ngt auch davon ab, ob sie mit ihren Ausgaben die Konsumenten und Unternehmen dazu bewegen kann, ebenfalls mehr nachzufragen. Die Gesamtnachfrage erh&ouml;ht sich dann n&auml;mlich nicht nur um den Betrag der zus&auml;tzlichen Staatsausgaben, sondern um einen h&ouml;heren. Ohne diesen sogenannten Multiplikatoreffekt w&auml;ren Konjunkturprogramme sinnlos.</p>
<p>Keynes begr&uuml;ndet die Existenz dieses Multiplikatoreffekts so: Die h&ouml;heren Staatsausgaben stellen f&uuml;r Unternehmen und Konsumenten Einnahmen dar. Weil deren Nachfrage wiederum von der H&ouml;he ihrer Einnahmen abh&auml;ngt, steigern sie als Reaktion auf die h&ouml;heren Staatsausgaben ihrerseits die Nachfrage. Eine kleine Erh&ouml;hung der Staatsausgaben f&uuml;hrt dadurch in der Regel zu einer st&auml;rkeren Erh&ouml;hung des Volkseinkommens.</p>
<p>Das kann man sich so vorstellen: Die Bundesregierung gibt f&uuml;r ein neues St&uuml;ck Autobahn 10 Millionen Euro aus. Davon werden Bauunternehmen bezahlt. Deren Einnahmen erh&ouml;hen sich. Sie fragen deshalb mehr Baumaschinen nach. Die Baumaschinenhersteller wiederum kaufen mehr Rohmaterial. Und so weiter. Am Schluss steigt das Volkseinkommen um ein Mehrfaches der urspr&uuml;nglichen Staatsausgaben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sparen ist f&uuml;r K</strong><strong>eynes keine Tugend</strong></p>
<p>Wie stark dieser Effekt ausf&auml;llt, dar&uuml;ber entscheidet der keynesianische Multiplikator. Sein Wert ist je nach Land unterschiedlich, kurzfristig aber nicht zu beeinflussen. In einer geschlossenen Volkswirtschaft gilt: &Delta;Y = &Delta;G / s.</p>
<p>&Delta;Y bezeichnet die Ver&auml;nderung des Volkseinkommens, &Delta;G die Ver&auml;nderung der Staatsausgaben und "s" die Sparquote, die angibt, wie viel von einem Euro zus&auml;tzlichen Einkommens gespart wird.</p>
<p>Der Multiplikator wirkt also umso st&auml;rker, je niedriger die Sparneigung ist. Abgeschw&auml;cht wird seine Wirkung durch verschiedene Formen des Versickerns; neben dem Sparen auch durch die Besteuerung und die Importe. Eigentlich logisch: Je mehr von dem zus&auml;tzlichen Einkommen von Steuern aufgefressen wird, desto geringer ist der Multiplikatoreffekt Und er ist auch umso geringer, je mehr die Menschen von ihrem zus&auml;tzlichen Einkommen G&uuml;ter aus dem Ausland kaufen.</p>
<p>Wer diesen Einf&uuml;hrungskurs durchgearbeitet hat, wei&szlig;, worum es geht, wenn folgende Fragen auftauchen: Befinden wir uns in einer Liquidit&auml;tsfalle? Ist der Multiplikator gro&szlig; genug? Und - viel grundlegender - hatte Keynes &uuml;berhaupt recht damit, dass Staatsausgaben helfen k&ouml;nnen? Wer Letzteres mit guter Begr&uuml;ndung verneint, kann sich trotzdem auf Keynes berufen. Von seinem &Ouml;konomen-Kollegen Paul Samuelson befragt, wieso er so oft seine Meinung &auml;ndere, sagte Keynes: "Wenn meine Informationen sich &auml;ndern, &auml;ndere ich meine Meinung. Was tun Sie, Sir?"</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div class="ArtikelHintergrund">
<div class="ArtikelHintergrundInner">
<div class="ArtikelHintergrundContent">
<p><strong>J<em>ohn Maynard Keynes</em></strong></p>
<p><em>&bdquo;We are all Keynesians now&ldquo; - &bdquo;wir sind jetzt alle Keynesianer&ldquo;: Schon vor mehr als drei Jahrzehnten sagte der amerikanische Pr&auml;sident Richard Nixon diesen Satz. Heute w&uuml;rde er wieder Zustimmung finden: Es gibt kaum ein Land, in dem John Maynard Keynes (<strong>1883 bis 1946</strong>) kein Comeback erlebt. Politiker berufen sich auf ihn, wenn sie Konjunkturprogramme verabschieden, und auch in der Wissenschaft gibt es wieder viele R&uuml;ckgriffe auf seine Theorien.</em></p>
<p><em>Kein Wunder: Schlie&szlig;lich war die Krise das<strong> Lebensthema</strong> des britischen &Ouml;konomen. 1883 als Sohn eines &Ouml;konomieprofessors in <strong>Cambridge</strong> geboren, erlebte Keynes, wie hilflos die &Ouml;konomen der <strong>Weltwirtschaftskrise</strong> der fr&uuml;hen drei&szlig;iger Jahre gegen&uuml;berstanden.</em></p>
<p><em>Das pr&auml;gte sein Werk. 1936 erschien seine &bdquo;<strong>Allgemeine Theorie der Besch&auml;ftigung, des Zinses und des Geldes</strong>&ldquo;. Darin deutete er die Krise als eine Situation, in der die Wirtschaft sich kurzfristig nicht selbst helfen kann: Wenn die Menschen aus Sorge um die Zukunft nicht mehr konsumieren und die Unternehmen trotz niedriger Zinsen nicht investieren, entwickele sich eine Abw&auml;rtsspirale. In einer solchen Situation m&uuml;sse der Staat aktiv werden und Arbeit schaffen, meinte Keynes.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und heute?</p>
<p>2001 Aktienkrise</p>
<p>2008 Immobilienkrise</p>
<p>2019 Brexitkrise und Handelskrieg? H&ouml;ren wir dann wieder auf Keynes?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="WeitereBeitraege"><span class="WBHead">Mehr zum Thema</span></p>
<ul class="RelatedLinkBox middot">
<li class="context-small serif"><a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/der-volkswirt-gefangen-in-der-formelwelt-1760069.html" class="defaultLink arrowLink  " title="Der Volkswirt: Gefangen in der Formelwelt">Der Volkswirt: Gefangen in der Formelwelt</a></li>
<li class="context-small serif"><a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/john-maynard-keynes-der-oekonom-der-unsicherheit-1724160.html" class="defaultLink arrowLink  " title="John Maynard Keynes: Der &Ouml;konom der Unsicherheit">John Maynard Keynes: Der &Ouml;konom der Unsicherheit</a></li>
<li class="context-small serif"><a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/verhaltensoekonomie-steuerschecks-fuer-alle-1723111.html" class="defaultLink arrowLink  " title="Steuerschecks f&uuml;r alle">Steuerschecks f&uuml;r alle</a></li>
<li class="context-small serif"><a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/finanzkrise-wer-rettet-den-staat-1723399.html" class="defaultLink arrowLink  " title="Kommentar: Wer rettet den Staat?">Kommentar: Wer rettet den Staat?</a></li>
</ul>
</div>
</div>
</div>
</div>
</div></div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 05 Dec 2016 20:56:42 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Keynesianismus</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/97-keynesianismus</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/97-keynesianismus</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><h2>
	<span style="font-family: FrutigerLTStd-Black;"><span style="font-family: FrutigerLTStd-Black; font-size: medium;"><strong>Der Keynesianismus</strong></span></span></h2>
<p>
	<br />
	<span style="font-family: arial,helvetica,sans-serif;"><span style="font-size: medium;">Die Weltwirtschaftskrise um 1930 hatte in allen Industrienationen </span><span style="font-size: medium;">verheerende Arbeitslosigkeit und großes Elend zur </span><span style="font-size: medium;">Folge. Der britische Ökonom <a href="http://www.dombergen.de/content/index.php/vwl/84-geschichte-der-vwl/83-keynes-john-maynard">John M. Keynes</a> (1883–1946) </span><span style="font-size: medium;">entwickelte vor diesem Hintergrund eine Wirtschaftstheorie,&nbsp; </span><span style="font-size: medium;">von der er sich eine Überwindung solcher Krisen versprach.</span><br />
	<span style="font-size: medium;">Während die traditionelle Ökonomie bislang davon </span><span style="font-size: medium;">ausgegangen war, dass Arbeitslosigkeit nur ein vorübergehendes </span><span style="font-size: medium;">Phänomen wäre, da mit hoher Arbeitslosigkeit ein </span><span style="font-size: medium;">Sinken der Löhne und damit wieder mehr Einstellungen der </span><span style="font-size: medium;">Unternehmen verbunden wären, bestritt Keynes diesen Zusammenhang </span><span style="font-size: medium;">vehement. Vielmehr ging er davon aus, dass </span><span style="font-size: medium;">in einer Volkswirtschaft aus den sinkenden Löhnen auch sinkende </span><span style="font-size: medium;">Einkommen der privaten Haushalte resultierten mit </span><span style="font-size: medium;">der Folge, dass die Nachfrage nach Konsumgütern ebenfalls </span><span style="font-size: medium;">sinke. Statt zu einer Überwindung der Krise käme es sogar </span><span style="font-size: medium;">zu deren Verschärfung, da die Unternehmen ihre Produkte </span><span style="font-size: medium;">nicht mehr verkaufen könnten.</span><br />
	<span style="font-size: medium;">Für Keynes stellte sich daher die Frage, wie eine&nbsp;Ankurbelung </span><span style="font-size: medium;">der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage&nbsp; gelingen könnte. Einer </span><span style="font-size: medium;">Erhöhung der Löhne erteilte er eine Absage; er befürchtete, </span><span style="font-size: medium;">dass dann noch mehr Unternehmer ihre Beschäftigten </span><span style="font-size: medium;">auf die Straße setzten. Der Weg, die Unternehmen zu mehr </span><span style="font-size: medium;">Investitionen in Maschinen anzuregen, schied ebenfalls aus, </span><span style="font-size: medium;">weil neue Produktionskapazitäten bei geringer Nachfrage </span><span style="font-size: medium;">wenig rentabel waren. Keynes’ zentraler Gedanke war nun, </span><span style="font-size: medium;">dass der Staat zusätzliche Nachfrage schaffen müsste. Dafür </span><span style="font-size: medium;">sollte er sich ggf. sogar bei der Notenbank verschulden. </span><br />
	<span style="font-size: medium;">Keynes’ Vorschlag war unerhört; bislang hatte der Grundsatz&nbsp; </span><span style="font-size: medium;">gegolten, dass ein Staatshaushalt&nbsp; ausgeglichen sein muss. </span><span style="font-size: medium;">Keynes bestand aber darauf, dass der Staat seine Spielräume n</span><span style="font-size: medium;">utzen sollte – sobald die Krise überwunden wäre, könnte </span><span style="font-size: medium;">der Staat seine Schulden infolge der steigenden Steuereinnahmen </span><span style="font-size: medium;">wieder tilgen.</span></span></p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	<a href="http://www.makroo.de/Das%20keynesianische%20Modell/Das%20keynesianische%20Modell.htm"><span style="font-family: arial,helvetica,sans-serif;"><span style="font-size: medium;">Hier sein Modell. </span></span></a></p>
<p>
	<span style="font-family: arial,helvetica,sans-serif;"><span style="color: #ffffff;"><span style="color: #ffffff;"><span style="color: #ffffff;"><span style="font-size: medium;">M3 </span></span></span></span></span></p>
<p>
	<span style="font-family: arial,helvetica,sans-serif;"><span style="font-size: medium;">&nbsp;Der <a href="http://www.dombergen.de/content/index.php/vwl/84-geschichte-der-vwl/80-friedman-milton">Hauptgegner</a> dieser Theorie war Milton Friedman</span></span></p>
</div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 19:44:50 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Maslow</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/87-maslow</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/87-maslow</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><h2>Die Bed&uuml;rfnispyramide nach Abraham Maslow</h2>
<p>Der Mensch hat verschiedene Bed&uuml;rfnisse. Au&szlig;erdem ist klar, dass der Mensch hin und wieder wegen eines Bed&uuml;rfnisses ein anderes zur&uuml;ckstellt. Das eigentlich simple Modell des Psychologen Abraham Maslow w&auml;re daher bei seiner Ver&ouml;ffentlichung 1954 auch keine &Uuml;berraschung gewesen, wenn sich aus seinem Stufenbau nicht eine eben doch &uuml;berraschend n&uuml;tzliche Anwendung erg&auml;be.<br />Maslow bildete eine 5-stufige Pyramide aus dem Bed&uuml;rfnissen des Menschen.</p>
<dl>
	<dt><strong>Ebene I</strong></dt>
	<dd><strong>(k&ouml;rpeliche) Grundbed&uuml;rfnisse</strong>: Die unterste und breiteste Stufe nehmen die Grundbed&uuml;rfnisse ein: Nahrung, Kleidung,&nbsp;Schlafen, Fortpflanzung, W&auml;rme sind die wichtigsten. Sie m&uuml;ssen zun&auml;chst erf&uuml;llt (befriedigt) sein, bevor ein Mensch motiviert ist, sich um die Befriedigung von Bed&uuml;rfnissen h&ouml;herer Ebenen zu bem&uuml;hen.</dd>
	<dt><strong>Ebene II</strong></dt>
	<dd><strong>Sicherheitsbed&uuml;rfnisse</strong>:&nbsp; Abgrenzung, Recht und Ordnung, Schutz sowie&nbsp;das Anlegen von Vorr&auml;ten, aber auch das Bem&uuml;hen, um den Erhalt des Arbeitsplatzes oder das Bilden von Ersparnissen geh&ouml;ren dazu.</dd>
	<dt><strong>Ebene III</strong></dt>
	<dd><strong>Soziale Bed&uuml;rfnisse</strong>: Liebe, Zugeh&ouml;rigkeit zu einer Gruppe, Kontakte zu anderen, Best&auml;tigung.</dd>
	<dt><strong>Ebene IV</strong></dt>
	<dd><strong>ICH-Bed&uuml;rfnisse</strong> = Bed&uuml;rfnis nach Wertsch&auml;tzung: Anerkennung durch Gruppenmitglieder oder Vorgesetzte, Ruhm, Aufmerksamkeit.</dd>
	<dt><strong>Ebene V</strong></dt>
	<dd>Die f&uuml;nfte, letzte und in der Pyramide auch kleinste Stufe wird vom Bed&uuml;rfnis nach <strong>Selbstverwirklichung </strong>eingenommen.</dd>
</dl>
<p><img src="https://www.sdi-research.at/tl_files/pics/lexikon/Maslow-Pyramide.gif" alt="Maslow Pyramide" /><br />Bildquelle: <a href="https://www.sdi-research.at/tl_files/pics/lexikon/Maslow-Pyramide.gif">https://www.sdi-research.at/tl_files/pics/lexikon/Maslow-Pyramide.gif</a></p>
<h3>Die Stufen&uuml;berg&auml;nge</h3>
<p>Entscheidend ist nun, dass sich die menschliche Psyche sehr eng an diese Stufen h&auml;lt. Erst wenn z.B. das Bed&uuml;rfnis nach Sicherheit zufriedengestellt ist, k&uuml;mmert sich der Mensch um seine sozialen Bed&uuml;rfnisse. Wer dagegen Hunger hat, nimmt auch erhebliche Sicherheitsrisiken in Kauf. Akute Bed&uuml;rfnisse auf jeder Stufe blenden die dar&uuml;berliegenden Stufen aus den Interessen des Menschen einfach aus.<br />Die Interessenentwicklung des Menschen erfolgt stufenweise. Dabei kann es auch r&uuml;ckw&auml;rts gehen, manchmal auch sehr schnell, wie Kriegs- und Katastrophenf&auml;lle drastisch zeigen. Und nat&uuml;rlich kann jemand, der hohe Schulden hat und sich eigentlich um die unteren Stufen k&uuml;mmern sollte, durchaus noch ein Cabrio auf Pump kaufen, solange er nicht tats&auml;chlich hungert oder in seinen sozialen Kontakten dadurch Schaden nimmt ...</p></div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 19:29:13 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Markttheorie</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/85-markttheorie</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/85-markttheorie</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><p><span style="font-size: large;"><strong>Markttheorie</strong></span></p>
<p>In der Theorie wurde das Idealbild eines Marktes untersucht - eines Marktes mit freier Konkurrenz, auf dem die Akteure, Anbieter wie Nachfrager, quasi chancengleich agieren. In den dann folgenden Abschnitten wurden Anbieter und Nachfrager bezüglich ihres Marktverhaltens näher untersucht. Dieses Verhalten läßt es unwahrscheinlich erscheinen, daß freie Konkurrenz der einzige und dauerhafte Zustand ist, in dem sich ein Markt befinden kann. Die jeweiligen Ziele der Marktteilnehmer werden sich unter bestimmten Bedingungen besser oder schlechter verwirklichen lassen, was die jeweils andere Marktseite begünstigt - von den Interventionen des Staates einmal ganz abgesehen. Eingehend auf die unterschiedlichen Marktbedingungen ändert sich das <strong>Marktverhalten</strong> der Teilnehmer. Im wesentliches läßt sich dieses in drei Gruppen einteilen:</p>
<ul>
<li><span style="font-family: Arial; font-size: small;"><em>autonom-anpassendes</em> Marktverhalten, d.h. die Marktteilnehmer sprechen sich nicht ab, handeln also autonom, und passen sich dem jeweiligen Marktpreis mit einer Mengenreaktion an (Mengenanpasser)</span></li>
<li><span style="font-family: Arial; font-size: small;"><em>kooperative-strategisches</em> Marktverhalten entsteht aus dem autonom-anpassenden, wenn sich einige Marktteilnehmer über eine Übereinstimmung ihrer Interessen abstimmen (kooperativ) und einigen, gemeinsam den Marktpreis in ihrem Sinne zu beeinflussen (strategisch) - z.B. Zünfte, Abnehmergemeinschaften, Erzeugergemeinschaft</span></li>
<li><span style="font-family: Arial; font-size: small;"><em>kämpferisch-strategisches</em> Marktverhalten, das sich einstellt, wenn die Kooperation erfolgreich war und sich daraus "ein Vorsatz" entwickelt. Das Ziel ist dann in der Regel die Marktbeherrschung, das Monopol. </span></li>
</ul>
<p><span style="font-family: Arial; font-size: small;">In einer Volkswirtschaft liegen alle drei Formen von Marktverhalten gleichzeitig vor, wobei bestimmte Tendenzen zeitweilig festzustellen sind. Die Märkte befinden sich also in jeweils unterschiedlichen Zuständen. Um diese darzustellen, hat der Volkswirt <em>Walter Eucken</em> die verschiedenen Formen, die Märkte annehmen können, im sog. <strong>Quantitativen Marktformenmodell</strong> dargestellt. Quantitativ deshalb, weil die Gliederung nach der Anzahl der Marktteilnehmer erfolgt (unabhängig von deren jeweiligen Marktanteilen).</span> <br /><img src="http://bsravensberg.lernnetz.de/gfx/markt-formen.jpg" border="0" alt="markt-formen.jpg" width="468" height="293" /><br />Je nach Marktform weichen die Preisbildungen vom Ideal bei freier Konkurrenz ab, wobei hier gilt, je geringer die Anzahl der Marktteilnehmer einer Gruppe, desto besser deren Stellung auf dem Markt und desto besser deren Chance, die Preisbildung in ihrem Sinne beeinflussen zu können. <br /><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Nach der Preisbildung bei freier Konkurrenz, die schon ausführlich behandelt wurde, sind Oligopolpreisbildung und Monopolpreisbildung von Bedeutung. Aufgrund ihres gesamtwirtschaftlichen Anteils haben die Oligopole auch zahlreiche Wissenschaftler veranlaßt, Modelle zu entwickeln, die ihre Preisbildung simulieren. Genannt seien z.B. die von <em>Stackelberg </em>und die <em>Spieltheorie</em>, zu der der NP Selten einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Alle sog. <strong>Oligopolmodelle</strong> gelten jedoch als kompliziert.</span> <br /><span style="font-family: Arial; font-size: small;">In der üblichen Vorstellung von <strong>Monopolen</strong> handelt es sich um Angebots- oder Anbietermonopole, d.h. auf dem Markt steht einer regulären Nachfrage nur ein Anbieter gegenüber. Es existiert in diesem Sinne also keine Angbotsfunktion, sie wird durch die individuelle Angebotsfunktion des Monopols ersetzt. Das Monopol ist dadurch in der Lage, die Preis-Mengen-Kombination auf dem Markt so zu bestimmen, daß sie dem Gewinnmaximum des Monopols entspricht.</span> <br /><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Dieses ist nach den Aussagen von AM 6 bei der Menge zu finden, wo die Grenzkosten des Monopols gleich den Grenzerlösen sind, einen "normalen" Marktpreis gibt es ja nicht. Die Grenzerlöse werden dabei von den Nachfragern, d.h. genauer gesagt von deren Elastizität bestimmt, welche damit einen meist unterschätzten Einfluß auf Monopolpreise haben. Insgesamt ist für die Monopolpreisbildung jedoch eine Verringerung der umgesetzten Menge und eine Erhöhung des Preises im Vergleich zur freien Konkurrenz zu beobachten (vgl. Abb. 2).</span> <br /><img src="http://bsravensberg.lernnetz.de/gfx/monopol.jpg" border="0" alt="monopol.jpg" width="483" height="433" /><br /> <br />Monopole führen immer zu einer Umverteilung und zu einer Verkürzung von Renten (sh. <em>Wohlfahrtstheorie</em>) und somit zu einem gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsverlust. Monopole sind daher im Vergleich zur freien Konkurrenz grundsätzlich abzulehnen. Dennoch gab und gibt es Gründe, in bestimmten Branchen Monopole zuzulassen bzw. gar unter staatlichen Schutz zu stellen. Dies ist dann der Fall, wenn z.B. durch die Errichtung von Netzen (Bahn-, Gas-, Wasser- aber auch Telefonnetzen) riesige Kapitalvorschüsse erbracht werden müssen. Diese der Konkurrenz auszusetzen bedeutet auch, beim Unterliegen eines Konkurrenten mit enormen Kapitalverlusten rechnen zu müssen. <br /><span style="font-family: Arial; font-size: small;">Um das Entstehen von Monopolen zu verhindern, wurden in allen Industrieländern umfangreiche <strong>Kartellgesetzgebungen</strong> auf den Weg gebracht. So sind in Deutschland Unternehmeszusammenschlüsse, die zu einem bestimmten und für jeden Markt gesondert zu bestimmenden <strong>Marktanteil</strong> führen, nicht statthaft, d.h. solche Zusammenschlüsse erhalten vom Kartellamt keine Genehmigung. Erreichen Unternehmen durch "normales" Wachstum einen entsprechenden Marktanteil, so ist zu sichern, daß sie die daraus erwachsende <strong>Marktmacht</strong> nicht mißbrauchen. Allerdings sind unter Berücksichtigung des <em>Europäischen Binnenmarktes</em> sowohl Marktanteile wie auch Marktmacht neu zu definieren. Darüber hinaus hat der Bundesminister für Wirtschaft die Möglichkeit, Fusionen auch gegen die Entscheidung des Kartellamtes zu genehmigen, wenn diese Zusammenschlüsse im gesamtwirtschaftlichen Interesse liegen.</span> <br /> <br />Quelle: Rolf Wagner TFH Berlin</p>
<hr />
<p><span style="font-size: medium;"><strong>Der Markt - Treffpunkt zwischen Angebot und Nachfrage</strong></span></p>
<p>Ziehen wir hier zum Einstieg ein gewöhnliches Alltagsbeispiel heran. Ein Mann geht morgens zum Bäcker, um Semmeln zu kaufen. Dieser Mann kauft diese Semmeln um sein Bedürfnis, in diesem Fall seinen Hunger, zu stillen.  Es besteht also eine Nachfrage. Dies ist die erste Komponente des Marktes. Die zweite Komponente sind die Semmeln und Brezen, die in der Vitrine des Bäckers zum Verkauf bereit liegen. Sie stellen das Angebot dar. Der Markt besteht also aus Waren oder Gütern beziehungsweise Dienstleistungen sowie Käufern und Verkäufern beziehungsweise Konsumenten und Anbietern. <br />Dieser Markt beinhaltet zwei Stromarten. Auf der einen Seite haben wir den Geldstrom, der vom Käufer zum Verkäufer führt. Er stellt die Bezahlung der Ware dar. Auf der anderen Seite haben wir den Güterstrom, der in umgekehrter Richtung zwischen den beiden Marktteilnehmern verläuft. Er steht für die Übergabe der Ware an den Käufer. <br />In unserem Fall wären dies also die Semmeln.<br /> <br />Es gibt verschiedene Marktarten. Zum einen das <strong>Monopol</strong>. Dieser Markt ist dadurch gekennzeichnet, dass es nur einen Anbieter gibt, jedoch eine große Nachfrage nach den Waren des Anbieters besteht und damit eine große Zahl von Nachfragern oder Konsumenten. Der Anbieter kann überdurchschnittliche Preise verlangen, da es keine, oder zumindest keine ernstzunehmende Konkurrenz am Markt gibt. Ein Beispiel - der Telekommunikationsmarkt vor der Liberalisierung war bei uns ein monopolistischer Markt.<br /> Die Deutsche Telekom hatte hier eine absolute Monopolstellung inne. Sie war Alleinanbieter von Telefongesprächen. Wer telefonieren wollte, hatte keine Möglichkeit zu einem anderen Anbieter zu wechseln, es herrschte bis vor wenigen Jahren überhaupt kein Wettbewerb. Nach der Öffnung des Telefonmarkts für private Unternehmen setzte ein weiteres Merkmal ein – ein drastischer Preisverfall der Telefonkosten, hierzu kam es nur aufgrund des nun verschärften Wettbewerbs.<br /> <br />Eine weitere Marktart stellt das <strong>Oligopol</strong> dar, (“oligo“,  das kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet “wenige“). Es gibt im Unterschied zum Telekom-Monopol nun schon einige wenige Anbieter, die jedoch immer noch auf eine große Nachfrage treffen.<br /> <br />Das Gegenteil zum Oligopol stellt der <strong>Polypolmarkt</strong> dar.<br />Hier gibt es viele Anbieter, deren Marktanteile so gering sind, dass sie quasi keinen Einfluss auf die Marktpreise haben.<br /> <br />Als letzte Marktform möchte ich noch die Situation der <strong>vollständigen Konkurrenz</strong> ansprechen. Hier müssen folgende Kriterien erfüllt sein, sofern es sich um einen vollkommenen Markt handelt: <br /> <br />  Es gibt viele Anbieter und Nachfrager (<strong>Polypol</strong>),<br />-                die Güter sind homogen, d. h. gleich und austauschbar,<br />-                es herrscht absolute Markttransparenz,<br />-                es gibt keine Präferenzen,<br />-                es herrscht ein Punktmarkt vor,<br />-                und freier Marktzutritt und -austritt ist gegeben.               <br /> <br />Diese vollständige Konkurrenz, die wichtig ist für unsere Basisannahmen in der volkswirtschaftlichen Theorie, ist in der Praxis aber so gut wie nicht existent.<br />Als Näherungsbeispiel für diese Marktform könnte man vielleicht den internationalen Börsenhandel bezeichnen. <br />Zum Beispiel homogene Güter, wie Getreidesorten bieten keine vollständige Konkurrenz, weil –sagen wir mal - gerade der Weizenmarkt durch die EU stark reglementiert ist.<br /> <br />Bei der Nachfrage wird zwischen vier Einflussfaktoren unterschieden. Zum einen die Bedürfnisstruktur des Nachfragers. Jeder setzt seine Prioritäten verschieden bezüglich seines Konsumverhaltens. Ein weiterer Faktor ist der Preis des Gutes, sowie die Preise anderer Güter. Und als letztes haben wir noch das Einkommen des Konsumenten. Es bleibt noch zu erwähnen, dass für die einzelnen Faktoren in der Volkswirtschaftslehre  die ceteris paribus-Bedingung gilt. <strong>Ceteris paribus</strong> (c.p.) kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: „Unter sonst gleichen Umständen.“ Damit ist in der Volkswirtschaftslehre die Konstanz aller Zusammenhänge und Einflussfaktoren für das theoretische Modell gemeint, außer der betrachteten Größe selbst, z. B. also der Preis. In der Realität gilt diese ceteris paribus – Klausel natürlich nicht, im Modell aber ist sie nötig.<br /> <br />Hinter dem Nachfragesesetz versteckt sich im Prinzip eine einfache Regel: Je höher der Preis für ein Gut ist, desto kleiner ist die nachgefragte Menge. Auf der Folie 2 können Sie den Kurvenverlauf einer Nachfragekurve nach dem Nachfragegesetz betrachten. Die Kurve hat eine negative Steigung. Diese lässt sich logisch erklären. Zu einem Preis von 70 Cent werden weniger Brezen nachgefragt als zu einem Preis von 50 Cent. Bei einem Verkaufspreisunterschied von 20 Cent ergibt sich immerhin eine beachtliche Differenz von Menge x.<br /> <br /><strong>Substitutionsgüter</strong><br />Dies sind Güter, die einander ersetzen können, sodass eine Preisreduzierung beim einen Gut die Nachfrage nach dem anderen Gut senkt. So sinkt zum Beispiel die Nachfrage bei Margarine, wenn der Butterpreis einen Preisrückgang verzeichnet. Die Konsumenten würden im Normalfall mehr Butter konsumieren und eher auf Margarine verzichten. <br /> <br /><strong>Komplementärgüter</strong><br />Dies sind Güter, die miteinander gebraucht werden, womit ein Preisrückgang beim einen Gut auch die Nachfrage nach dem anderen Gut erhöht oder umgekehrt: eine Preissteigerung bei Gut A einen Nachfragerückgang beim Gut B nach sich zieht.<br />So wird z. B. ein Benzinpreis von 3-4 Euro langfristig einen Nachfragerückgang auf dem Automobilmarkt zur Folge haben, ceteris paribus. D. h. wenn man etwa die Annahmen vernachlässigt, dass die Zahl der potentiellen Autofahrer steigt oder der Gesamtmarkt für Autos international wächst.<br /> <br /><strong>Inferiore Gut</strong> <br />Bei dieser Güterart sinkt die Nachfrage bei steigendem Einkommen. Je mehr Geld wir in unseren Taschen haben, desto mehr geben wir prozentual für teuere und hochwertige Produkte wie Autos, Reisen oder Lifestyleartikel aus. Wir sparen im Gegenzug an inferioren Gütern wie meinetwegen Schweinebauch oder Billigsalami.<br /> <br /><strong>Gesetz des abnehmenden Grenznutzens</strong><br />Hierzu wieder ein Beispiel aus dem Alltagsleben. Wir alle waren doch sicherlich schon einmal im Kino und haben uns vorher eine Tüte Popcorn gekauft. Der Anreiz nach der ersten Tüte ist enorm. Wenn dieses Popcorn aufgezehrt ist kann man sich vorstellen, noch eine Portion zu vertilgen vor allem wenn der Film Überlänge hat. Aber das nur nebenbei. Ganz unerschrockene schaffen vielleicht noch eine dritte Tüte, aber spätestens dann steht einem das Popcorn bis zum Hals. Der Anreiz beziehungsweise das Bedürfnis wird von Tüte zu Tüte weniger. So wird das erste Wasser nach einem Fußballspiel immer begehrter sein als das zweite, welches den Durst nicht mehr so enorm löscht. So kann man zusammenfassend, dass <br />jede weitere konsumierte Einheit eines Gutes einen geringeren Nutzen für den Konsumenten stiftet. (Folie)</p>
<p><br /><strong>Angebot</strong><br />Wie bei der Nachfrage spielt auch beim Angebot der Preis eine/) zentrale Rolle. Um nochmal auf unser Beispiel  von vorhin zurückzukommen, wird der Bäcker versuchen so viele Brezen wie möglich zu einem Marktpreis von 2 Euro zu produzieren, da er mit einem derart hohen Preis im Normalfall auch einen hohen Gewinn erzielen wird. Im Gegenteil dazu wird sich der Bäcker weniger auf die Brezenproduktion konzentrieren, wenn der Marktpreis bei 50 Cent liegt. Er wird bei dieser Preislage dementsprechend geringe Gewinne erwirtschaften. (Folie)<br /> </p>
<p><strong>Kombination von Angebot und Nachfrage</strong><br />Wie Sie an dieser Grafik sehen können, schneiden sich die beiden Kurven. Genau an diesem Schnittpunkt, in dem das sogenannte Marktgleichgewicht herrscht, einigen sich Anbieter und Nachfrager über den Preis. In unserem Beispiel liegt der Preis bei 80 Cent für eine Breze. <br />Die gekennzeichneten Punkte oberhalb des Schnittpunkts deuten auf einen Angebotsüberschuss hin. Das heißt, dass die angebotene Menge die nachgefragte Menge zum aktuell herrschenden Preis übersteigt. Um diesen Überschuss an Angebot nun abzubauen, werden die Preise vom Lenkungssystem Markt quasi Zug um Zug herabgesetzt. Je mehr der Preis jedoch sinkt, desto weniger Brezen wird der Bäcker produzieren.<br />Unterhalb des Marktgleichgewichts haben wir nun das Gegenteil vorliegen - einen Nachfrageüberschuss. In dieser Situation übersteigt die nachgefragte Menge die angebotene. <br /> <br />Ein drastischer Nachfragerückgang, hat eine Verschiebung der Nachfragekurve nach links zur Folge. Der Marktpreis würde sich reduzieren. Bei einem Nachfragezuwachs würde sich die Nachfragekurve nach rechts verschieben und der Preis würde steigen. <br />Bei einer Angebotsausweitung würde sich die Angebotskurve nach rechts verschieben und der Preis würde sich logischerweise vermindern. Andersrum würde sich bei einem Angebotsrückgang der Preis erhöhen und die Kurve verschiebt sich nach links.<br /> </p>
<p><strong>Marktteilnehmer</strong><br />Nutzenmaximierung der Konsumenten und die Gewinnmaximierung der Unternehmer.  <br />Wenn beide Marktteilnehmer aus einem Tauschprozess Vorteile ziehen und ihre ökonomische Situation verbessern, tragen sie auch zeitgleich zu einer Steigerung des Gemeinwohls bei. In der Volkswirtschaftslehre spricht man in diesem Zusammenhang vom Pareto-Optimal .  Dieser Sachverhalt gilt aber nur, wenn man sich das Gemeinwohl, oder anders ausgedrückt, die gesellschaftliche Wohlfahrt, einfach als ein Aggregat aus den Nutzen der einzelnen Gesellschaftsmitglieder vorstellt. Nach  dieser Annahme ist es auch möglich, den Nutzen einer Person zu steigern, ohne den Nutzen eines anderen zu verringern, um somit eine Steigerung des Gemeinwohls herbeizuführen.<br /> </p>
<p><strong>Adam Smith</strong><br />Er zeichnete schon im 18.Jahrhundert die Grundlagen einer freiheitlichen, vom Eigeninteresse der Menschen getragenen und über den Marktmechanismus gesteuerten Wirtschaftsordnung, die den Wohlstand der Nationen mehrt. Sein Hauptwerk heißt demnach: The Wealth of Nations.<br />Seine für damalige wirtschaftliche Verhältnisse revolutionäre Botschaft der „invisible hand“ oder zu deutsch der unsichtbaren Hand hat bis heute uneingeschränkte Gültigkeit. Wie von einer unsichtbaren Hand gelenkt, sorgen die Männer dafür, dass die Marktteilnehmer, indem sie eigene Ziele verfolgen und auf den Märkten der Welt konkurrieren, gleichzeitig auch dem Gemeinwohl dienen.<br /> </p>
<p><strong>Preiselastizität</strong><br />Es gibt zwei grundlegende  Elastizitäten. Zum einen die Preiselastizität der Nachfrage und zum anderen die Preiselastizität des Angebots. <br />Lassen Sie uns erneut mit der Nachfrage beginnen. Die Elastizität zeigt, wie sich die Nachfrage an Gütern aufgrund von Preiserhöhungen oder -rückgängen verändert.<br />Die Formel für die <strong>Preiselastizität der Nachfrage</strong> lautet:                                                   <br />                           <br />                         <span style="text-decoration: underline;">Prozentuale Mengenänderung eines Gutes A</span> <br />                         Prozentuale Preisänderung eines Gutes A <br /> <br />Wenn eine Preiselastizität größer als 1 ist spricht man von einer <strong>elastischen Nachfrage</strong>. Hier führt eine zehnprozentige Preisänderung zu einer Mengenänderung, welche größer als 10% ist, im Falle der Nachfrage meist mit negativem Vorzeichen. Bei einer <strong>unelastischen Nachfrage</strong>, die dann kleiner als 1, ist würde eine zehnprozentige Mengenänderung zu einer geringeren Mengenänderung als 10% führen.<br />Wenn eine Preiselastizität genau 1 beträgt  spricht man von einer Einheitselastizität.  <br />Eine Preisänderung hätte genau die gleiche relative Mengenänderung zur Folge. Eine derartige Elastizität können wir, wie ich gleich erläutern werde bspw. beim langfristigen Verbrauch von Benzin sehen. <br />Generell bleibt festzustellen, dass viele Güter auf lange Sicht eine größere Preiselastizität haben als kurzfristig.<br />Luxusgüter weisen generell eher elastische Nachfragekurven und  lebensnotwendige Güter eher unelastische Nachfragekurven auf.</p>
<p>Der Text wurde leicht modifiziert von Do</p>
<p>Originale Quelle: <span><span style="font-family: arial,helvetica,sans-serif;">Prof. Dr. Rüdiger Hansl FH Deggendorf </span></span><span><span style="font-family: arial,helvetica,sans-serif;"><br /></span></span><span>Die Folien sind dort ebenfalls abgelegt.</span></p></div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 19:25:49 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>Magisches Viereck</title>
			<link>http://www.dombergen.de/vwl/84-magisches-viereck</link>
			<guid isPermaLink="true">http://www.dombergen.de/vwl/84-magisches-viereck</guid>
			<description><![CDATA[<div class="feed-description"><h1>
	Magisches Viereck (einfache Erklärung)</h1>
<p>
	<br />
	Das magische Viereck beinhaltet vier wirtschaftspolitische Ziele, die gleichzeitig die Hauptziele der staatlichen Wirtschaftspolitik sind und 1967 im Stabilitätsgesetz festgelegt wurde. Das magische Viereck besteht aus folgenden wirtschaftspolitischen Zielen:</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<ul>
	<li>
		Hoher Beschäftigungsstand / Vollbeschäftigung</li>
	<li>
		Preisstabilität</li>
	<li>
		Wirtschaftswachstum</li>
	<li>
		Außenwirtschaftliches Gleichgewicht<br />
		&nbsp;</li>
</ul>
<p>
	<img alt="Magisches Viereck" border="0" src="http://www.wirtschafts-lehre.de/bilder/Magisches_Viereck_der_Wirtschaftspolitik.png" width="400" /><br />
	<br />
	Werden alle vier Ziele erreicht spricht man von einem gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht. Das gleichzeitige Erreichen von allen vier Zielen ist aber nur mit magischen Kräften zu schaffen, daher auch der Begriff magisch. Konkret bedeutet das, es ist <strong>nicht möglich</strong> alle vier Ziele gleichzeitig zu erreichen, da zwischen den Zielen ein Zielkonflikt vorliegt. Andere Ziele unterstützen sich. Man spricht dann von Zielharmonie.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Eine<strong> Zielharmonie</strong> liegt beispielweise vor, wenn durch</p>
<ul>
	<li>
		ein hohes Wirtschaftswachstum auch ein hohes Beschäftigungsniveau erreicht wird.&nbsp;</li>
</ul>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Ein <strong>Zielkonflikt</strong> liegt beispielsweise vor, wenn durch</p>
<ul>
	<li>
		ein hohes Beschäftigungsniveau (Vollbeschäftigung, bzw. ein hoher Beschäftigungsgrad) eine Preisinstabilität (hohes Preisniveau bzw. hohe Inflation) ensteht.</li>
	<li>
		ein hohes Wirtschaftswachstum eine Preisinstabilität (hohe Inflation) entsteht.</li>
	<li>
		außenwirtschaftliches Gleichgewicht die Beschäftigung stagniert oder zurück geht (in Deutschland als Exportnation).</li>
</ul>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	<strong>Zielneutralität</strong> liegt vor, wenn sich die Ziele nicht oder kaum beeinflussen wie beispielweise bei der</p>
<ul>
	<li>
		Geldwertstabilität und Umweltschutz (siehe magisches Vieleck)</li>
</ul>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	Messung und Zielwert</h2>
<h3>
	Preisstabilität:</h3>
<p>
	Die Preisstabilität wird über den berühmten deutschen Warenkorb ermittelt. Dabei beträgt der Toleranzbereich zwischen 0 bis 2 %. Sprich es sollte keine Preissteigerungsrate von über 2 Prozent geben.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	Hoher Beschäftigungsgrad:</h3>
<p>
	Man teilt die Anzahl der registrierten Arbeitslosen durch die Summe der zivilen Erwerbstätigen und der registrierten Erwerbstätigen insgesamt. Die Arbeitslosenquote soll höchstens 3 Prozent betragen. Der Zielwert beträgt (ohne selbständige Erwerbspersonen) zwischen 0,7 und 3%.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	Außenwirtschaftliches Gleichgewicht:</h3>
<p>
	Der Indikator ist die Außenbeitragsquote. Sie errechnet sich aus dem Außenbeitrag (Exporte minus Importe von Waren und Dienstleistungen) dividiert durch das nominale Bruttoinlandsprodukt multipliziert mit 100. Das Ziel ist ein ausgeglichenes Verhältnis der Importe und Exporte.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h3>
	Wirtschaftswachstum:</h3>
<p>
	Bei der realen Zunahme des Bruttonationaleinkommens bzw. des Bruttoinlandprodukts wächst die Wirtschaft. Der Zielwert sollte zwischen 3 und 4 Prozent liegen.</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<h2>
	Erweiterung des magischen Vierecks (magisches Vieleck)</h2>
<p>
	Das magische Viereck wird zuweilen zum magischen<strong> Fünfeck, Sechseck, Siebeneck, Achteck</strong> und Neuneck erweitert. Dabei kommen folgende Punkte hinzu:</p>
<ul>
	<li>
		ausgeglichene öffentliche Haushalte</li>
	<li>
		gerechte Einkommensverteilung</li>
	<li>
		Erhaltung einer lebenswerten Umwelt / Umweltschutz</li>
	<li>
		humane Arbeitsbedingungen</li>
	<li>
		Sicherung von Ressourcen</li>
	<li>
		&nbsp;</li>
</ul>
<p>
	Spricht man z.B. vom <strong>magischen Sechseck</strong> kommen zu den normalen vier Zielen noch der Umweltschutz und die gerechte Einkommensverteilung hinzu.</p>
<p>
	Quelle:http://www.wirtschafts-lehre.de/magisches-viereck.html</p>
<p>
	angepasst von Dombergen</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<hr />
<p>
	<strong>Gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht (Magisches Viereck)</strong>&nbsp;(ausführlichere Erklärung)<br />
	&nbsp;<br />
	Der Begriff des „Gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts“ stammt aus der makroökonomischen Theorie. In der Makrotheorie ist das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht exakt definiert. Von einem Gleichgewicht wird beispielsweise dann gesprochen, wenn die geplante Ersparnis der Wirtschaftssubjekte den geplanten Investitionen entspricht. (I=S)</p>
<p>
	&nbsp;</p>
<p>
	Man muss davon ausgehen, dass die Definition des „Wirtschaftlichen Gleichgewichts“ (aus der Makrotheorie)&nbsp; für die praktische Wirtschaftspolitik zunächst ein inhaltsleerer Begriff ist.</p>
<br />
<p>
	Doch die Wirtschaftspolitiker müssen das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht irgendwie definieren und Ziele für ihre Aufgaben setzen und das sieht in der politischen Praxis so aus:<br />
	In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Aufgabe der Stabilisierung der Wirtschaft im Jahre 1967 durch das „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“ rechtlich normiert. Gemäß Paragraph 1 dieses Gesetzes haben „Bund und Länder bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten“. Als gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht wird dabei eine Situation verstanden, in der vier Ziele erreicht sind:<br />
	<br />
	<strong>·&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ein stabiles Preisniveau<br />
	·&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ein hoher Beschäftigungsstand<br />
	·&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href="http://www.makroo.de/Einleitung/Aussenwirtschaftliches%20Gleichgewicht.htm">außenwirtschaftliches Gleichgewicht</a>und<br />
	·&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ein angemessenes und stetiges&nbsp;Wirtschaftswachstum</strong><br />
	&nbsp;<br />
	Diese Ziele bezeichnet man zusammengenommen auch als das <strong>„Magische Viereck“.</strong><br />
	Man muss allerdings beachten, dass diese vier Ziele nicht gleichgewichtig nebeneinander stehen. Das außenwirtschaftliche Gleichgewicht ist eine notwendige Bedingung für die Erreichung der binnenwirtschaftlichen Ziele. Auch das Wachstumsziel kann als Vorziel für die Aufrechterhaltung eines hohen Beschäftigungsniveaus interpretiert werden (Zielharmonie). Insofern kann man die Ziele Preisstabilität und hoher Beschäftigungsstand als Primärziele des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts ansehen. (Hier gibt es <a href="http://www.makroo.de/Einleitung/Aussenwirtschaftliches%20Gleichgewicht.htm">unterschiedliche Auffassungen</a>.&nbsp;Verwendet wird auch&nbsp;die Einteilung in Zielkonflikte und Zielharmonie)<br />
	&nbsp;<br />
	Diese beiden Ziele werden dabei auch als Primärziele formuliert.<br />
	Wirtschaftspolitische Ziele sind nämlich auch Mittel zur Erreichung gesellschaftspolitischer Grundwerte, wie Freiheit, Gerechtigkeit, Wohlfahrt, Sicherheit und Ökologie.&nbsp;Die Wurzeln des Ziels eines hohen Beschäftigungsstands liegen also im sozialethischen und im gesellschaftspolitischen Bereich. Arbeitslosigkeit bedeutet für die Betroffenen materielle Not, Verlust an Selbstvertrauen und Status. Eine hohe Arbeitslosigkeit kann zudem auch das politische System, die Demokratie gefährden. Ökonomisch bedeutet Unterbeschäftigung, dass der Produktionsfaktor Arbeit nicht mehr vollständig zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen genutzt wird. Damit geht Wohlstand verloren.<br />
	&nbsp;<br />
	Die negativen Folgen der <a href="http://www.wirtschaftundschule.de/Lexikon/A/Arbeitslosigkeit.html"><strong>Arbeitslosigkeit</strong></a>sind ja heute allen präsent. Doch davon, welche Probleme eine Inflation mit sich bringt, haben die meisten jüngeren Menschen eher vage Vorstellungen.&nbsp;<br />
	<br />
	Der Begriff der<strong>Inflation</strong> ist ihnen bekannt. Sie haben allerdings – Gott sei Dank – noch nicht die negativen Folgen einer hohen Inflation selbst gespürt. Ältere, die noch die beiden Weltkriege erlebt haben, aber auch die, die die siebziger Jahre erlebt haben, kennen dagegen die negativen Folgen der Inflation. Inflation führt zu willkürlichen Vermögensumverteilungen, sie verursacht sog. „Schuhsohlen- und Speisekarten-Kosten“, es kommt zu Verzerrungen im Steuersystem, und vieles mehr.<br />
	&nbsp;<br />
	„Schuhsohlen-“ und „Speisekarten-Kosten“?<br />
	Inflation wirkt wie eine Steuer auf das Halten von Geld. Bei einer Geldentwertung von 20 % im Monat wird man nicht einmal pro Woche Geld bei der Bank abheben und dieses dann kontinuierlich ausgeben. Das Geld, was man heute abhebt, wäre nämlich am Ende der Woche schon 5 % weniger wert. Bei einer hohen Inflation werden viele Menschen täglich zur Bank gehen und Geld abheben. Das nicht gebrauchte Geld werden sie zinsbringend bei der Bank anlegen, um einen Ausgleich für den Inflationsverlust zu erhalten.<br />
	Schuhsohlen-Kosten sind also die Kosten, die die Menschen aufwenden, um Ihre Bargeld-Haltung zu verringern. Natürlich resultieren diese nicht vorwiegend aus den abgelaufenen Schuhen für die Bankbesuche, sondern aus dem Zeitverlust, der dadurch entsteht.<br />
	&nbsp;<br />
	Die „Speisekarten“- Kosten muss man sich so vorstellen:<br />
	Die meisten Unternehmen ändern nicht jede Woche oder jeden Monat ihre Preise. Untersuchungen haben gezeigt, dass Unternehmen im Durchschnitt einmal pro Jahr ihre Preise ändern. In der Automobilbranche, im Maschinenbau wird häufig ein Preiskatalog pro Jahr erstellt. Bei hoher Inflation müssten die Unternehmen allerdings häufiger die Preise anpassen, sonst erleiden sie Verluste. Speisekarten-Kosten oder englisch Menu Costs sind dann die Kosten der Preisänderungen: Kosten für den Druck neuer Kataloge, Kosten der Entscheidung über neue Preise, Kosten von Auseinandersetzungen mit den Kunden.<br />
	&nbsp;<br />
	Inflation führt vor allem auch zu willkürlichen Vermögensumverteilungen. Bei einer überraschenden Inflation verlieren die Gläubiger. Der Geldwert ihrer Forderungen an die Schuldner schrumpft. Bei einer sehr hohen Inflation, also einer Hyperinflation, bekommen sie ihren Kredit in wertlosem Kleingeld zurück. Gewinner der Inflation sind dagegen die Schuldner. Außerdem profitiert der Staat von einer Inflation. Im Steuersystem gilt das Prinzip „1 Euro gleich 1 Euro“. Unter der Voraussetzung eines progressiven Steuersystems ergibt sich bei einem Anstieg des Einkommens&nbsp; infolge von Inflation eine Zunahme der Steuerlast, da die Einkommen der Steuerpflichtigen in höhere Steuersätze „hineinwachsen“. Schließlich führt Inflation zu einer Fehlleitung der wirtschaftlichen Ressourcen.<br />
	Beispiel: Für eine Marktwirtschaft ist ein funktionierender Preismechanismus wichtig. Steigende Preise zeigen zum Beispiel Knappheiten an und führen dazu, dass Ressourcen in diese Bereiche fließen. Bei hohen und stark schwankenden Inflationsraten kann es dagegen zu Fehlleitungen der Ressourcen kommen. Angenommen, die Automobilhersteller legen ihre Preise im Januar fest und halten sich bis Dezember daran. Andere Sektoren passen die Preise schneller an. Die monatliche Inflationsrate betrage 2 %, dann sind im Herbst die Autos real gerechnet schon fast 20% billiger als im Januar. Eine Übernachfrage entsteht. Das Angebot reagiert nicht, weil es für die Automobilbauer unrentabel wird, die Produktion zu steigern. Die Automobilpreise geben somit die Knappheitsverhältnisse nicht richtig wieder. Die Ressourcen werden damit in die falsche Verwendung gelenkt.<br />
	&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br />
	Steigende Preise haben auch die Gemüter im Januar 2002 bewegt. Für Obst und Gemüse, musste man plötzlich recht tief in die Tasche greifen.&nbsp; Begründet wurde das mit Warenknappheit, doch mit diesem Argument ließen sich längst nicht alle abrupten Preissteigerungen zur Jahreswende rechtfertigen.<br />
	&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br />
	Und was machen die Politiker wenn’s mal wirklich ernst aussieht? Oder haben vielleicht die Wirtschaftswissenschaftler ein Patentrezept wie sich eine Inflation vermeiden lässt?&nbsp;<br />
	Bevor man auf diese Fragen näher eingehen kann,&nbsp; sollten erst noch die beiden Primärziele des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts etwas näher konkretisiert werden. Das heißt man muss die Ziele, niedrige Arbeitslosigkeit und Preisstabilität, operational machen.<br />
	&nbsp;<br />
	Dazu muss man dreierlei tun:<br />
	Erstens sind den beiden Zielen Indikatoren zuzuordnen, mit denen der Grad der Zielerreichung gemessen werden kann.<br />
	Zweitens sind die Ziele quantitativ zu bestimmen. Es müssen also angestrebte Zielwerte im Sinne von „Bestwerten“ definiert werden.<br />
	Drittens ist festzulegen, innerhalb welcher Periode die Ziele erreicht werden sollen.<br />
	&nbsp;<br />
	<strong>Hohe Beschäftigung -Sprich: niedrige Arbeitslosigkeit</strong><br />
	Die klassische Methode zur Messung der Arbeitslosigkeit ist die Arbeitslosenquote. Sie ist definiert als Zahl der registrierten arbeitslosen Menschen in Prozent der Erwerbspersonen. Zielwerte für die Zahl der Arbeitslosen oder die Arbeitslosenquote gibt die Bundesregierung in ihren Jahreswirtschaftsberichten bekannt. Gemäß Paragraph 2 des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes ist die Bundesregierung zu Jahreszielprojektionen verpflichtet. Darüber hinaus enthalten die Jahreswirtschaftsberichte in der Regel auch Angaben zur mittelfristig angestrebten Entwicklung.<br />
	Im Jahreswirtschaftsbericht 2001 beispielsweise projizierte die Bundesregierung einen Rückgang der Arbeitslosenquote von 9,6 % auf unter 9 %. Wie bekannt, hat die Regierung zu Beginn ihrer Amtszeit im Jahre 1998 für das Wahljahr 2002 einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf unter 3,5 Millionen als Ziel verkündet. Im&nbsp;Februar 2005 lag die Arbeitslosenzahl bei 5,216 Millionen. Dabei wurden die bis dahin nicht registrierten Sozialhilfeempfänger durch die Harz IV - Reform&nbsp;mit eingerechnet.<br />
	Die Ziele, die im Jahreswirtschaftsbericht beschrieben sind, sind keine Ziele im Sinne von „Bestindikatoren“. Von dem bestmöglichen Ziel, nämlich der Vollbeschäftigung, ist Deutschland leider noch sehr weit entfernt.<br />
	&nbsp;<br />
	Aber wenigstens bei der Preisstabilität in Deutschland sieht es etwas anspruchsvoller aus.<br />
	Die Europäische Zentralbank hat für Deutschland und die anderen Teilnehmer an der Europäischen Währungsunion das Ziel der Preisstabilität recht anspruchsvoll konkretisiert. Die Europäische Zentralbank sieht die Preisstabilität als erreicht an, wenn der Harmonisierte Verbraucherpreisindex im Euro-Raum nicht stärker als 2 % ansteigt. Diese Zielmarke soll mittelfristig erreicht bzw. eingehalten werden.<br />
	Der harmonisierte Verbraucherpreisindex zeigt, wie sich die Preise eines repräsentativen Warenkorbs für eine Durchschnittsfamilie im EWU-Raum entwickeln.<br />
	&nbsp;<br />
	Schaut man sich einmal die Berechnung des Preisindex etwas näher an, kann man sich auch am besten erklären, warum die Europäische Zentralbank dann nicht gleich eine Inflationsrate von Null anstrebt. Die jährliche Inflationsrate des Warenkorbs wird nämlich errechnet, indem der aktuelle Wert des Warenkorbs mit dem mengenmäßig gleichen, jedoch zu Vorjahrspreisen bewerteten Warenkorb in Beziehung gesetzt wird. Einen solchen Index nennt man <strong>Laspeyres-Index</strong> .<br />
	Der Laspeyres-Preisindex ergibt sich aus einem Quotient. Im Zähler dieses Quotienten steht der Wert des Warenkorbes errechnet aus der Summe der Produkte von aktuellem Preis und konstanter Ursprungsmenge der einzelnen Güter. Im Zähler steht der Wert des Warenkorbs der Basisperiode, errechnet aus den Preisen der Basisperiode und den verbrauchten Mengen in der Basisperiode. Diese Berechnungsmethode ist eine (gute und übliche) bewährte Methode.<br />
	&nbsp;<br />
	Allerdings, gibt es schon auch gewisse Nachteile. Diese Methode führt beispielsweise dazu, dass die Preissteigerungsrate für die Verbraucher tendenziell etwas überschätzt wird.<br />
	Folgen daraus: In diesem Berechnungsverfahren wird ja unterstellt, dass sich die Verbrauchsmengen der Konsumenten, d.h. ihre Verbrauchsgewohnheiten über einen längeren Zeitraum nicht verändern (die konstanten Mengen im Zähler und Nenner der Formel). Ein Warenkorb ist bei seiner Einführung normalerweise bereits vier Jahre alt, bei seiner Ablösung neun Jahre. So wird für das Jahr 2002 ein Warenkorb aus dem Jahre 1995 verwendet. Dies führt nun zu folgenden Effekten:<br />
	·&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Güter, die seit 1995 stark im Preis gestiegen sind, werden wahrscheinlich weniger nachgefragt. Dieser Effekt kann mit dem fixen Warenkorb nicht erfasst werden.<br />
	·&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Neue Produkte, deren Preise nach Markteinführung häufig stark fallen, werden erst mit einer längeren Verzögerung in die Preisbeobachtung einbezogen<br />
	Das heißt, wenn man sich heute einen DVD-Player für 500 Euro kauft, der vor einigen Jahren noch 2000 Euro gekostet hat, dann&nbsp; kann man das in dieser Formel gar nicht berücksichtigten, weil ein DVD-Player noch nicht im Standardwarenkorb enthalten ist.<br />
	&nbsp;<br />
	Es gibt darüber hinaus aber noch weitere Gründe, warum die aktuelle Inflationsrate die tatsächliche Teuerung übertreibt. Die Preisdaten werden bei dem gängigen Verfahren von einer festen Auswahl von Berichtstellen übermittelt. Strukturänderungen im Handel, die zu günstigeren Einkaufsmöglichkeiten führen, werden nur unzureichend berücksichtigt. Man denke an die zunehmende Zahl sogenannter Factory Outlets. Zudem resultieren Preissteigerungen oft aus Qualitätsverbesserungen von Gütern, die nur schwer quantifizierbar sind.<br />
	&nbsp;<br />
	Die Verzerrung des Verbraucherpreisindex nach oben ist dabei von Land zu Land verschieden. Die Deutsche Bundesbank hat in einer vielbeachteten Studie herausgefunden, dass die tatsächliche Inflationsrate in Deutschland um bis zu 0,75 Prozentpunkte über der „wahren“ Inflationsrate liegt. Vor diesem Hintergrund ist somit das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank mit einem Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex zwischen 0 % und 2 % durchaus als ehrgeizig&nbsp; anzusehen.<br />
	&nbsp;<br />
	Bevor es nun darum geht, inwieweit die Primärziele des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts in Deutschland erreicht sind, noch kurz etwas zur Konkretisierung des Wachstumsziels.<br />
	&nbsp;<br />
	<strong>Ausreichendes Wachstum</strong> ist ja eine notwendige Bedingung für die Erreichung eines hohen Beschäftigungsstandes (Zielharmonie). Das Wachstumsziel muss also auch zahlenmäßig konkretisiert werden. Als traditioneller Indikator zur Messung des wirtschaftlichen Wachstums fungiert das reale Bruttoinlands- bzw. Bruttosozialprodukt.<br />
	&nbsp;<br />
	Die Bundesregierung operationalisiert das Wachstumsziel ebenfalls anhand dieses Indikators. Das Wachstumsziel wird von der Bundesregierung genauso wie das Beschäftigungsziel im Jahreswirtschaftsbericht konkretisiert, wobei auch hier keine „Bestmarke“ sondern ein pragmatisches Ziel abgeleitet wird.<br />
	&nbsp;<br />
	Und wie schaut dann der Vergleich mit der Wirklichkeit hinsichtlich Wirtschaftswachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit aus?<br />
	Zuerst zum Positiven: Die Inflationsrate war in Deutschland in den letzten 10 Jahren insgesamt gesehen niedrig und lag meist unter oder nahe dem Zielwert von 2 %. 1992 und 1993 hatten wir aufgrund der deutschen Vereinigung noch eine relativ hohe Inflationsrate von 5 % bzw. 4 ½ %. Danach sank die Inflation jedoch deutlich. Aufgrund des starken Ölpreisanstiegs, der Abwertung des Euro und einiger anderer Sonderfaktoren stieg die Inflationsrate in Deutschland im Jahr 2001 zwar auf knapp&nbsp; 2 ½ %.&nbsp; wieder spürbar unter die 2%-Marke fällt.&nbsp; Seit 2010 fiel die Infoationsrate spürbar unter die 2% -Marke. Seit 2012 wird die Gefahr einer Deflation diskutiert.<br />
	Hier kann man also sagen: Das Ziel ist erreicht.<br />
	&nbsp;<br />
	Mit dem Beschäftigungs- und Wachstumsziel sah es leider um 2003 deutlich schlechter aus. Das Wirtschaftswachstum fiel in Deutschland in den der Dekade insgesamt gesehen recht bescheiden aus. Man sprach vom kranken Mann Europas. Im Vergleich der deutschen Wachstumsrate mit der Wachstumsrate der Vereinigten Staaten sieht man, dass Deutschland deutlich schwächer gewachsen ist. In den Jahren 1992 bis 2001 nur um durchschnittlich 1 ½ % pro Jahr, verglichen mit einem jahresdurchschnittlichen Wachstum von 3 ½ % in den USA. Durch die Reformen in Deutschland hat sich die Situation nachhaltig verbessert.<br />
	&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br />
	<strong>Dramatisch war auch die Lage am Arbeitsmarkt. </strong><br />
	Die Arbeitslosenquote hatte sich in Deutschland deutlich schlechter entwickelt als in vielen anderen Ländern.&nbsp; Deutschland wies im Jahr 2001 eine Arbeitslosenquote von 9 ½ % auf. Im&nbsp;Januar 2005&nbsp;waren&nbsp; 5.216 Mio. erwerbslos.&nbsp;&nbsp;Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten ist nur halb so hoch. Auch in unserem Nachbarland, den Niederlanden wurden sehr viel größere Erfolge bei der Erreichung des Ziels einer niedrigen Arbeitslosigkeit erreicht. Die Hartz-Reform hat eine Wende gegeben. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes hat Deutschland innerhalb Europas zum Vorzeigestaat gemacht. 2014 waren noch nie so viele Menschen in Deutschland in Beschäftigung. In Südeuropa ist die Situation nach 2009&nbsp; anders. Dort ist insbesondere bei den Jugendlichen eine Arbeitslosenquote von bis zu 40% gemessen worden.<br />
	<br />
	<strong>Aber warum bekam man erst in Deutschland und 2010 in Südeuropa diese Probleme eigentlich nicht in den Griff?</strong><br />
	Es wären zwar Lösungsvorschläge vorhanden,&nbsp; aber sie scheinen nicht so recht durchzudringen.<br />
	Deshalb schauen wir uns die Kluft zwischen Theorie und Praxis mal näher an.<br />
	Dabei kommt die Frage auf, wie man in der Wirtschaftwissenschaft überhaupt dazu kommt, Theorien aufzustellen, wie beispielsweise das magische Viereck und anzunehmen, dass sie über längere Zeit gültig bleiben. Stabilität und Wachstum unterliegen doch einer ständigen Dynamik.<br />
	Und das ist sicher ein Hauptproblem. Das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (in Deutschland) mit den Zielen des magischen Vierecks beispielsweise wurde zu einer Zeit beschlossen, in der die Regierungen sehr optimistisch waren bezüglich der Möglichkeiten des Staates. Diese Zeit war stark von keynesianischem Gedankengut geprägt.<br />
	&nbsp;<br />
	<strong>Das Charakteristische am keynesianischen Gedankengut:</strong><br />
	Die Weltwirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre und das Erscheinen des wahrscheinlich wichtigsten Buches der Wirtschaftsgeschichte, nämlich der „General Theory of Employment, Interest and Money“ von <a href="http://www.dombergen.de/../cmsl/content/keynes.php">John Maynard Keynes</a>führten zu einem neuen Weltbild. Im Gegensatz zur vorher geltenden klassischen Theorie geht die keynesianische Theorie davon aus, dass der Markt alleine nicht in der Lage ist, das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht nach Störungen wieder zu erreichen. Die sogenannten Keynesianer sind also Pessimisten, was die Leistungen des Marktes betrifft. Keynes hat darauf verwiesen, dass ein Gleichgewicht der Wirtschaft bei Unterbeschäftigung auftreten kann. <a href="http://www.wirtschaftundschule.de/Lexikon/K/Konjunkturpolitik.html">Der Staat hat dann Verantwortung zu übernehmen</a>. Die Keynesianer sind der Ansicht, dass speziell unfreiwillige Arbeitslosigkeit vermieden werden muss.<br />
	Erreichen kann dies der Staat durch eine Beeinflussung der Nachfrage. Ein rückläufiges Wachstum und eine steigende Arbeitslosigkeit können nach Ansicht der Keynesianer durch eine gezielte Nachfragesteigerung des Staates beseitigt werden. Dies kann man in einem Angebots-/Nachfragediagramm zeigen. Wenn der Staat in einer Situation einer rückläufigen Nachfrage die Staatsausgaben erhöht, verschiebt sich die Nachfragekurve wieder nach rechts und ein höheres Produktionsniveau wird erreicht.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br />
	Die Keynesianer sind also Pessimisten, was die Fähigkeiten des Marktes und Optimisten, was die Fähigkeiten des Staates angeht.<br />
	<br />
	<strong>Kritiker</strong> des keynesianischen Konzepts behaupten jedoch, dass gesamtwirtschaftliche Ungleichgewichte vom Staat auf Dauer nicht geheilt werden können. Vielmehr ist nach ihrer Ansicht oft der Staat für Ungleichgewichte sogar verantwortlich. Kurzfristige staatliche Ausgabenprogramme zur Ankurbelung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage erweisen sich oft als Strohfeuer. Sie erhöhen langfristig die Staatsschulden und damit die Steuern. Private Wirtschaftstätigkeit wird dadurch eingedämmt. Während sich die keynesianische Strategie zur Überwindung des Konjunktureinbruchs in Deutschland in den Jahren 1966/67 als weitgehend erfolgreich erwies, führte sie in den siebziger Jahren zu großen Problemen.<br />
	&nbsp;<br />
	Die Kritiker, die sogenannten <strong>Neoklassiker</strong>, haben eine andere Vorstellung von der Rolle des Staates. Sie knüpfen an klassische Vorstellungen an. Die Neoklassiker sind Marktoptimisten. Der Marktmechanismus führt ihrer Ansicht nach zu einem stabilen wirtschaftlichen Gleichgewicht. Voraussetzung dafür ist ein funktionsfähiger Preismechanismus, der das Marktsystem bei Störungen rasch genug zum Gleichgewicht zurückführt. Die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland erklären die Neoklassiker nicht mit einer zu geringen Güternachfrage, sondern mit zu hohen Löhnen und vielen starren Regelungen auf dem Arbeitsmarkt.<br />
	&nbsp;<br />
	Für das geringe Wirtschaftswachstum in Deutschland lieferten die Angebotstheoretiker, eine neoklassische Denkrichtung, ebenfalls eine relativ schlüssige Erklärung. Sie plädierten für eine Verbesserung der marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere für eine Ausweitung und Revitalisierung der privaten Wirtschaftstätigkeit und eine Senkung der Staatsquote, also des Anteils der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt. Dies wurde mit den Reformen der Hartz-Gesetze umgesetzt.<br />
	&nbsp;<br />
	<strong>Doch konnte der Staat denn nun tun, um das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht zu korrigieren?</strong><br />
	<br />
	Vorsichtig sollte man sein mit Ausgabenprogrammen zur kurzfristigen Nachfragestimulierung. Wichtiger war, dass in Deutschland nach 2003 durch die Agenda 2010 mit den Hartz-Gesetzen die <strong>langfristigen</strong> Bedingungen zur Erreichung eines hohen Wirtschaftswachstums verbessert wurden. Die Politik in Deutschland folgte der Einsicht, dass das langfristige Wachstum einer Volkswirtschaft hängt ab vom Umfang und der Qualität der Produktionsfaktoren, nämlich der Sachkapitalausstattung, den Arbeitskräften, den Ressourcen sowie dem technischen Wissen. Wir sind ein Land mit einer stark alternden Bevölkerung und relativ arm an natürlichen Ressourcen. Deshalb müssen wir in den nächsten Jahren enorme Anstrengungen unternehmen, um die Bildung und damit das Humankapital zu verbessern. Und die Unternehmen müssen Bedingungen vorfinden, in denen es sich lohnt, in neue Techniken, Maschinen und Produktionsverfahren zu investieren.<br />
	<br />
	<strong>Quelle:</strong>&nbsp;&nbsp;IT-Kompaktkurs – Grundlagen VWL – Folge 11<br />
	Prof. Dr. Thomas Jost<br />
	FH Aschaffenburg von 2003<br />
	angepasst und aktualisiert von Dombergen</p>
</div>]]></description>
			<author>dombergen@gmx.de (Dombergen)</author>
			<category>VWL</category>
			<pubDate>Mon, 30 Jul 2012 19:23:29 +0000</pubDate>
		</item>
	</channel>
</rss>
